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Chinesischer Interieurspezialist Yanfeng präsentiert autonomes Konzeptfahrzeug

Mit dem „Experience-in-Motion 2020“, kurz dem XiM20, präsentiert Yanfeng seine Idee für autonomes Fahren von morgen. Unser Redakteur durfte schon mal „probefahren“.

Tim Shih lud zur Probefahrt - durch New York, an die US-Westküste und zuletzt nach Italien. | Foto: G. Soller
Tim Shih lud zur Probefahrt - durch New York, an die US-Westküste und zuletzt nach Italien. | Foto: G. Soller
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Julian Kral
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Tim Shih, Vice President Design and User Experience bei Yanfeng Technology, bringt jede Menge Erfahrungen mit, was Innenräume angeht: Seine vorherigen Arbeitgeber waren unter anderem Johnson Controls und BMW. Und trotzdem begann er auf einem weißen Blatt Papier mit einer umfassenden Befragung von über 2000 Probanden, welche Qualitäten Menschen beim autonomen Fahren suchen. Das Alles filterten er und sein Team in 28 Hauptpunkte, von denen er die drei wichtigsten Punkte herauskristallisiert, die weniger überraschten als die Studie: Sicherheit, physisches Wohlbefinden und Qualität. Dazu kommen drei wichtige Werte wie Service, der Erlebnisfaktor und – jetzt wird es wieder spannend: die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen!

Das Alles haben Designer, Programmierer und Ingenieure dann zu einem wirklich ganzheitlichen Mobilitätserlebnis geformt mit zwei Zonen: einer hellen, in der man aufrecht sitzend hinter Glas das Panorama genießen kann und einer Art „Kuschelecke“, falls man seine Ruhe haben möchte. Hinter den textilbespannten Wänden gibt es natürlich Informationen, Displays und Beleuchtung. Und das ganze Interieur-Ambiente kann auf die Bedürfnisse der Passagiere reagieren – auch auf Gesten. Tim Shih erklärt dazu:

„Als wir die Entwicklung dieser nächsten Generation des XiM-Konzeptfahrzeugs begannen, wussten wir, dass es wichtig war, die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer innerhalb des Fahrzeugs und außerhalb des Mobilitätskontextes zu bewerten."

Entsprechend packte der chinesische Interieurspezialist, der übrigens auch Porsche beliefert und mittlerweile eine Europa-Zentrale in Neuss etabliert hat, alles in den XiM20, was die Technik hergab. Die Bedienelemente für den Innenraum sind über das SIS-Panel (Smart Interior Surface) vorne im Fahrzeug oder über eine Smartphone-App verfügbar. Dann bat uns Shih, einzutreten: Die virtuelle Tür öffnete er, indem er einfach mystisch die Hand auflegte: das Fahrzeug erkennt daran den Nutzer und öffnet sein Portal – oder auch nicht, wenn man ein anderes gebucht haben sollte.

Zuerst nahmen wir vorn auf der „Aussichtsterasse“ Platz: dazu drehten sich die Sitze uns zu, um besser einsteigen zu können – gut auch für alte oder weniger bewegliche Fahrgäste. Die uneingeschränkte 180-Grad-Sicht durch die gekrümmte Windschutzscheibe ermöglichte dann einen herrlichen Blick auf die Straßen New Yorks, die virtuell gezeigt wurden. Diese Zone gleicht laut Tim Shih einem Café oder einer Kaffeehausbar vor einer Glasfront, sodass sich die Insassen während der Fahrt mit der Außenwelt verbunden fühlen können. Dazu gibt es versenkbare Cup- und Smartphoneholder.  

Den „Kaffeetisch“ hatte Designer Shih schon gedeckt: Hier heißt er SIS-Tisch (Smart Interior Surface) - die unter der Tischoberfläche durchleuchtende Bedienoberfläche ist leicht erreichbar und dient dazu, die Fahrt einzuleiten und Funktionen wie Temperatur, Akustik, UV-Oberflächendesinfektion und Navigationssysteme zu steuern. Sehr angenehm: Wird das SIS-System nicht verwendet, sieht man nur  die Naturholzoberfläche. Auch für Hygiene ist gesorgt: Ein UV-Frequenzlicht schwenkt über den Innenraum im XiM20, um häufig kontaktierte Oberflächen bei wechselnden Insassen zwischen den Fahrten zu desinfizieren. Vergessen kann man auch nichts, denn die offenen Staufächer haben eine Erinnerungsfunktion: Deshalb lässt Herr Shih sein Smartphone am Fahrtende absichtlich liegen: Der XiM20 piept und beleuchtet das Fach, in dem das Smartphone liegt – und öffnet die Tür nicht!

