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Porsche-Legenden des Motorsports

Bert Brandenburg

Das Porsche Museum auf dem Solitude Revival 2019: Mit dabei waren ikonische Rennwagen wie der 917 KH „Gulf“, 550 Spyder oder 804 Formel 1, aber auch Fahrer wie Hans Herrmann, Hans-Joachim Stuck oder André Lotterer.

Keiner kann sich an diesem Wochenende der Faszination der Rennwagen-Klassiker entziehen. „Ich bin zum ersten Mal beim Solitude Revival dabei und fahre auch zum ersten Mal den 718 Formel 2“, sagt André Lotterer, der in der kommenden Saison für Porsche in der Formel E starten wird. „Man bekommt ein wunderbares Gefühl für die damalige Zeit, den Ursprung unserer Renngeschichte. Der Formel 2 fährt sich wunderbar auf der Rennstrecke. Man bekommt richtig Lust, bis ans Limit zu gehen.“ Er ist nicht der einzige, der aus dem Formel-Renner mit dem Vierzylinder-Königswellenmotor am liebsten nicht mehr ausgestiegen wäre. „Ich habe mich in das Auto verliebt“, seufzt Hans-Joachim Stuck. „Und die Solitude ist toll, alles drin, schnell und langsam, bergauf und bergab. Ich wäre damals gern mitgefahren.“

Die Stimmung ist einzigartig auf diesem Rennsportfestival. Die Begeisterung der rund 12.000 Zuschauer für die mehr als 430 historischen Fahrzeuge muss sich wohl kaum hinter dem Enthusiasmus verstecken, den bis 1965 die manchmal deutlich mehr als 400.000 Besucher der Solitude-Rennen entfachten. Was vermutlich auch daran liegt, dass es keine Berührungsängste oder Hemmnisse zwischen Rennwagen, Fahrern und Publikum gibt. Als per Lautsprecherdurchsage zur offiziellen Autogrammstunde ins Porsche-Zelt eingeladen wird, wächst die Schlange der Besucher innerhalb von wenigen Minuten auf etwa 20 Meter. Wobei sich zeigt, dass die Begeisterung keine Geschlechterfrage ist – männliche und weibliche Fans halten sich die Waage.

„Ich erlebe das Solitude Revival zum ersten Mal“, sagt Neel Jani, der zusammen mit André Lotterer als Porsche-Werksfahrer bei der Formel E an den Start gehen wird und eifrig Autogramme schreibt. „Es ist ein Mehrwert für alle Auto-Enthusiasten. Ich kenne viele Autos nur von den schwarz/weiß-Aufnahmen und -Filmen. Dass man diese nun hier live sieht, hört und erlebt, ist einzigartig.“ Bei Walter Röhrl werden da ganz konkrete Erinnerungen wach. Wie ihn sein Vater 1954 zum ersten Mal zum Solitude-Rennen mitnahm und er als siebenjähriger Bub auf den Strohballen am Streckenrand die Renner gefährlich nah vorbeiflitzen sah. „Wenn ich so etwas später aus dem Rennauto sah, dachte ich: Sind die verrückt?“ 

Einer, der damals schon die Strohballen aus der Fahrerperspektive sah, war Eberhard Mahle, der 1954 erstmals bei der Rallye Solitude startete und Klassensieger wurde. Vor genau 60 Jahren gelang ihm ein Ausnahmeerfolg: Mahle ging beim Solitude-Rundstreckenrennen in drei Klassen an den Start, gewann zwei und beendete das dritte auf Platz Drei. „Die Solitude“, erzählt er, „war eine Fahrerstrecke. Da konnte man auch mit einem unterlegenen Auto gewinnen, wenn man einfach besser war.“ Und fügt schmunzelnd hinzu: „Autofahren kann ich halt bis heute immer noch am besten von Allem.“

Eberhard Mahle, Hans Herrmann und Hans Mezger gehören zu den Ehrenmitgliedern des Solitude Revival e.V., der die Motorsport-Bienale veranstaltet. Wie ihr ehemaliger Kollege und frühere Porsche-Werksfahrer Herbert Linge. Auch mit 90 lässt es sich der Gründer der ONS-Sicherheitsstaffel nicht nehmen an die Strecke zu kommen, auf der er 1963 Klassensieger wurde. Neben den vielen anderen internationalen Erfolgen. Ihm zu Ehren wird an beiden Tagen gegen Abend der „Herbert Linge Sonderlauf“ gestartet. Das Dröhnen der Motoren und das Klatschen der Zuschauer ist sein ganz persönlicher Beifall.

 

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