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Formel E: Hexenkessel in Mexico

Lucas di Grassi hat einen dramatischen Mexico City E-Prix 2019 der Formel E für sich entschieden. Noch immer entscheiden sich Formel-E-Rennen auf den allerletzen Metern!

Lucas di Grassi holte in Mexiko seinen ersten Saisonsieg. | Foto: Audi
Lucas di Grassi holte in Mexiko seinen ersten Saisonsieg. | Foto: Audi
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Redaktion (allg.)

Mehr oder weniger direkt AUF der Ziellinie entschied sich das Rennen in Mexico. Dafür brachte das Rennen davor in Chile die Akkutemperaturen ans absolute Limit. Tatsächlich bleibt die Formel E eine der spannendsten Serien mit heißen Überholvorgängen, spektakulären Zweikämpfen und auch dramatischen Niederlagen. Und: Neben der Show wird auch das Thema Effizienz immer wichtiger, was das Ganze auch für Privatanwender und Flotten interessant macht, denn tatsächlich entwickelt BMW zum Beispiel beide Produktgruppen parallel weiter und fährt auch wegen der Effizienz und Leistung seiner elektrischen bayerischen Motorenwerke vorn mit.

Doch blicken wir kurz zurück zu den letzten Rennen: In Chile brannte die Sonne unerbittlich vom Himmel und sorgte für Top-Temperaturen von 37 Grad Celsius: Horror für die Temperaturen im Akku und dem elektrischen Antriebsstrang, die ohnehin schon Trockeneis aufwändigst im Zaum gehalten werden müssen. Wie dramatisch sich die Temperaturen entwickeln können, bekam Pascal Wehrlein im Mahindra in den letzten beiden Runden zu spüren: Die Akkutemperatur kletterte da ans Limit und er musste Sam Bird als Sieger ziehen lassen. Von der Pole startete Nissan-Pilot Buemi, der seine Führung bald ausbauen konnte. Ihm folgte Pascal Wehrlein auf Platz zwei. Aus dem großen Verfolgerfeld herauslösen konnte sich auch Sam Bird, auf Rang vier folgte Daniel Abt. Bird schnappte sich Wehrlein und setzte sich an den führenden Buemi im Nissan. Runde um Runde setzte die Hitze Mann und Material mehr zu. HWA-Fahrer Vandoorne donnerte in die Mauer und sorgte so für eine zweite Full-Course-Yellow-Phase.

Im Hexenkessel macht Buemi den gravierenden Fehler

Derweil attackierte Bird weiterhin den Führenden Buemi und heizte dem auch psychisch ein. Nach einer knappen halben Stunde in diesem Hexenkessel schien Buemi die Nerven zu verlieren und crashte in die Mauer – etwa an der Stelle, wo er bereits am Morgen einen Unfall hatte. Damit führte Bird vor Wehrlein, während sich BMW-Pilot Sims im Attack-Mode auf Position drei an Abt vorbei vorgekämpft hatte und jetzt Wehrlein auf die Pelle rückte.

Doch die Hitze war unerbittlich: Wehrlein hielt sich bis zum Schluss tapfer, musste dann aber Speed herausnehmen, da seine Batterie-Temperatur nach dem Attack-Mode ans Limit kam. Im Schlimmsten Fall bedeutet das einen Shutdown und das auto steht. Immerhin konnte Wehrlein Platz zwei vor Sims ins Ziel retten. Doch wegen einer nachträglichen Zeitstrafe für ein Manöver gegen Mortara wurde er auf Platz acht zurückgestuft, weshalb Daniel Abt so das Doppel-Podium für Audi komplett machte.

Mexico: Entscheidung auf der Ziellinie

Weniger Hitze, aber noch mehr Dramatik bot der Lauf in Mexiko, den Lucas di Grassi erst auf den allerletzten Metern(!) für sich entscheiden konnte. Pascal Wehrlein, der in Mexico das komplette Rennen führte, scheiterte diesmal an der Energie – und musste weitere vier Fahrzeuge ziehen lassen. Dass abgedeckte Räder in der Formel E schwere Unfälle nicht verhindern können, zeigte der erste schwere Crash: Nelson Piquet jr. fuhr Jean-Eric Vergne auf das rechte Hinterrad und hob ab. Dabei traf sein Jaguar noch den BMW von Alex Sims am Heck, der deshalb zur Reparatur an die Box musste. Der Jaguar krachte in die Mauer ein und hinterlies ein Trümmerfeld in der Schikane vor der Start- und Zielgeraden. Glück im Unglück: Trotz dieses schweren Crashs konnte Piquet seinen Rennwagen verlassen – und blieb unverletzt! Der Unfall war so schlimm, dass die rote Flagge kam: Rennabbruch! Erst nach fast 30 Minuten ging es wieder weiter: Wehrlein führte vor Rowland, di Grassi, Buemi, Felix da Costa und Felipe Massa.

Dass es in der Formel E extrem viel um Taktik geht und das Regelwerk streng ist, bekam Jose Maria Lopez zu spüren: Er erhielt Strafen, weil er zu viel Energie rekuperierte und von der Boxengasse kurzerhand wieder auf die Strecke zurückfuhr, was ihm saftige Strafen einbrachte. Eine Durchfahrtsstrafe erhielt auch Stoffel Vandoorne: Er zündete seinen Fanboost zu früh. Anderes Beispiel: Der Attack-Mode. Der erfordert einen Schlenker durch die sogenannte „Attack-Zone“: Als Rowland so den angreifenden di Grassi auf Distanz halten wollte, kam er aus der Spur und musste di Grassis Audi ziehen lassen. Die Nissan lagen jetzt auf Rang drei und vier.

Di Grassi trieb bald den Führenden Wehrlein vor sich her. Doch der machte seinem Namen alle Ehre und wehrte alle Angriffe des Audi ab. Doch di Grassis Audi hatte am Ende mehr Energie: Schließlich konnte der sich in der dritten Kurve neben Wehrlein setzen, den er so in die Abkürzung der Schikane zwang. Wehrlein schleppte seinen Mahindra zwar noch als Erster in die letzte Kurve, doch dann ging dem Auto die Energie aus. So kam Di Grassi in aller-allerletzter Sekunde - mit dem Erreichen auf der Ziellinie! - doch noch an ihm vorbei. Bitter für den wehrhaften Wehrlein: Die „Abkürzung“ brachte ihm eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe, die ihn auf Platz sechs durchreichte. Auch Audi-Motorsportchef Dieter Gass hat so etwas noch nie erlebt: „Ein solches Überholmanöver praktisch auf der Ziellinie habe ich noch nie gesehen – und das in Mexiko, wo das Überholen nahezu unmöglich ist.“

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