Sono Motors: Manege frei für den Sion

Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Im Hauptzelt des Wannda Zirkus in München zeigten die Sono-Gründer Jona Christians und Laurin Hahn ihrer Community die Serienversion des Sion – und auf dem Freigelände das Solarkit für Omnibusse. Es war brütend heiß, doch das Zelt war voll und die Community gut gelaunt: Zwei der Besteller des Sion durften mit auf die Bühne und unter die „Motorhaube“ blicken und probe sitzen: Im zweiten Halbjahr 2023 soll der Sion jetzt in Serie gehen – viel zu spät, wie die Sono-Gründer ehrlicherweise zugaben – aber mit Valmet habe man einen perfekten Partner gefunden, um die bisher 19.000 vorbestellten Sion in Serie gehen zu lassen.

Der wurde im Detail nochmal überarbeitet, was ihm ganz gut tat – denn nach wie vor ist der Sion eher eine nutzwertige kohlenkistenartige Schachtel mit leicht welliger Motorhaube, was den Solarpaneelen geschuldet ist. Auch innen wurde der Sion nochmal aufgehübscht und bietet viel Platz auf wenig Raum.

 
Die Community war begeistert. | Foto: G. Soller
Die Community war begeistert. | Foto: G. Soller
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Das Hauptpublikum (und die meisten Besteller) dürften dann auch eher auf Praxistauglichkeit und Sparsamkeit Wert legen – es und stammt vor allem aus dem älteren Bildungsbürgertum, wo man auf Umweltschutz und schonenden Umgang mit den Ressourcen größten Wert legt. Dabei sollen die 456 nahtlos integrierte Solar-Halbzellen an der Karosserie helfen. Doch genau hier soll es zur Serie eine weitere Optimierung geben, denn nach wie vor wirkt die Karosserie wegen der Halbzellen eben etwas „wellig“. In Serie sollen die Halbzellen nahtlos in die Karosserie integriert werden. „Die Solarzelle selbst ist keine Neuentwicklung von uns“, sagt Jona Christians erklärt dazu, dass die zelle selbst keine Neuentwicklung von Sono sei, aber:

 „Alles weitere, Einkapselung, Verschaltung und Software kommt von Sono.“

Die Solarzellen sollen Strom für 112 Kilometer pro Woche oder bis zu 5.000 Kilometer pro Jahr bieten. Oder 16 Kilometer am Tag. Christians rechnet vor: „Das senkt die Betriebskosten enorm, den Sion müssen die Kunden vier Mal seltener laden als vergleichbare Elektroautos“, so Christians. Der Strom wird in einer 54 kWh großen LFP-Batterie gespeichert, die für bis zu 305 Kilometer WLTP-Reichweite sorgen soll. An einer Schnellladesäule kann der Sion mit bis zu 75 kW geladen werden, für das AC-Laden ist ein bidirektionaler Onboard-Charger mit 11 kW verbaut. Der erwartete Verkaufspreis liegt bei 25.125 Euro netto, also in Deutschland bei 29.899 Euro brutto. Im nächsten Schritt werden Vom Serien-Design 37 Exemplare gebaut, davon 16 funktionsfähige Autos für Abstimmungs- und Validierungstestfahrten sowie 21 Rohkarossen für diverse Belastungs- und Crashtests. Eine alte Rohkarosse stand auch vor dem Hauptzelt.

Und Laurin Hahn gab sich zuversichtlich:

„Mit Valmet haben wir einen erfahrenen und zuverlässigen Automotive-Partner an unserer Seite gefunden.“

Laut Christians sollen die Ingenieure von Sono und Valmet bereits die Produktion planen. Hahn ergänzte: „Solar hat sich extrem entwickelt, bei Effizienz und Preisen. Solar ist eine der günstigsten Energieformen, die wir auf den Planeten haben“.

Doch nicht nur den Sion zeigte man, sondern auch ein Solar-Kit zum Nachrüsten für Omnibusse, denn neben dem Sion treibt man auch die Sparte Solartechnik weiter, die Solar-Anlagen in alle Arten von Fahrzeugen integrieren soll, darunter auch Auflieger oder Vans. Das Solar Bus Kit kann auch auf dem Dach von Dieselbussen montiert werden, um dort Strom für Nebenverbraucher zu erzeugen und so den Dieseldurst zu senken.

Was bedeutet das?

Großer Zirkus bei Sono: Zwar ist man mit dem Sion spät dran, scheint aber jetzt alles in trockenen Tüchern zu haben: Die Verträge mit Valmet stehen, fast 20.000 Erstbesteller halten dem Auto die Treue und das Solargeschäft wird immer vielfältiger. Dann hoffentlich Manege frei für den Produktionsstart 2023.