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Bandit Big Rig Series

Die erste reguläre amerikanische Truckrennserie (GTRA) startete Ende der 1970er Jahre in den USA. Angeblich sollen die beiden Trucker-Kultfilme „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ und „Convoy“ der Auslöser gewesen sein.

Bandit Big Rig Series – Truckracing made in USA
Bandit Big Rig Series – Truckracing made in USA
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Redaktion (allg.)

Legendär war das Bobtail 500-Rennen auf dem Pocono Raceway, einem für US-Rennstrecken typischen großen Rennoval. Bis zu 30 dreiachsige Sattelzugmaschinen kämpften auf Serienreifen mit über 200 km/h um Positionen und Pokale. Schon damals gab es eine schnelle Lady im Cockpit eines Renntrucks. Ihr Name war Shawna Robinson und ihre Trucks hatten pinkfarbene Farbakzente. Steffi Halm lässt grüßen! Doch über die Jahre veränderte sich die Serie ständig und verlor an Einfluss. 1993 fiel dann die letzte Zielflagge für ein Truckrennen unter dem GTRA-Label. Auch in den Folgejahren gab es hier und da Truckrennen, doch die waren meist lokal und hatten mit einer echten Rennserie wenig zu tun.

STRANA – Trucksportexport aus Deutschland

Anfang der 2000er, in Europa hatte sich längst eine professionelle Truck-Rennserie etabliert, gab es im Mutterland des Truckrace einen neuen ernsthaften Versuch, eine Truckrennserie zu etablieren. Mit Unterstützung aus Germany plante eine Truck- und Motorsport-begeisterte Truppe eine neue Truckserie namens STRANA an den Start zu bringen. Ein silberfarbener Mercedes-Benz Superrace-Truck aus der Euroserie wurde eigens in die USA verfrachtet, um dort für die schnellen Laster Werbung zu machen. Als nächster Schritt wurden unter der Leitung des deutschen Truckingenieurs Andy Winkel mehrere baugleiche Haubertrucks aufgebaut. Trotz potenter Unterstützer, viel Marketingengagement und einiger Großsponsoren kamen die wenigen Silhouetten-Prototypen mit Detroit Diesel-Einheitsmotoren und viel Renntechnik unter der Kunststoffhaut nie über Demorennen hinaus. Noch bevor die Serie eine erste Rennsaison unter die Räder nehmen konnte, gingen die Lichter aus.
 
Champ Truck World Series: Ein neuer Anfang war gemacht

Unter dem unbescheidenen Label Champ Truck World Series sollte im Jahr 2015 der europäische Truckrace-Bazillus erneut auf die USA übertragen werden. Wieder war Europa-Support mit an Bord. Fabien Calvet, Intimus der europäischen Truckrace-Szene, sollte der Garant für ein gutes Gelingen sein. American Feeling gepaart mit einfacher und kostengünstiger Technik plus einer Prise Marketing samt namenhaften Seriensponsoren sollte möglichst viele Teams in die Startreihen spülen. Gefahren wurde auf klassischen Rennstrecken. Doch das als Minimum avisierte Dutzend kam nicht zustande und so verloren sich die wenigen Racetrucks auf den Rennstrecken. Auch temporäre Fahrerunterstützung aus Europa half nicht weiter. Von Anfang an mit dabei war auch eine Abordnung des ungarischen Oxxo-Racing-Teams. Eigens aus Europa wurde ein Volvo-Hauber in die USA verfrachtet und bestritt dort als Truck Race Team USA mit ungarischen Piloten einige Rennen. Doch auch das konnte das Ende der Serie nicht verhindern. Zu wenige Teams und Trucks ließen die Serie nie richtig in Fahrt kommen. Mitten in der zweiten Saison mussten die Champ Truck-Macher das Handtuch schmeißen, nachdem rund 2/3 des äußerst überschaubaren Starterfeldes keine Lust mehr verspürten und der Serie den Rücken kehrten.

Die Bandit Big Rig Series beerbt die Champ Trucks

Doch bereits kurze Zeit später war von einer neuen Serie die Rede. Erstaunlich, nicht wenige Akteure waren zuvor bei den Champ Trucks unterwegs. Mitte 2016 startete die Bandit Big Rig Series, die Craig Kruckeberg, Eigentümer des Hauptsponsor Minimizer, gehört. Die Testsaison wurde auf kleineren und somit zuschauerfreundlicheren Oval-Rennstrecken der östlichen USA ausgetragen. Für alle Beteiligten war schnell klar, eine neue Truckracing-Serie war geboren. Alles was teuer ist, ist schlicht verboten. Bereits in den beiden ersten kompletten Rennsaisons 2017 und 2018 waren die Starterfelder ganz ordentlich gefüllt. Gaststarter aus anderen US-Serien oder Promis aus der Truck-szene füllten zudem das ein oder andere Starterfeld zusätzlich. Dank großzügiger Seriensponsoren, die zum Teil auch mit eigenen Teams und Fahrern dabei waren, erhielten die Weekend-Winner 2018 nicht nur Pokale, sondern auch satte 10.000 Dollar Siegprämie. Da wundert es nicht, dass die Bandits Zuwachs bekamen.

