Fehlzündungen vermeiden: Tipps zum Umgang mit Zünd- und Glühkerzen

Fehlerhafte Installation, Kohlenstoffablagerungen oder ungünstige Motorbedingungen führen laut dem Zündungsexperten NGK Spark Plug bei Zünd- und Glühkerzen zu Fehlfunktionen. Die Ursachen liegen also nicht im Produkt selbst, sondern in deren falscher Handhabung. Wie man sich dagegen wappnen kann, erläutert der Hersteller.

Unter Beachtung einiger Vorsichtsmaßnahmen lassen sich Fehlzündungen vermeiden. Foto: Ronald Plett | Pixabay.
Unter Beachtung einiger Vorsichtsmaßnahmen lassen sich Fehlzündungen vermeiden. Foto: Ronald Plett | Pixabay.
Christine Harttmann
(erschienen bei PROFI-Werkstatt von Claudia Leistritz)

Der Zündungs- und Sensorikspezialist testet alle zurückgegebenen Zünd- und Glühkerzen nach den Ursachen der Fehlfunktionen und hat herausgefunden, dass diese in der Regel nicht auf Herstellungsfehler, sondern auf den falschen Umgang damit zurückzuführen sind. Eine passende Einstellung kann somit teils hohe Reparaturkosten vermeiden, die auf Fehlfunktionen von Zünd- und Glühkerzen zurückgehen. Kohlenstoffablagerungen beispielsweise lassen sich durch die richtige Motoreinstellung eingrenzen.

Ursachen für die Verrußung

Gewährleistungsansprüche aufgrund von Kohlenstoffablagerungen, dem häufigsten Zündkerzenproblem, würden generell abgelehnt, da die Ursache nicht in einem Herstellungsfehler liegt, wie NGK erklärt. Bei einer mit Fremdsubstanz wie Öl, Kraftstoff oder Kohlenstoff überzogenen Zündkerze kann der Motor nicht ordnungsgemäß funktionieren und springt nicht an weil die Ablagerungen die zur Zündung nötige Spannung ableiten, wie Oliver Posati, Manager Pricing & Technical Service Sales Representative 2-Wheel Aftermarket DACH bei NGK Spark Plug Europe, erläutert.

Für diese Ablagerungen gebe es mehrere Ursachen, zum Beispiel ein ungenügender Verbrennungsprozess des Motors, ein dauerhaftes Fahren bei niedriger Geschwindigkeit oder kurze Fahrten. Denn dann werde verhindert, dass Zündkerzen die optimale Temperatur von 450 Grad Celsius erreichen, bei der sie sich durch Abbrennen von Kohlenstoffablagerungen selbst reinigen können. Eine Verrußung ist dann vorprogrammiert.

Ablagerungen vermeiden

Jeder Fahrer könne jedoch selbst durch einige Maßnahmen zur ordungsgemäßen Funktion beitragen, so Posati:

„Stellen Sie sicher, dass das Luft/Kraftstoff-Gemisch des Motors korrekt ist. Überprüfen Sie regelmäßig die Zündsystemkomponenten wie Zündkabel, Zündspulen und Stecker auf Anzeichen von Verschleiß. Fahren Sie von Zeit zu Zeit schneller und läänger und verwenden Sie eine Zündkerze mit dem richtigen Wärmewert.“

So könne schon eine simple Reinigung der Zündkerze ausreichen, um sie wieder zum Funktionieren zu bringen. Ein Beweis dafür, wie wichtig die richtige Abstimmung aller beteiligten Komponenten ist, um die Verrußung zu verhindern. Eine neue Zündkerze könne das Problem daher nur kurzfristig beheben, wenn die anderen Bedingungen nicht stimmten und bald zu erneuten Zündungsfehlern führten.

Das richtige Drehmoment ist ausschlaggebend

Auch das falsche Anzugsmoment bei der Installation führe zur Ablehnung von Gewährleistungsansprüchen. Ein zu niedriger Wert überhitze die Zündkerze durch den Kompressionsverlust und könne Isolator und Elektroden durch starke Vibrationen schädigen. Ein zu hohes Drehmoment dagegen kann das Gehäuse der Zündkerze überstrapazieren und verformen. Das wiederum wirkt sich auf die Wärmeableitung aus: Elektroden könnten überhitzen und schmelzen und dadurch im ungünstigen Fall den Motor schädigen. Daher sei beim Einsetzen der Zündkerze das angegebene Drehmoment zu beachten.

