Autonomes Fahren: Daimler dockt jetzt bei NVDIA an

Nach der abrupten Abkehr von der Kooperation mit BMW sollen jetzt ab 2024 alle Daimler-Modelle mit automatisierten Fahrfunktionen auf Basis des NVDIA Drive-Systems ausgerüstet sein.

Kalifornien statt Oberbayern: Daimler kooperiert für das autonome Fahren jetzt mit NVDIA, deren Drive-Plattform schon weit gediehen ist. | Foto: Daimler
Kalifornien statt Oberbayern: Daimler kooperiert für das autonome Fahren jetzt mit NVDIA, deren Drive-Plattform schon weit gediehen ist. | Foto: Daimler
Torsten Buchholz
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Nachdem der Daimler-Konzern vor kurzem abrupt das vorläufige Ende der Entwicklungskooperation mit dem bayerischen Konkurrenten BMW bekannt gegeben hatte, wollen die Schwaben jetzt gemeinsam mit dem kalifornischen Graphikkarten- und KI-Spezialisten NVDIA das automatisierte Fahren voranttreiben. Auf Basis des NVDIA Drive-Systems sollen beginnend mit dem Jahr 2024 sukzessive die Mercedes-Benz-Modelle mit automatisierten Fahrfunktionen ausgestattet sein. Das NVDIA Drive System wiederum basiert eigentlich auf einer Hardware und Steuerbox ZF Pro AI, die auf der CES im vergangenen Jahr vorgestellt worden war und modulare Assistenz von Basis-ADAS-Funktionen bis hin zu Mobility-as-a-Service-Lösungen bieten soll. Inwiefern die Entwicklungen miteinander verwoben werden, ist unklar.

Die neue Software-definierte Daimler-Architektur auf NVDIA-Basis soll in allen Fahrzeugen zum Standard gehören. Ein Ziel ist es unter anderem, regelmäßige Strecken automatisiert zu fahren. Zusätzlich werde es "zahlreiche weitere Sicherheits- und Komfortanwendungen" geben, wie der Hersteller mitteilte. Die Geschäftsidee dahinter ist ähnlich dem Konzept bei Tesla, Kunden künftig Software-Anwendungen und Abonnement-Dienste via Over-the-Air-Updates über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs gegen Gebühr anzubieten.

Das System-on-Chip (SoC), genannt Orin, basiert auf der kürzlich angekündigten NVIDIA Ampere-Supercomputing-Architektur. Die NVIDIA DRIVE-Plattform umfasst einen vollständigen Systemsoftware-Stack, der speziell für die automatisierte Steuerung von KI-Anwendungen entwickelt wurde. NVIDIA und Mercedes-Benz wollen gemeinsam KI-Anwendungen und automatisierte Funktionen entwickeln, die SAE Level 2 und 3-Stufen sowie automatisierte Parkfunktionen (bis Level 4) umfassen. Der Fokus des neuen Systems werde klar auf dem Thema Sicherheit liegen, so der Hersteller. Mit der Entwicklung der Technologie und bei Vorliegen des entsprechenden Rechtsrahmens solle jedes Auto neue automatisierte Fahrfunktionen via Over-the-Air-Updates bekommen können.

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