Unterwegs Ausgabe 3 2021

Unterwegs Ausgabe 3 2021
Susanne Frank
Susanne Frank
Redakteurin (verantwortlich)

Augen zu und entspannt ankommen?

Bosch und Daimler steigen aus der gemeinsamen Entwicklung der „Robotaxis“ aus – so lauteten die Schlagzeilen vor gut einem Monat. Die Entwicklungen zum vollautomatisierten und autonomen Fahren stünden zwar nicht vor dem Aus, aber beide wollten getrennte Wege gehen. Die Nachricht kam kurz nachdem am 27. Juli das Gesetz zum Autonomen Fahren in Kraft trat und die Bundesregierung kundtat, dass sie in Sachen autonomes Fahren eine Führungsrolle übernehmen will. Als erster Staat weltweit hat Deutschland nun gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen, um „bis zum Jahr 2022 Fahrzeuge mit autonomen Fahrfunktionen in den Regelbetrieb zu bringen.“

Spielen die Akteure auf der Straße da mit? Wie immer bei neuen Entwicklungen gibt es die Skeptiker und die Optimisten. Schaut man sich die Umfrage von Continental zu den Branchen- Herausforderungen an, wird als ein Ergebnis hervorgehoben, dass Unternehmen das autonome Fahren eher skeptisch sehen. (Bericht auf den Seiten 26/27). Interessant: Bei einer Mehrheit der Logistiker stehen auf ihrer persönlichen Wunschliste Fahrerassistenzfunktionen, aber nur eine Minderheit (fast zwei Drittel weniger) wünscht sich Systeme zum automatisierten Fahren.

Die Skepsis ist natürlich gut nachvollziehbar für jeden, der Auto fährt. Das Steuer aus der Hand geben? Niemals! Das hängt sicher auch damit zusammen, dass man sich nur schwer vorstellen kann, während der Fahrt ein Nickerchen machen zu können und sein Leben der Technologie anzuvertrauen. Umso mehr, da es tatsächlich schon zu schweren Unfällen bei Tesla-Testfahrten in den USA kam. Elon Musk, der mit Tesla als Vorreiter in Sachen autonomes Fahren gilt, musste auch kürzlich „zurückrudern“ und zugeben, dass es doch schwieriger als gedacht sei, Level 5 zu erreichen (Level 5 ist die derzeit höchste Stufe beim autonomen Fahren, bei der die Fahrzeuge tatsächlich auch bei komplexen Verkehrssituationen selbstständig agieren).

Jedoch gilt es auch, die Anwendungsfälle einmal genauer zu betrachten. Bis die Autofahrer:in auf der Autobahn autonom unterwegs ist, wird es noch dauern. Es geht zunächst um Shuttle- Verkehre auf einem Messegelände oder Busse, die auf festen Routen unterwegs sind, oder um Hub-to-Hub-Verkehre. Letzteres wird derzeit erfolgreich in die Praxis umgesetzt (siehe Bericht über das erfolgreiche Pilotprojekt von MAN Truck & Bus im Hamburger Hafen auf Seite 35).

Skepsis und Vorsicht auf der einen Seite, Forscherdrang und Ansporn auf der anderen Seite. Beides ist verständlich. Eines ist sicher: Die Fahrer müssen sich derweil keine Sorgen machen, dass sie in naher Zukunft nicht mehr gebraucht werden. Im Gegenteil: Die große Herausforderung für Spediteure und die gesamte Transportbranche heißt: qualifizierte Fahrer anlocken, ausbilden, weiterbilden und langfristig an sich binden. Ein Schlaglicht auf die Situation wirft unser großer Beitrag auf den Seiten 14 bis 17. Hier kommen drei Spediteure und ein Fahrer selbst zu Wort und erzählen, wie sie die Situation meistern.

Viel Spaß beim Stöbern in unserer „Unterwegs“ und kommen Sie gut an – mit offenen Augen und beiden Händen am Steuer!

Ihre Susanne Frank

redaktion@unterwegs-auf-der-autobahn.de