Fahrbericht Jaguar F-Pace 400e: Katze unter Strom

Präzisiert und endlich elektrifiziert hat Jaguar den F-Pace: Wir konnten eine Runde im P400e drehen.

Nomen est omen: Mit dem Plug-in-hybrid könnte der F-Pace noch besser in ein Futurice-system eingebunden werden. | Foto: G. Soller
Nomen est omen: Mit dem Plug-in-hybrid könnte der F-Pace noch besser in ein Futurice-system eingebunden werden. | Foto: G. Soller
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Das Facelift des F-Pace hat Jaguar dazu genutzt, (fast) alle Motoren zumindest mild zu hybridisieren und Interieurdetails ein bisschen zu präzisieren. Also steigen wir ein in den F-Pace P400e, der mit 297 kW (404 PS) Systemleistung und maximal 640 Nm Drehmoment. Wir wählen analog zu den britischen Kennzeichen die „britische“ Ausstattung: Dunkler Lack, helles Leder, Holz – allerdings offenporig und nicht poliert – wobei das hier optisch Richtung Kunststoff tendiert. Trotzdem: Feines Ambiente samt präzisionsgeätzen Lautsprechergittern – das Kaminfeuerfeeling ist sofort wieder da. Trotz großem 11,4-Zoll HD-Zentralscreen, der sich jetzt einfacher mit viel weniger Untermenüs bedienen lässt als das Vorgängersystem: Mit dem neuen Pivi-Pro-system machten die Briten wieder einen großen Schritt – halten aber bei Menüführung und auch Spracheingabe noch Abstand zu den Systemen von BMW oder Daimler.

Drei Fahrmodi - "Save" nutzt aber nur Rekuperation, nicht den Motor zum Laden des Akkus

Also Startknopf gedrückt, den jetzt kricketballförmigen Wählknauf auf „D“ gestellt und los. Es gibt drei Modi: Hybrid, EV und „Save“ – in Letzterem wird der Akkustand gehalten oder nachgeladen – allerdings nur, wenn der Jag rekuperiert, denn Strom über den Benziner zu erzeugen ist energetisch unsinnig. Und obwohl die E-Maschine gar keine so schmächtigen 105 kW anbietet, befindet sich der Benziner immer sehr schnell „auf dem Sprung“, weshalb wir sehr bald in den „EV“-Mode wechseln und das Fahrpedal der Katze nur noch streicheln…Mit den 17,1 kWh, von denen 13,7 kWh netto nutzbar sind, kommt die Katze offiziell bis zu 59 km weit, in der Realität fahren wir bei eher schlampiger Fahrweise mit viel Stopp-and-go gute 40 Kilometer heraus.

Mitgedacht: Der F-Pace ist schnelladefähig mit bis zu 32 kW

Sehr angenehm: Der F-Pace kann DC mit bis zu 32 kW schnell geladen werden und bietet dann binnen 30 Minuten wieder 80 Prozent Akkukapazität. An einer 7 kW-Wallbox dauert es eine Stunde 40 Minuten, an der heimischen 2,3-kW-Steckdose fünfeinhalb Stunden. Leider knapst auch hier der Akku etwas Laderaum weg und sorgt dort für eine Stufe, doch mit dem verbliebenen Volumen kann man trotzdem gut leben.

Das aktive Noise-Cancelling sorgt bei langsamer Fahrt tatsächlich dafür, dass man reifen- und Motorgeräusche kaum hört, erst ab 130 km/h wird der Wind dann lauter und fegt der Katze hörbar um die Nase. Die Federung ploppt die meisten Unebenheiten souverän weg, trotzdem dürften Fahrwerk und Lenkung für einen Jag fast noch eine Idee spitzer und direkter ausgelegt sein. Hier kann das Sportpaket helfen. Herrlich sind die aus Alu gefrästen Schaltwippen, mit denen man direkt in den Achtgang-Wandler eingreifen kann, wenngleich man beachten muss, dass der F-Pace dann eine Zeit in „manuell“ verweilt – was an der nächsten Ampel zu unschönem Hochdrehen führen kann. Über den Jaguar Drive Control kann man zwischen den Programmen „Eco“, „Comfort“, „Regen/Eis/Schnee“ und „Dynamic“ wählen – per Walze links vom Getriebeknauf. Gestartet wird immer in „Comfort“ und das ist auch das Hauptkennfeld des englischen Kaminzimmers, das netto bei knapp 59.480 Euro startet.

Noch kurz ein Seitenblick auf das übrige, neu strukturierte Programm: Mit Ausnahme der Basis- und Topbenziner hat Jaguar auch alle übrigen Motoren per Riemen-Startergenerator im Antriebsstrang mild elektrifiziert. Für Langstrecken empfehlen sich mangels reiner E-Alternative auch weiter die beiden Vierzylinder Diesel mit 163 PS (120 kW) und 204 PS (150 kW), darüber rangiert der Reihen- Sechszylinder, als Selbstzünder mit 300 PS (221 kW) und als Turbobenziner mit 400 PS (294 kW). Eine Sonderstellung nehmen der nicht elektrifizierte 2-Liter-Vierzylinder-Turbo-Basisbenziner mit 249 PS (184 kW) und der V8-Topmotor mit 550 PS (405 kW) ein. Letzterer wird eines Tages durch einen BMW-V8 ersetzt werden, allerdings nicht mehr in diesem F-Pace. Debüt feiert er stattdessen im nächsten Range Rover und ob der künftige F-Pace ihn überhaupt noch erhält, ist fraglich. Denn auch der P400e kann bei Bedarf echt Krallen zeigen!

Was bedeutet das?

Der F-Pace hat vor allem bei Infotainment und Präzision nachgelegt. Und endlich gibt es ihn auch als Plug-in-Hybrid, der sich dank Schnellladefähigkeit auch für mittlere Pendelstrecken bis 300 Kilometer eine Alternative sein kann.

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