Freiheit für den Porsche aus dem Container

Der kuriose Weg eines Porsches von Australien nach Österreich zu einem prominenten Besitzer.

Freiheit für den Porsche aus dem Container
Freiheit für den Porsche aus dem Container
Redaktion (allg.)

Am Anfang stehen eine Zufallsbegegnung und ein großer Traum. Ort: ein Wirtshaus in einer 900-Seelengemeinde unweit von Wien. An einem Abend vor mehr als 24 Jahren spricht ein junger Mann einen Herren an, der im Dorf als Einzelgänger bekannt ist. Ihre Gemeinsamkeit: die Leidenschaft für Australien. Victor Grahser hat 31 Jahre lang in Australien gelebt und ist nun in seine Heimat zurückgekehrt. Rudolf Schmied, der Sohn der Wirtin, ist gerade zurück aus dem Australien-Urlaub. Die beiden haben reichlich Gesprächsstoff. Mit der Zeit entwickelt sich eine Freundschaft und Grahser erzählt „Porschegeschichten.“ Doch es dauert noch acht Jahre bis der Ältere den Jüngeren zu sich nach Hause einlädt. Schmied studiert inzwischen Fotografie in Wien.

Als er in Grahsers Wohnzimmer steht, erwartet ihn eine Überraschung. Mittendrin steht ein Porsche 356 Speedster ohne „Innenleben“, mit nur einem Scheinwerfer, ohne Bodenplatte, ohne Sitze, der Motor liegt separat in der Ecke. Grahsers großer Traum ist es, ein Porsche-Museum zu eröffnen. Die ersten drei Fahrzeuge dafür besitzt er bereits, allerdings müsste man sie restaurieren.

Porsche-Klassiker mit einem Bewunderer
Und wo „wohnen“ die anderen zwei Porsche? Die beiden stehen immer noch in dem Schiffscontainer, den sie seit ihrer Abreise aus Australien nicht verlassen haben: Oben ein Porsche 356 A Coupé, das teilweise zu einem 356 Speedster mit 911-Technik und 2,7- Liter-Motor mit mechanischer Einspritzpumpe umgebaut worden ist. Darunter im Container-Erdgeschoss ein Porsche 356 B Roadster von 1959 mit 3,0-Liter-Turbomotor aus dem Porsche 911 (Typ 930) von 1977. Grahser erlaubt dem jungen Fotografen seine Schmuckstücke zu fotografieren, und erzählt ihm vom Ankauf des ersten beschädigten 356 B Roadster im Jahr 1981. Die Verwandlung des 356 B Roadster Leider wird Grahsers Traum nicht Wirklichkeit. Im Mai 2008 stirbt er unerwartet. Vier Jahre lang bleibt sein junger Freund im Ungewissen, was aus den drei Porsche geworden ist. Dann klingelt eines Tages sein Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Rafael Diez. Er hat über Umwege von dem Porsche-Trio erfahren und sie über den Nachlassverwalter gekauft. Er vollendet teilweise Grahsers Lebenswerk, indem er einen nach dessen Vorstellungen umbaut. Was er vor sich sieht: die verbreiterten Radläufe des Roadsters, die auf zwei Kühllufteinlässe erweiterte Motorhaube und die für einen 356 ungewöhnliche Frontlippe, angelehnt an die des Porsche 911 S. Er baut den Rechtslenker zu einem Linkslenker um, schweißt die Karosserie zurecht, stellt Motor und Getriebe ein, passt die Frontscheibe mit Chromband perfekt in den Rahmen ein.

Ein prominenter Besitzer
2018 berichtet Diez seinem Bekannten, Porsche-Markenbotschafter Walter Röhrl, von dem umgebauten 356 B Roadster mit Turbo-Technik. Der zweifache Rallye-Weltmeister ist nach einer Testfahrt beeindruckt: „Ich bin ich sehr vorsichtig rangegangen, zu viel war augenscheinlich verändert worden. Umso verwunderter war ich, wie perfekt ausbalanciert er sich bereits beim ersten Versuch anfühlte. Vorne die tiefe Lippe, hinten der schwere Motor, 260 PS – der fährt sich ruhig, präzise und macht richtig Spaß.“ Mittlerweile ist Walter Röhrl stolzer Besitzer des Autos. Das RR im Kennzeichen steht, für „Röhrl Roadster“. Außen Schiefergrau, das Interieur Rot. Auf der Motorhaube thronen Röhrls vier Siegerplaketten von der Rallye Monte Carlo, innen ist ein 911-Lenkrad mit 356-Kranz verbaut. Statt im Container sein Dasein zu fristen, darf sich der 356 Roadster nun den Duft der Freiheit um die Nase wehen lassen.


Ich bin ein großer Freund von alten Autos, sie geben einem noch das Gefühl, etwas können zu müssen.
Walter Röhrl

Fotos: Christophorus/Porsche, Bernhard Huber

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