Scandlines: Hybridfähre mit Rotorsegel ausgestattet

Torsten Buchholz

Ende Mai 2020 wurde ein Rotorsegel des finnischen Unternehmens Norsepower auf der Scandlines-Hybridfähre „Copenhagen“, die zwischen Rostock in Deutschland und Gedser in Dänemark verkehrt, installiert.

Die Installation erfolgte im Rahmen des von der EU finanzierten Wind Assisted Ship Propulsion (WASP, dt. windunterstützte Antriebstechnologie für Schiffe) Projekts, das Ende 2019 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, fünf windunterstützte Antriebseinheiten auf einer Reihe unterschiedlicher Schiffe zu installieren, die in der Nord- und Ostsee verkehren, um windunterstützte Antriebstechnologien zu testen, zu validieren und deren Marktdurchdringung zu ermöglichen. Laut Scandlines wird erwartet, dass diese Systeme die CO2-Emissionen durchschnittlich um vier bis fünf Prozent reduzieren werden. Bei optimalen Windverhältnissen rechnet man mit einer Reduzierung von mehr als 20 Prozent.

Das für das Rotorsegel (42 Tonnen) notwendige Stahlfundament (21 Tonnen) wurde während eines geplanten Werftaufenthalts im November 2019 montiert. Die Installation des 30 Meter hohen Norsepower-Rotorsegels selbst erfolgte während eines nächtlichen Aufenthalts im Überseehafen in Rostock. Dazu Alan Bach, Seniorkapitän der „Copenhagen“:

„Wir konnten nahezu alles innerhalb der kurzen verfügbaren Zeit von nur wenigen Stunden abschließen. Dies war von wesentlicher Bedeutung, da wir rund um die Uhr unterwegs sind. Jeder Dienst- oder Umsatzausfall ist natürlich kritisch für unseren Fährbetrieb.“

Ein weiterer wichtiger Teil des WASP-Projekts ist die Überwachung und Validierung der Ausstattung und der Leistung selbst. Scandline-COO Michael Guldmann Petersen äußert sich zu diesem Punkt wie folgt:

„Wir erwarten eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 4-5 Prozent, was eine nicht unwesentliche Menge ist. Wenn alles gut geht, werden wir weitere Installationen zukünftig in Betracht ziehen. Wir sind sehr froh darüber, dass das System vollständig automatisiert ist und wir rechnen mit keinen großen technischen Problemen. Der letzte Betriebsmonat verlief recht glatt und wir können erkennen, dass sich dieser Trend während des Testzeitraums fortsetzt.“

Auch der Nabu (Naturschutzbund Deutschland), der schon seit vielen Jahren eng mit Scandlines zusammenarbeitet, um den ökologischen Fußabdruck der Reederei zu verbessern, ist mit den veranlassten Maßnahmen sehr zufrieden. Sönke Diesener, Referent Verkehrspolitik des Nabu Berlin:

„Dies sind großartige Neuigkeiten für das Klima und die Umwelt. Der NABU ist erfreut darüber, tatsächliche Veränderungen in Folge der ehrgeizigen Ankündigungen von Scandlines zu sehen. Scandlines treibt die Idee der Dekarbonisierung der Schifffahrt voran und ist Pionier auf dem Gebiet grüner Technologien.“

Norsepower-CEO Tuomas Riski sagt:

„Scandlines kann beachtliche Erfolge bei der Investition in neue, saubere Technologien vorweisen, die die CO2-Emissionen ihrer Flotte reduzieren. Die Möglichkeit, durch das Norsepower Rotorsegel Wind gemeinsam mit der hydrodynamischen Optimierung des Schiffsrumpfes und einem elektrischen Hybridantriebssystem mit einem batteriebetriebenen Energiespeicher zu nutzen, macht die ‚Copenhagen‘ zu einer der energieeffizientesten Fähren weltweit.“