Während die bisherigen Austragungsorte maximal 400 Meilen um Nashville, Tennessee, lagen, planten die Serienmacher für 2019 eine Ausweitung in den Westen der USA. Obwohl daraus dieses Jahr nichts wird, sieht der 2019er Kalender insgesamt 12 Rennveranstaltungen in den östlichen Bundesstaaten vor. Unter den Piloten finden sich bisher viele Amateurmotorsportler mit großem Herz und schwerem Bleifuß. Viele kommen aus der Transportbranche oder dem Zuliefererbereich. Profirennfahrer sind die Ausnahme.

Die Punktevergabe war 2018 aus europäischer Sicht kompliziert, aber durchaus fair. Nicht der Sieger erhielt zwangsläufig die meisten Punkte, sondern der Fahrer, welcher die meisten Positionen im Rennen erkämpft hatte. Ab 2019 werden die Punkte jedoch, wie in den meisten Motorsportserien, ausschließlich nach Zieldurchfahrt verteilt. An jedem Wochenende gibt es mehrere Rennen, die in Sachen Punkten jedoch unterschiedlich gewertet werden. Und auch das Zeittraining geht in Sachen Meisterschaftszähler nicht leer aus. Das Rennprozedere unterscheidet sich vom bekannten ETRC-Standard. In Übersee kommt die Show nicht zu kurz. Ein Rennen jagt das nächste und auf den Ovalpisten sind Überholmanöver die Regel. Beim Bandit Shootout fahren jeweils zwei Bandit-Trucks direkt gegeneinander. Der Sieger dieses Sprintduells erhält jedoch nur ein Pünktchen, ist aber eine Runde weiter. So ist auf der Piste fast immer was los. Action ist garantiert.

Und genau nach diesem Motto verlief das erste Saisonevent 2019 am 23. März auf dem Mobile International Speedway in Alabama. Es gab zum Teil sehr heftigen Lackaustausch samt einiger Totalausfälle. Doch die eigentliche Überraschung war ein 21-jähriger Newcomer aus Europa. Bendegúz Molnàr aus Budapest wurde von seinem Oxxo-Team in die USA geschickt. Quasi als Aufwärmtraining für die Truck EM 2019, wo er für das Oxxo-Team an den Start geht, pilotierte der junge Ungar erstmals einen Volvo Hauber der Bandit-Series. Er verblüffte die gesamte US-Konkurrenz und verließ Alabama als erster Tabellenleader 2019 samt 10.000 $ Siegprämie.  

Wer auf der typisch amerikanisch gemachten Webseiten vorbeischaut, wird feststellen, dass die Racetrucks von dem technischen Standard der FIA ETRC oder auch den Serien in England, Frankreich oder Brasilien noch ein Stück entfernt sind. Am ehesten vergleichbar sind die Boliden der US-Serie mit denen der niederländischen Truckserie DTR. Auch hier steht bezahlbarer familiärer Trucksport im Focus. Vielleich ist es aber genau das, was die Amerikaner lieben und mögen. Aktuell sieht es tatsächlich so aus, als wenn die rustikalen Bandits in den USA eine Zukunft haben könnten.

Bandit Racetruck – Regelwerk:

  • Zweiachsige Sattelzugmaschinen der großen Klasse 7 oder 8, welche in den USA oder Kanada mit mindestens 1000 Einheiten verkauft wurden
  • Radstand: 3,6 – 4,5 m, Höhe: 2,3 – 3,2 m inkl. Auspuff, Gewicht: 5,2 – 6,3 t inkl. Fahrer
  • Dieselmotoren (Viertakter) mit 10 – 16 Liter Hubraum; Einzel-Turbolader mit max. 80 mm Durchmesser oder Twin-Turbo in Serienausführung
  • Bei der Motorposition und der des Führerhauses sind nur minimale Veränderungen erlaubt
  • Haubertrucks (Conventional) oder Frontlenker (Cab over Engine/COE)
  • Scheiben- oder Trommelbremsen aus der Serienproduktion; Wasserkühlung vorgeschrieben
  • Keine elektronischen Helfer (ABS/ASR/…)
  • Schalt- oder Automatikgetriebe aus der Serienproduktion
  • Einheitsreifen
  • Sicherheitsausstattung angelehnt an internationale/europäische Sicherheitsstandards
  • Höchstgeschwindigkeit rund 100 Meilen/h, also ca. 160 km/h – nicht reglementiert!

 

INTERAKTIV
Das Video 2019 der Bandit Big Rig Series:
https://www.youtube.com/watch?v=d7erBpNIcHc

Fotos: Bandit Big Rig Series

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