Auto Shanghai 2021: Mercedes-Benz präsentiert EQB

Der vollelektrische Kompakt-SUV mit bis zu sieben Sitzplätzen feiert in China Premiere. Er schließt die Lücke zwischen EQA und EQB

Aufrecht und optional siebensitzig: Der neue Mercedes-Benz EQB. | Foto: Daimler
Aufrecht und optional siebensitzig: Der neue Mercedes-Benz EQB. | Foto: Daimler
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Zwischen A und C ließ Daimler noch eine Lücke bei den EQ-Modellen, die jetzt der EQB schließt. Wie die beiden anderen SUV basiert auch er auf dem gleichnamigen GL-Verbrenner-SUV, dem GLB und ist optional als Siebensitzer ausgelegt. Die beiden Sitze in Reihe drei können laut Daimler „von Personen bis 1,65 Metern Körpergröße genutzt werden“, auch die Montage von Kindersitzen sei dort möglich. Und weil China für Daimler ein extrem wichtiger Markt ist, wird der EQB auch dort produziert bei Beijing Benz Automotive Co., Ltd (BBAC), einem Joint Venture zwischen Daimler und seinem chinesischen Partner BAIC Group.

„China ist nicht nur die wichtigste Pkw-Absatzregion für uns, sondern auch der weltweit führende Markt für Elektroautos“, sagt Hubertus Troska, Vorstandsmitglied der Daimler AG, verantwortlich für alle China-Aktivitäten und ergänzt:

„Wir freuen uns sehr, den vollelektrischen EQB hier in China zum allersten Mal zu präsentieren. Mit seinen sieben Sitzplätzen trifft der neue EQB die Bedürfnisse sehr familienorientierter Kunden. Neben den richtigen Produkten ist unser lokaler Produktions-Footprint einer der entscheidenden Faktoren für nachhaltiges Wachstum in China. Deswegen freuen wir uns sehr darauf, den vollelektrischen EQB in Peking zu produzieren.“

In China startet der neue EQB als vollausgestattetes Topmodell mit AMG Line und einer Leistung von 215 kW. In Europa werden die Kunden gleich zu Beginn die Wahl haben zwischen mehreren Modellen mit Front- und Allrad­antrieb und verschiedenen Leistungsstufen mit zum Teil über 200 kW. Die nutzbare Kapazität der Batterien in Europa beträgt 66,5 kWh, diese Batterien werden in den Daimler-Werken in Kamenz (Deutschland) und Jawor (Polen) gefertigt. Auch eine besonders reichweitenstarke Version ist geplant. Die Verbrauchswerte des EQB 350 4MATIC in Europa sollen nach WLTP betragen 18,1 bis 19,2 kWh/100km, was bis zu 419 Kilometer Reichweite bedeutet. In der Realität werden davon eher 300 plus minus x übrig bleiben, wenn man von einem realistischen Durchschnittsverbrauch von gut 20 kWh/100 km ausgeht.

Die Maße (Länge/Breite/Höhe: 4.684/1.834/1.667 Millimeter) und den vergleichsweise langen Radstand mit 2829 Millimetern übernimmt der im Rohbau ähnliche EQB vom GLB. Das Ladevolumen beträgt 495 bis 1.710 bzw. 465 bis 1.620 Litern (Angaben für Fünf- bzw. Siebensitzer). Die Lehnen der Sitze in der zweiten Reihe sind serienmäßig in mehreren Stufen in der Neigung verstellbar, auf Wunsch ist diese Reihe um 140 Millimeter in der Länge verschiebbar. Dadurch lässt sich der Kofferraum in verschiedenen Schritten um bis zu 190 Liter vergrößern und vielseitig nutzen. Auf Wunsch (in China serienmäßig) verfügt der EQB über die erwähnte dritte Sitzreihe mit zwei zusätzlichen Einzelsitzen.

Aerodynamisch optimiert, um Reichweite zu gewinnen

Auch optisch macht der EQB keinen Hehl aus seiner Abstammung, wurde aber wie EQA und EQV „EQ-mäßig“ angepasst. Der cw-Wert ab 0,28 ist für einen so aufrechten Charakter günstig. Zu den wichtigsten aerodynamischen Maßnahmen zählen das im oberen Bereich komplett geschlossene Kühlluftregelsystem, die strömungsgünstige Front- und Heckschürze, ein sehr glatter, nahezu vollständig geschlossener Unterboden, speziell optimierte Aero-Räder und darauf angepasste Radspoiler vorne und hinten.