Einsetzen der Zündkerze

Posati rät zu folgender Vorgehensweise beim Einsetzen:

„Reinigen Sie zuerst die Zündkerzenlöcher von Schmiermitteln, Schmutz und Ablagerungen. Dann die Kerze handfest einschrauben, bis die Dichtung auf den Zylinderkopf trifft. Ziehen Sie die Zündkerze mit einem Drehmomentschlüssel und dem vorgesehenen Drehmomentwert fest. Wenn Sie keinen Drehmomentschlüssel verwenden, wenden Sie bite die Montage nach Drehwinkel an.“

Auch das Arbeitsmaterial müsse dem entsprechen. Zum Wechseln der Zündkerze also eine geeignete Zündkerzen-Stecknuss für den richtigen Sitz im Werkzeug. „Die Verwendung eines minderwertigen Steckschlüssels kann den Keramikisolator während des Einbaus beschädigen und zu Fehlzündungen des Motors führen.“ Für manche Fahrzeugemodelle müsse man zudem zur Einbringung von Zündkerzen spezielle Steckschlüssel verwenden, nicht die standardmäßigen.

So habe zum Beispiel auch die Anwendung nicht geeigneter Schlüssel bei einigen BMW-Modellen mit speziellen Motoren zur Ablehnung von Gewährleistungsansprüchen geführt, weil die Zündkerzen nur mit passenden Steckschlüsseln mit Gelenkverbindung korrekt zu montieren seien.

Glühkerzen bei Dieselmotoren

Hier ist die Ursache für die Fehlfunktion meistens auf übermäßige Hitze durch den aus den Einspritzdüsen austretenden Kraftstoff zurückzführen oder die aus Schmutz in der Glühkerzenbohrung oder fehlerhafte Steuerung bewirkte zu hohe Spannung. Für den korrekten Austausch der Elemente müsse man einige Vorsichtsmaßnahmen beachten, so Posati.

So solle man beispielsweise vor dem Ausbau auf jede Glühkerze synthetisches Motoröl auftragen und dieses eine Woche einziehen lassen, um ein Abreißen der Glühkerze beim Entfernen zu verhindern. Zum leichteren Lösen solle man dann den Motor zunächst erwärmen und dann einen geeigneten Drehmomentschlüssel verwenden. Jede Bohrung solle dann durch eine spezielle, mit silikonfreiem Fett behandelte Glühkerzenlochreibahle von Kohlenstoffablagerungen gereinigt werden. Die neue Glühkerze wird dann per Hand eingedreht und mit dem Drehmomentschlüssel unter dem richtigen Drehmoment angezogen.

Weitere Tipps zur Wartung, Entfernung und Installation hält das Unternehmen auf der Informationsplattform www.tekniwiki.com bereit (in mehreren Sprachen), unter anderem mit Videos.

 

NGK Spark Plug Europe ist eigenen Angaben zufolge als weltweit führender Zündungs- und Sensorikspezialist Zulieferer von Automobilteilen und technischer Keramik. Der Hauptsitz befindet sich im japanischen Nagoya. Verkaufsniederlassungen und Produktionsstandorte sind über die ganze Welt verteilt. Die Sparte Automobile Components ist spezialisiert auf Zündung und Sensorik. Beliefert werden weltweit Kunden in Erstausrüstung und Aftermarket. Zu den Produkten zählen unter der Marke NGK Ignition Parts Zündkerzen, Glühkerzen, Zündspulen und Zündleitungen. Außerdem hat das Unternehmen unter der Marke NTK Vehicle Electronics unter anderem Abgas-Temperatursonden, NOx-Sonden, Ladedruck- und Drehzahlsensoren im Portfolio.

Mit seinen rund 16.000 Mitarbeitern erwirtschaftet der Konzern mit seinen Automobilteil-Sparten jährlich einen Gesamtumsatz von etwa 3,5 Milliarden Euro. NGK Spark Plug unterhält weltweit 41 Tochtergesellschaften, 24 Produktionsstätten und 4 Technik-Zentren. Der europäische Hauptsitz von NGK Spark Plug befindet sich in Ratingen. Von dort wird der EMEA-Aftermarket (Europa, der Mittlere Osten und Afrika) beliefert. In diesem Raum beschäftigt das Unternehmen mehr als 1.000 Mitarbeiter in über zehn Tochtergesellschaften, zwei Produktionsstätten (in Frankreich und Südafrika) sowie einem Technik-Zentrum in Deutschland.

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