BDEW E-Mobilitätsmonitor: Zubau top - Zulassungen und Auslastung flop

Gibt es bald zu viele Säulen für zu wenige E-Autos: Mit einem Zubau von 27.682 öffentlichen Ladepunkten und 1,5 GW seit Januar ist der Ladesäulenausbau weiter auf Rekordkurs. Dagegen pendeln sich die E-PKW-Neuzulassungen nach dem Peak im August auf dem Niveau der Jahre 2021/2022 ein. Belegung der Säulen konstant niedrig.

Vor allem der Zubau an Schnellladern geht schnell voran: Vorreiter EnBW vermeldete den Aufbau von 100 Standorten binnen eines Jahres. Aber die Auslastung hakt noch gewaltig. | Foto: EnBW
Vor allem der Zubau an Schnellladern geht schnell voran: Vorreiter EnBW vermeldete den Aufbau von 100 Standorten binnen eines Jahres. Aber die Auslastung hakt noch gewaltig. | Foto: EnBW
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. hat seine dritte Ausgabe des BDEW-Elektromobilitätsmonitors veröffentlicht und stellt einen Rekord beim Ladesäulenzubau bei gleichzeitiger Stagnation der E-Auto-Zulassungen fest. Dargestellt werden in der Analyse die ersten drei Quartalen 2023. Nach einem starken ersten Halbjahr hätten sich die Neuzulassungen voll batterieelektrischer Fahrzeuge im September wieder auf Vorjahresniveau eingependelt. Nach einem Höhepunkt mit 86.649 zugelassenen E-Fahrzeugen im August, der als Vorzieheffekt des Umweltbonus zu werten ist, liegen die Zulassungszahlen im September wieder bei 32.000 Fahrzeugen.

Der Ausbau des öffentlichen Ladeangebots liegt dagegen weiterhin auf Rekordkurs: Mit Stand 1. Oktober stehen den E-Mobilisten 113.112 öffentliche Ladepunkte mit insgesamt 5,2 Gigawatt (GW) installierter Ladeleistung zur Verfügung. Das ist ein Zuwachs von gut 30 Prozent seit Jahresbeginn bei der Anzahl der Ladepunkte und eine Steigerung von gut 40 Prozent bei der Ladeleistung. Die den Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung stehende Ladeleistung übertrifft laut Verband damit den Zielwert der EU bei weitem: Laut EU sind 1,3 kW installierte Ladeleistung pro batterieelektrisches Fahrzeug und 0,8 kW pro Plug-In Hybrid vorgegeben.

In Deutschland ist doppelt so viel Ladeleistung installiert wie vorgegeben

Für die aktuell auf Deutschlands Straßen fahrenden E-Pkw ergibt dies einen Bedarf von 2,23 GW. Damit ist heute in Deutschland schon mehr als doppelt so viel Ladeleistung installiert wie nach europäischen Vorgaben gefordert. Das Ladeangebot komme auch bei den Kundinnen und Kunden gut an, resümiert der Verband. Laut einer Umfrage unter E-Autofahrerinnen und -fahrern findet die Mehrheit (62 Prozent): Laden ist besser als Tanken. 24 Prozent sehen keinen Unterschied und nur 11 Prozent finden Tanken besser als Laden. Dazu trägt neben dem raschen Ausbau auch die gute, nutzerorientierte Flächendeckung bei. Deutlich werde dies auch mit Blick auf die Kommunen, in denen heute noch kein öffentlicher Ladepunkt installiert ist: Diese haben im Schnitt nur jeweils 1.100 Einwohner, sind also sogenannte Landgemeinden, in denen in der Regel an der eigenen Wallbox geladen wird. Zum Vergleich: Im Durchschnitt hat eine Kommune 7.000 Einwohner.

„Wichtig ist, dass wir auch bei den Neuzulassungen wieder mehr Schub in den Markt bekommen, damit wir das Klimaziel im Verkehrssektor erreichen und Deutschland bei Elektromobilität weiter vorne mitspielt. Dafür brauchen wir vor allem mehr Pkw-Angebote, die für ganz viele Bürgerinnen und Bürger bezahlbar sind“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Der Staat könne das mit dem Umweltbonus nur teilweise kompensieren. Deshalb brauche die Bundesregierung zuvorderst eine Strategie, um das Ziel von 15 Millionen E-Pkw bis 2030 zu erreichen. Insbesondere nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. November müsse hier nach neuen Wegen abseits von Subventionen gesucht werden, um die richtigen Anreize zu setzen.

"Dennoch lohnt sich die Kraftanstrengung, denn wenn wir die Klimaziele im Verkehrssektor nicht schaffen, wird es teuer: Bei einer Zielverfehlung im Verkehrssektor muss Deutschland auf EU-Ebene Verschmutzungsrechte nachkaufen. Das kann schnell in die Milliarden gehen. Diese Kosten sollten vermieden werden, indem heute dafür gesorgt wird, dass der Anteil der E-Autos schneller wächst", mahnt Andreae weiter.

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