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Next Level beim neuen Actros

Julian Kral
(erschienen bei Transport von Robert Domina)

So fühlt sich autonomes Fahren auf Level 2 an. Unser Redakteur sammelte erste Fahreindrücke mit dem neuen Actros, das Ergebnis: Mirror-Cams erweisen sich als wertvolle Sichthilfen mit vielen Vorteilen, Active Drive Assist hält den Actros mit feinen Lenkeingriffen in der Spur, der GPS-Tempomat "sieht" nun auch Kurven oder Kreisverkehre und reagiert mit Anpassung der Geschwindigkeit.

Kein Zweifel: Das ist kein schnödes Facelift, das ist eine Revolution. Daimler hat sich getraut und einen mächtigen Schritt in Richtung digitales Human-Machine-Interface getan. Es gibt keine Außenspiegel mehr und auch kein Armaturenbrett im herkömmlichen Sinne. Stattdessen zwei hoch auflösende Bildschirme für die Instrumente und System-Steuerung, plus zwei Hochkant-15-Zöller als Spiegel-Ersatz.

Weniger offensichtliche Neuheiten offenbaren unsere ersten Ausritte mit dem neuen Actros in der Nähe von Barcelona, Spanien. Schlüssel wie gewohnt in den Schacht? Fehlanzeige. Einfach den Senderschlüssel auf die Mittelkonsole abgelegt, Startknopf beherzt durchgedrückt, schon erwacht der Sechszylinder, hier in der 480-PS-Version, zum Leben.

Die Mirror-Cams stellt man sich ein wie früher: Einfach über das Tastenfeld in der Tür. Hier lassen sich auch die Hilfslinien definieren und entsprechend dem gezogenen Trailer abspeichern. Dann geht's los. Oha! Da greift Kollege Computer aber beherzt in die Lenkung ein. Bei aktiviertem "Active Drive Assyst" ist der Lenkassistent praktisch permanent zu spüren - das ist schon gewöhnungsbedürftig. Der Computer orientiert sich ganz offensichtlich permanent an den Fahrbahnmarkierungen. An den Mautstellen zieht der Actros zielstrebig nach rechts, immer der durchgezogenen Linien entlang. Aber ich kann ihn überstimmen und auch wenn ich aus dem Tempomat rausgehe, ist Ruhe im Lenkrad. Auf den langen Autobahnetappen lernt man die Spurhilfe aber schnell schätzen. Vielleicht mehr als dem System lieb ist. Denn die Warnung (erst in gelb dann in rot, schließlich auch noch akustisch untermalt), die Hände am Lenkrad zu lassen, kommt ziemlich häufig, obwohl ich mindestens eine Hand stets am Lederkranz liegen hatte. Eben. Nur liegen, nur schwach lenkend. Der Lenkmoment-Sensor will eben manchmal mehr spüren, so im Sinne: "Hallo? Ist da noch jemand wach und bewusst am Lenken?" Ich tu' ihm den Gefallen und packe stärker zu - tatsächlich, die Warnungen werden seltener.

Was mir ebenfalls sehr schnell und durchaus unangenehm auffällt: Wenn ich meine gesetzte Geschwindigkeit wieder mit "Resume" aus dem Speicher holen will, setzt der Computer nicht meine vorher definierte Marsch-Geschwindigekeit, sondern die Geschwindigkeit, die hier per Schild (also per Gesetz) gefordert ist. So viel Eigenständigkeit treibt mir erst mal den Blutdruck hoch. Auf Nachfrage wird aber schnell klar, was hier passiert: Dadurch, dass der neue GPS-Tempomat PPC nun selbstständig vor Kurven oder Kreisverkehren seine Geschwindigkeit drosselt (also selbst nach Kurvenradius und Speed-Limit wählt), muss sich der Computer zwingend innerhalb der gesetzlichen Vorgaben bewegen. Deshalb bekam ich vorhin nicht meine 84 km/h sondern nur 80 km/h per Resume-Taste.

So mutig die Daimler-Entwickler hier vorgegangen sind - im neuen Actros ist einiges an Diskussions-Stoff eingebaut. Mehr über die ersten Fahreindrücke im neuen Actros in der neuen Transport-Ausgabe 10/2019.

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