Auch der EQB bietet einen ECO Assistenten, der eine situationsoptimierte Rekuperation anbietet. Er bezieht Navigationsdaten, Verkehrszeichenerkennung und Informationen der Fahrzeugsensoren in seine Effizienzstrategie mit ein. Dazu kommt die serienmäßige Navigation mit Electric Intelligence: Sie kalkuliert den einschließlich möglicherweise nötiger Ladestopps schnellsten Weg ans Ziel. Auf Basis laufender Reichweiten-Simulationen werden dabei nötige Ladestopps ebenso berücksichtigt wie zahlreiche weitere Faktoren, etwa die Topografie und das Wetter. Auch auf Änderungen zum Beispiel der Verkehrssituation und des persönlichen Fahrverhaltens kann das System dynamisch reagieren. Darüber hinaus sorgt die Navigation mit Electric Intelligence dafür, dass vor einem geplanten Ladestopp die Hochvolt-Batterie bei Bedarf auf eine ladeoptimale Temperatur gebracht wird.

Mit bis zu 100 kW Schnellladen

Zu Hause oder an öffentlichen Ladestationen kann der EQB mit Hilfe des Onboard-Laders komfortabel mit bis zu 11 kW mit Wechselstrom (AC) aufgeladen werden, DC laden kann man mit bis zu 100 kW. Die Ladezeit beträgt dann etwas mehr als 30 Minuten von 10-80 Prozent SoC. Für das AC- und DC-Laden ist der EQB in Europa und den USA serienmäßig mit einem CCS-Kombistecker in der rechten Seitenwand ausgerüstet. In China kommt eine landesspezifische Ladelösung mit Dosen rechts und links in der Seitenwand zum Einsatz, auch die Ladezeiten können gegenüber der europäischen Ausführung variieren. Über Mercedes me Charge werden EQB Fahrer das derzeit größte Ladenetzwerk weltweit nutzen können: Aktuell verfügt es über 500.000 AC- und DC-Ladepunkte in 31 Ländern. Über Mercedes me Charge bekommen Mercedes-EQ Kunden bequem Zugang zu Ladesäulen verschiedener Anbieter und profitieren von einer integrierten Bezahlfunktion mit einfacher Abrechnung.

Der Strom von Mercedes me Charge stammt aus erneuerbaren Energien – zumindest indirekt

Mercedes-Benz garantiert mittels hochwertiger Herkunftsnachweise, dass für über Mercedes me Charge geflossene Lademengen Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz eingespeist wird. Mit Mercedes me Charge können Kunden europaweit an über 200.000 öffentlichen Ladepunkten laden, Mercedes-Benz sorgt dort für den nachträglichen Ausgleich durch Grünstrom.

Made in Germany ist Vergangenheit

Die Produktion des EQB wird noch 2021 an zwei Standorten anlaufen: im ungarischen Mercedes-Benz Werk Kecskemét für den Weltmarkt und im deutsch-chinesischen Joint-Venture BBAC in Peking für den lokalen Markt.  Der EQB wird das erste rein elektrisch angetriebene Serienfahrzeug aus Ungarn sein und das Plug-in-Hybrid-Portfolio, bestehend aus CLA und CLA Shooting Brake, ergänzen. Auch die A-Klasse wird künftig in Kecskemét mit Plug-in-Hybridantrieb zusätzlich zum deutschen Mercedes-Benz Werk Rastatt produziert, wo der EQA entsteht. Was zu erwarten war und mit Elektrifizierung nichts zu tun hat, sondern nur mit der geringeren Lohnkostenstruktur: Das ungarische Mercedes-Benz Werk hat seit dem Produktionsstart im Jahr 2012 seine Bedeutung im globalen Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz Cars stetig ausgebaut. Zu den Stärken des Kompaktwagen-Produktionsverbunds zählt neben der digitalen Vernetzung auch insbesondere der direkte Austausch mit dem Lead-Werk für die Kompaktwagen im baden-württembergischen Rastatt.Die Batteriesysteme für die in Europa produzierten kompakten Mercedes-EQ Modelle liefern die Mercedes-Benz Tochter Accumotive in Kamenz sowie die Batteriefabrik im polnischen Jawor. Beide Fabriken wurden von Beginn an CO₂-neutral konzipiert.

Die Markteinführung in China ist noch in diesem Jahr geplant. Nach Europa kommt die internationale, im ungarischen Kecskemét produzierte Version des EQB Ende des Jahres, die Markteinführung in den USA folgt 2022.

Was bedeutet das?

Der EQB gehört wie der GLB zu den raumeffizientesten Mercedes-Benz-Pkw und bewegt sich im Kern und am oberen Rand des weltweiten Kompakt-SUV-Marktes. Hier hat er mit sieben Sitzen und viel optionalem Ladevolumen eine raumeffiziente Sonderstellung. Schade, dass seine Produktion bis auf ein paar Akkus gar nicht mehr in Deutschland stattfindet. Denn die ungarischen Lohnkosten werden Raststatt, Sindelfingen und Co. immer unterbieten.

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