Dann setzen wir uns wieder zum Kaffee und Tim Shih startet die Musik: Für mich ganz andere als für ihn, doch keiner stört den anderen. Dahinter steckt Noveto Smart Audio - eine von den Partnern YFAI und Noveto Systems Ltd. entwickelte Innovation, die mit Hilfe von Sensoren, Wandlern und Software die Position des Insassen lokalisiert und verfolgt, um einen qualitativ hochwertigen, individuellen Klang für jeden Fahrgast ohne den Einsatz von Kopfhörern zu liefern, ohne andere zu stören. Im Gegensatz zur traditionellen Richtton-Technologie ist die "Smart Audio(TM)"-Technologie von Noveto laut Yanfeng auch auf engstem Raum einsetzbar, was sie zu einer „idealen Lösung“ für Fahrzeuginnenräume macht – das können wir bestätigen.

Dann wechseln wir in die heimelige Lounge im Fond, in die sich Fahrgäste aus dem Trubel des Alltags zurückziehen können. Der Raum bildet die gemütliche Atmosphäre einer Kabine nach und ist mit einer weichen Stoffumrandung und integrierten Technologien ausgestattet, die die Stimmung und die Vorlieben der Fahrgäste widerspiegeln. Dann fängt Shih an, wild im Auto herumzugestikulieren und erzeugt damit tolle Lichteffekte an Decke und Wand, denn natürlich ist der „Stoffkokon“ hinterleuchtet und kann per Gestensteuerung aktiviert werden: Man kommt sich vor wie ein Lichtmagier. Das Ganze heißt Active Space und ist eine Kombination aus Sensorik für den automobilen Innenraum und integrierter Anzeigetechnologie, die zusammen mit IEE entwickelt wurde. Sie ermöglicht eine Interaktion zwischen den Insassen und ihrer Umgebung und bietet Unterhaltung, Kommunikation und Ambiente. Da man aus der „Loungehöhle“ schlecht heraussieht, informiert sie per „Bulletin-Board-System“: Das ist eine Anzeigetafel in Augenhöhe, deren nahtlos integriertes Display, Fahrtinformationen, Navigationsaktualisierungen und Benachrichtigungen der Fahrgäste beim Erreichen des Ziels bereithält. So können sich diese auf ihre Ankunft in Ruhe vorbereiten und ihre persönlichen Gegenstände an sich nehmen. Dazu passt die Beleuchtung mit aktiver Lichtquelle - eine dynamische Umgebungsbeleuchtung, die ein durch die natürliche Umgebung reflektiertes und gebrochenes Lichtspiel nachahmt.

Verzichtet hat man auch auf große Belüftungsdüsen, die gern Staub und Schmutz einfangen und sich schlecht reinigen lassen: Stattdessen setzt man laut Herr Shih auf kaum sichtbare Lamellen und Luftmengenregler. Sie reduzieren den Raumbedarf für die Lüftung auf einen Bruchteil der normalerweise erforderlichen Fläche, ohne den Luftstrom oder die Heiz- Kühlwirkung zu beeinträchtigen. Man kann das Fahrzeug auf Wunsch auch beduften – hier koopereirt Yanfeng mt dem US-Hersteller Inhalió, der dafür ein ausgeklügeltes System entwickelt hat.

Ja man kann sich Wohlfühlen in so einem „Pod“: Kaffee, Sound, Duft und Temperatur sind exzellent und machen auch eine kurze Fahrt zu einem emotionalen Erlebnis. Doch auf Tim Shih warten schon die nächsten Gäste und wir müssen das Konzept verlassen. Und könnten uns autonomes Fahren auf einmal durchaus vorstellen…

Was bedeutet das?

Yanfeng verfolgt mit dem XiM20 einen neuen Ansatz: autonomes Fahren wird sich allenfalls in Minuten abspielen, vielleicht dauert es mal ein oder zwei Stunden – und da kann man auch mal auf Emotion verzichten – macht es damit aber nicht attraktiv. Und genau das kann die Studie mit vielen neuen Ansätzen ändern. Autonomes fahren wird damit vom „Fahren“ hin zum „Sein“ entkoppelt – ein korrekter Ansatz.

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