E-Mobilität ohne Ladesäule – Pi will Strahlungsenergie tanken

Die Energie von Neutrinos für die E-Mobilität von Morgen nutzen will die Neutrino Energy Group mit dem Fahrzeug Pi. In eine Karbonkarosserie eingewebte Energiewandler sollen das Fahrzeug unabhängig von Ladestationen oder Batteriewechseln machen, so die Idee.

Elektromobilität ohne Tanken - Möglich machen soll das die Nutzung von jederzeit verfügbaren hochenergetischen Neutrino-Teilchen. | Foto: pixabay
Elektromobilität ohne Tanken - Möglich machen soll das die Nutzung von jederzeit verfügbaren hochenergetischen Neutrino-Teilchen. | Foto: pixabay
Julian Kral

Für die Neutrino Energy Group ist die künftige Mobilität elektrisch, allerdings ohne Zwischenstopps an Ladesäulen. Die Fahrzeuge der Marke mit dem griechischen Zeichen Pi (die Zahl steht für Unendlichkeit) setzen, soweit das Konzept, auf Energiewandler, ähnlich wie bei der Photovoltaik. Mittels Neutrino-Technologie soll Energie aus den nichtsichtbaren Strahlenspektren gewonnen werden. Der entscheidende Vorteil laut dem Entwickler: dieser Strom aus kleinsten hochenergetischen Teilchen soll nicht nur bei Tageslicht, sondern 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr permanent an jedem Ort zur Verfügung stehen, ganz ohne CO2 Ausstoß. Die wissenschaftliche Umsetzbarkeit der Technologie bezweifeln allerdings noch viele Physiker.

Die Neutrino Energy Group dagegen nennt als eines der Probleme der derzeitigen E-Mobilität die „Unehrlichkeit“ der an sich schadstoffarmen Fahrzeuge. Der elektrische Strom, der die Fahrzeuge momentan antreibt, entsteht überwiegend konventionell durch die Verstromung von Braunkohle oder anderen fossilen Brennstoffen. CO2 entsteht also, nur anstatt am Auspuff, am Schornstein. Dem grünen Gedanken ebenfalls hinderlich sind laut dem Antriebspionier das noch unzureichende Netz an Ladesäulen, unakzeptable Ladezeiten, viel zu schweren Batterien und zu geringe Reichweiten - hier werden noch milliardenschwere Investitionssummen gebraucht. Neutrinos als Energielieferant würden da genau Recht kommen.

Kleine Kraft, großer Effekt

Den Strom im Auto selbst während der Fahrt zu erzeugen ist bereits seit Jahren die Vision vieler Wissenschaftler, Erfinder und Tüftler. Dank neuartiger Materialien insbesondere der Nanotechnologie, will Neutrino Energy es in technische Realität umsetzen. Wissenschaftliche Grundlage rund um die Neutrino-Technologie: Im Oktober 2015 wurde der Nachweis erbracht, dass Neutrinos Masse besitzen, diese Erkenntnis wurde auch mit dem Nobelpreises in Physik ausgezeichent. Die eigentlich extrem schwache Wechselwirkung der Teilchen wird durch besondere Materialeigenschaften mit großer physikalischer Oberfläche laut der Neutrino Energy Group ausreichend verstärkt, unabhängige Experten bezweifeln dies allerdings. Doch Physik-Prof. R. Strauss, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Neutrino Energy Group, erklärt: "Auch ein Zwei-Tonnen-Auto bekomme ich zum Reifenwechsel mit dem kleinen Finger nach oben bewegt, wenn der Wagenheber den richtigen Hebel bietet." Die kleinste Kraft könne am Ende groß genug sein und den gewünschten Effekt zu erzielen, so das Prinzip, auf das sich die Idee des Unternehmens begründet.

Die Fahrzeugmarke Pi, die das Unternehmen plant, soll will dazu Energiewandler einsetzten, welche die Funktion eines Kleinkraftwerkes im Fahrzeug selbst haben. Diese sollen immer und unmittelbar vorhandene Strahlungsenergien in den elektrischen Strom wandelt, der für die Fahrt notwendig ist. Dadurch ließe sich, soweit der Plan, der Strom für den Fahrzeugantrieb sogar während der Fahrt bereitstellen. Am Anfang sollen zudem noch zum Einsatz kommen, aber lediglich als Puffer beziehungsweise Speicher der selbstgewandelten Energie, um beispielsweise bei hohen Belastungen des Fahrzeuges wie Beschleunigung oder Bergauffahrten die Spitzen an benötigter Energie auszugleichen.

Unabhängig von Ladestationen und Tankstellen

Die Karosserie des Pi soll zur Gänze aus Karbon besteht. Dieses Kohlenstoffverbundmaterial ist nicht nur extrem leicht und hart, sondern ermögliche auch die problemlose Integration der Neutrinovoltaic-Zellen, erklärt Neutrino Energy. Die Oberfläche der Karosserie sei dabei ausreichend groß, um die notwendige Energiemenge wandeln zu können, so der Entwickler. Dadurch könnte der gesamte Fahrzeugkörper für die Energiegewinnung genutzt werden. Pi soll durch seine Technologie von Ladestationen, Batteriewechseln oder Tankstellen unabhängig sein. Die technologischen Innovationen der Fahrzeugmarke könnten, das prognostiziert zumindest das Unternehmen, konsequent weitergedacht und nach oben skaliert zur Lösung der globalen Energieprobleme beitragen und helfen, die Klimaziele in Deutschland und weltweit zu erreichen - Ein hohes Ziel.

"Die Zukunft der Energieversorgung wird dezentral und kabellos sein." - Physik-Prof. R. Strauss, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Neutrino Energy Group

Strauss sieht eine ähnliche Entwicklung voraus wie mit Windrädern oder Solarpaneelen. Auch sie wurden zunächst über Jahre hinweg in kleinem Maßstab getestet, bevor sie sich zu einer bedeutenden Industrie entwickeln konnten. "Eine solche Entwicklung sehen wir auch für unsere Technologie voraus. Innerhalb der nächsten Jahre und Jahrzehnte wird aus den heutigen Laborergebnissen ein neuer Industriezweig entstehen. Natürlich werden wir diese Industrie nicht alleine aufbauen. In Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen wollen wir erste Produktionsstätten für diese neue Technologie aufbauen - nach Möglichkeit in Deutschland."

Die Neutrino Energy Group will nun in erster Linie den deutschen Autobauern ihre Technologie anbieten, um deren Ladesäulen-Problematik zu lösen. Die Patente sind angemeldet, die Pläne gereift und die Beschlüsse der Aktionäre gefasst, meldet das Unternehmen. In einer kürzlichen außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen die Hauptaktionäre der Neutrino Energy Group zudem einen zeitnahen Börsengang. Nur die Entscheidung, mit welchem der führenden Automobilhersteller die Neutrino Energy Group kooperieren wird, sei noch offen.

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