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Führerschein: Mehrheit für Beibehaltung der Schaltwagenprüfung

Während das autonome Fahren noch in den Kinderschuhen steckt, nimmt die Akzeptanz von Automatkgetrieben in Pkw dank den umfassenden technologischen Verbesserungen der letzten Jahre zu. Laut einer Forsa-Unmfrage im Auftrag des VdTÜV lehnt eine große Mehrheit der Deutschen allerdings eine standardmäßige Führerscheinausbildung auf Automatikwagen aus Sicherheitsgründen ab.

Wer bei der Führerscheinausbildung mit Knüppel fährt, erhält zugleich die Erlaubnis, Fahrzeuge mit Automatik zu fahren - andersherum gilt dies allerdings nicht. | Foto: Pixabay
Wer bei der Führerscheinausbildung mit Knüppel fährt, erhält zugleich die Erlaubnis, Fahrzeuge mit Automatik zu fahren - andersherum gilt dies allerdings nicht. | Foto: Pixabay
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Julian Kral

Die alten Vorurteile über hohen Verbrauch und schlechte Fahrleistungen bei Fahrzeugen mit Automatik stimmen heute nur noch zum Teil. Moderne Automatikgetriebe stehen den klassischen Handschaltgetrieben eigentlich in nichts mehr nach und können manches sogar deutlich besser. Eine große Mehrheit der Deutschen lehnt allerdings eine standardmäßige Führerscheinausbildung auf Automatikwagen aus Sicherheitsgründen ab, das ist das Ergebnis einer Umfrage des VdTÜV. So sind vier von fünf Bundesbürgern (79 Prozent) der Meinung, dass Fahranfänger ohne ausreichende Schaltkompetenz eine Gefahr für die Verkehrssicherheit sind, ergibt die repräsentative Forsa-Umfrage unter 1.010 Personen ab 16 Jahren im Auftrag des TÜV-Verbands.

„Es ist verfrüht, bei der Fahrausbildung die Führerscheinprüfung auf einem Automatikwagen zum Standard zu machen“, sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands (VdTÜV).

Im Gegensatz zu Ländern wie den USA sei der Schaltwagen in Deutschland immer noch der Normalfall, gerade bei Fahranfängern, erläutert Bühler weiter: "Sind diese ohne ausreichende Fahrpraxis mit einem Auto mit Schaltung und Kupplung unterwegs, wird es gefährlich.“ Daher lehnt der TÜV-Verband die aktuell diskutierten Änderungen bei der Führerscheinprüfung ab. Wer seinen Führerschein mit einem Automatikwagen macht, bräuchte dann keine praktische Prüfung mehr auf einem Schaltwagen ablegen. „Mit diesem Vorschlag würde man der Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen einen Bärendienst erweisen“, sagt Bühler.

„Mit zunehmender Verkehrsdichte, neuen Fahrzeugen wie E-Scootern und zusätzlicher Technik in den Fahrzeugen nehmen die Anforderungen an die Fahrer zu. Deswegen müssen Fahranfänger im Interesse aller Verkehrsteilnehmer nachweisen, dass sie ihr Fahrzeug sicher beherrschen“, so Bühler.

Mit wenigen Übungsstunden auf dem leeren Supermarktparkplatz sei es seiner Meinung nach nicht getan. Laut Umfrage des TÜV-Verbands sprechen sich 79 Prozent der Befragten gegen eine entsprechende Änderung aus: Wer mit einem Wagen mit Schaltgetriebe fahren möchte, sollte auch weiterhin eine Führerscheinprüfung mit einem Schaltfahrzeug bei einer Prüfstelle ablegen müssen. Aus Sicht des TÜV-Verbands ist für die Beherrschung eines Schaltwagens ein ausreichendes Fahrtraining notwendig. „Fahrschüler müssen Schaltung und Kupplung koordinieren und gleichzeitig den Verkehr im Blick behalten. Nach der Fahrausbildung sollte die Schaltkompetenz von Fahranfängern von unabhängiger Seite abgeprüft werden“ erklärt Bühler.

Automatik in Deutschland noch nicht angekommen

Nach den Ergebnissen der Umfrage stimmen drei von vier Befragten (77 Prozent) der Aussage zu, dass die Beherrschung eines Fahrzeugs mit Schaltgetriebe deutlich komplizierter ist als die eines Automatikfahrzeugs. Nur jeder fünfte (21 Prozent) ist der Meinung, dass sich Autofahrer das Schalten und Kuppeln auch selbst beibringen können. „Gerade Fahranfänger nutzen in der Regel Kleinwagen und gebrauchte Fahrzeuge, die eher selten mit Automatik ausgestattet sind“, sagte Bühler. Nach Angaben des DAT-Reports entscheiden sich nur 15 Prozent aller Gebrauchtwagenkäufer für ein Fahrzeug mit Automatik. Insgesamt fahren immer noch 69 Prozent aller Pkw-Halter in Deutschland einen Schaltwagen. 

Der TÜV-Verband plädiert dafür, am Prinzip der Trennung von privater Fahrausbildung und staatlich anerkannter Prüfung durch Technische Prüfstellen festzuhalten. Laut Umfrage halten 86 Prozent der Bundesbürger diese Trennung grundsätzlich für sinnvoll. In Deutschland führen die TÜV-Organisationen und die Dekra die theoretischen und praktischen Fahrerlaubnisprüfungen durch. Sie stellen die „amtlich anerkannten Sachverständigen“, die bei der praktischen Prüfung auf dem Rücksitz mitfahren und die Fahrkenntnisse des Fahrschülers bewerten. Im Jahr 2018 sind nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes 1,7 Millionen praktische Prüfungen durchgeführt worden. Die Durchfallquote lag bei 29,4 Prozent. 

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