BBSR-Statistik: Die Deutschen pendeln wieder mehr

In Deutschland nimmt der Pendelverkehr wieder zu, vor allem die Distanzen erhöhen sich deutlich. Mehr als 30 Kilometer einfach absolvieren über sieben Millionen Personen, im Schnitt sind es fast 17 Kilometer einfach. Trend zu entfernteren Orten am Land nimmt zu. In der Pendlerhochburg München wohnen 444.000 Arbeitnehmer außerhalb. Schlechte ÖPNV-Verbindung macht Auto oft alternativlos.

Homo Pendeliensis: Immer mehr Menschen in Deutschland pendeln in die Arbeit. In der "Hochburg" München kommen täglich 444.000 Arbeitnehmende von außerhalb. | Foto: Audi
Homo Pendeliensis: Immer mehr Menschen in Deutschland pendeln in die Arbeit. In der "Hochburg" München kommen täglich 444.000 Arbeitnehmende von außerhalb. | Foto: Audi
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

In Deutschland pendeln wieder mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. 20,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiteten im Jahr 2022 in einer anderen Gemeinde als sie wohnten – im Jahr 2021 waren es noch 19,6 Millionen. Der Anteil der Pendlerinnen und Pendler an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Wohnort in Deutschland blieb mit 60 Prozent dagegen stabil. Das ergibt eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die auf Daten der Bundesagentur für Arbeit beruht. Sowohl die Zahl als auch der Anteil der Pendlerinnen und Pendler mit einem einfachen Arbeitsweg von mehr als 30 Kilometern erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr deutlich. 7,1 Millionen Pendlerinnen und Pendler legten im Jahr 2022 auf dem Weg zur Arbeit mehr als 30 Kilometer zurück (2021: 6,6 Millionen), 3,9 Millionen sogar mehr als 50 Kilometer (2021: 3,6 Millionen). Auch der durchschnittliche einfache Arbeitsweg verlängerte sich: von 16,9 Kilometer im Jahr 2021 auf 17,2 Kilometer im Jahr 2022. 

Die Liste der kreisfreien Städte und Landkreise mit den längsten durchschnittlichen Pendeldistanzen führen die Landkreise Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern, 27,4 Kilometer) und Altmarkkreis Salzwedel (Sachsen-Anhalt, 27,3 Kilometer) an. Es folgen die Landkreise Märkisch-Oderland (Brandenburg, 27,2 Kilometer), Landsberg am Lech (Bayern, 27,0 Kilometer) und Pfaffenhofen an der Ilm (Bayern, 26,4 Kilometer).

„Vor allem im weiteren Umland der Arbeitsmarktzentren München, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hamburg beobachteten wir nach Jahren der Stagnation wieder einen Anstieg der Pendeldistanzen. Das deutet darauf hin, dass auch weiter entfernt liegende Klein- und Mittelstädte für Beschäftigte als Wohnorte zunehmend attraktiv werden – zumal Homeoffice und andere Formen der mobilen Arbeit mehr Flexibilität ermöglichen“, analysiert BBSR-Experte Thomas Pütz.

Die größten deutschen Städte sind Pendlerhochburgen

Unter den Großstädten üben München und Frankfurt am Main weiterhin die größte Anziehungskraft für Arbeitskräfte aus dem Umland aus. So wohnten im Jahr 2022 444.000 der in München arbeitenden Beschäftigten außerhalb der Stadtgrenzen. Es folgen Frankfurt am Main (397.000), Berlin (382.000) und Hamburg (378.000). In der Pendlerhochburg München hat sich die Zahl der Einpendler innerhalb von zehn Jahren um über 100.000 Beschäftigte erhöht, immer mehr Beschäftigte legen Distanzen von mehr als 50 Kilometern zurück. Dass die Pendler häufig mit dem Auto unterwegs sind, legt auch die Statistik "Mobilität in Deutschland" nahe: So waren hier 2017 in München 44 Prozent der Haushalte ohne Auto, im Umland der Isarmetropole aber nur 16 Prozent.

Je weiter auf's Land man kommt, desto größer ist auch die Unzufriedenheit mit der ÖPNV-Anbindung: So ermittelte jüngst eine Allensbach-Studie im Auftrag des VDA, dass 84 Prozent der Land-Bewohner nicht meinen auf ihr Auto verzichten zu können, inklusive Stadtbewohner 74 Prozent. Nur drei Prozent erklärten, sie hätten ein Auto und könnten problemlos darauf verzichten.

Die BBSR-Statistik weist den Wohnort und den Arbeitsort von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Stichtag 30. Juni 2022 aus. Anhand der Statistik lässt sich nicht nachweisen, merkt das BBSR an, wie viele Menschen im Berichtszeitraum tatsächlich die Arbeitsstätte aufgesucht haben oder im Homeoffice tätig waren. Auch geht aus den Daten nicht hervor, welche Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit genutzt wurden. Sie zeigen jedoch, wie sich die Arbeitsmarktzentren regional verteilen und wie weit diese aufs Umland ausstrahlen. Die Statistik enthält keine Daten für Beschäftigte mit einem Wohnort im Ausland und für Wohnort-Arbeitsort-Beziehungen, die weniger als drei Beschäftigte aufweisen.

Printer Friendly, PDF & Email