BYD Seagull: Besser als Dacia Spring?

Bisher konnten wir in beiden nur sitzen – aber auch hier offenbaren sich schon diverse Unterschiede.

Auf der Auto China stand auch der BYD Seagull und lud zu Sitzproben ein. | Foto: G. Soller
Auf der Auto China stand auch der BYD Seagull und lud zu Sitzproben ein. | Foto: G. Soller
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Nach dem Spring nun der Seagull: Er soll künftig BVDs Einstiegsangebot auch in Europa sein und könnte in der Basis unter 16.000 Euro starten, also ganz knapp unter Dacias jüngst geliftetem Spring, der von Dongfeng kommt. Erstaunlich: Schon beim öffnen und schließen der Tür macht die Seemöve den solideren Eindruck.

Das Platzangebot ist im Fond eine Idee besser als im Spring, der Kofferraum dafür kleiner

Kurz nochmal die Maße: Er ist 3,78 Meter lang, 1,72 Meter breit und 1,54 Meter hoch. Der Radstand beträgt ordentliche 2,50 Meter. Der Innenraum dünstet bei weitem nicht so aus wie beim größeren Dolphin, von dem wir auf ersten Ausfahrten etwas enttäuscht waren. Der Seagull wirkt dagegen wie aus einem Guss, man findet sofort eine passende Sitzposition und wenn man wie beim Spring als großer Fahrer eine Idee nach vorn rückt, kommen auch hier vier 1,9-Meter Mitfahrer einigermaßen gut unter – auch mal für einen Kurztrip an die See oder in die Berge. Im Fond sitzt man sogar eine Idee besser als im Spring. Der Kofferraum fällt dafür kleiner aus.

Bedienung und Infotainment wirken wertig – man findet sich sofort zurecht und auch hier muss man im Vergleich zum gelifteten Spring anmerken: Der Seagull ist klar das modernere Auto. Und auch das potentere: Der aktuelle Seagull leistet 55 kW (75 PS). Das genügt, um in  13 Sekunden auf Tempo 100 zu kommen, bei 130 km/h wird abgeregelt. Das Modell kostet in China ab umgerechnet rund 10.200 Euro.

38-kWh-Blade-Akku für ordentliche Reichweiten und DC-Laden: Aber nicht für unter 20.000 Euro!

In China bietet BYD zwei Akkus an: Die größere Blade-Batterie mit 38 kWh soll nach dem chinesischen Fahrzyklus CLTC bis zu 405 Kilometer Reichweite und nutzt Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP). Crosscheck im Messeauto: Die Reichweitenanzeige bot uns bei 98%-igem Akkustand 357 km an, real dürften es um die 300 plusminus x sein – merklich mehr als beim Spring. DC-Laden von 30 auf 80 Prozent soll in 29 Minuten klappen, immerhin. Aber: Mit diesem Akku und in der guten Messeausstattung sind die 16.000 Euro nicht mehr zu halten – hier gehen wir Richtung 20.000 Euro plus x.  

Für Sparfüchse oder die, die mit weniger Reichweite auskommen, hält BYD noch einen 30-kWh-Akku mit 305 Kilometer CLTC-Reichweite parat, real dürften hier 200 plusminus x übrig bleiben. Kosten gespart werden auch bei der Herstellung: Der Natrium-Ionen-Akku kommt ohne Kobalt, Nickel und Lithium aus und hat deshalb Vorteile bei den Kosten braucht keine geschürften seltenen Erden.

In Summe hätte BYD also eine scharfe Waffe in der Hand, um in Europa das Einstiegs-Elektro-Segment aufzumischen, doch noch zögert man. Letzten Aussagen unserer Kollegen vom AutoExpress zu Folge soll der Seagull als BYD Mini nach Europa kommen – in einer ganz neuen, größeren Version, auch weil BYD seine Crash-Struktur für den Euro NCAP-Sicherheitstest anpasse.

Unseren AutoExpress-Kollegen erklärte Stella Li, Executive Vice President von BYD auch, das die Kosten in China (dort startet die Basis gar unter 10.000 Euro) wegen den in der EU geforderten zusätzlichen elektronischen Sicherheitssystemen nicht zu halten sei und man trotzdem nur mit einer Drei- oder Vier-Sterne-Bewertung im Crashtest leben müsse. Was zeigt: Auch BYD kocht nur mit Wasser und wird Dacia hier eher nicht unterbieten können. Wie der Euro-Seagull genau aussieht und konfiguriert sein wird, ließ Li noch offen. Auf Nachfrage von AutoExpress antwortete er ausweichend:

„Ja, wir planen, den Seagull nächstes Jahr nach Europa zu bringen. Aber es ist nicht der Seagull für den chinesischen Markt, sondern ein Seagull für den europäischen Markt, ein neuer Seagull. Sie haben ihn noch nicht gesehen; auch ich selbst habe ihn noch nicht gesehen.“

Aufgrund der hohen Kosten für den Rohbau und der soliden Basis auf der Messe gehen wir aber davon aus, dass BYD diese nutzen wird, um seine Seemöve 2025 nach Europa fliegen zu lassen. Was aber zwischen den Zeilen schon klar wird: Auch BYD kann nicht zaubern – und Dacia hat zur Sicherheit ja schon mal vorgebaut…

Was bedeutet das?

Her mit den billigen Einstiegsstromern! In Europa gäbe es viel Bedarf für das leider margenschwache Unter-Vier-Meter-Segment, in dem leider auch BYD nicht zaubern kann. Die Preise dürften sich deshalb an Dacia orientieren, wer mehr Reichweite und DC laden will, muss dagegen auch hier eher mit 20-22.000 Euro plus x rechnen. Dennoch: Der Seagull ist eine solide sympathische Elektrobasis, auf der sich aufbauen lässt – und im direkten Vergleich moderner als der Dacia Spring.

 

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