Fuhrparkverband: Chaos an Ladestationen beenden

Die Abrechnung und Tarifgestaltungen für E-Fahrzeuge an öffentlichen Ladesäulen ist für viele Nutzer immer noch umständlich zu handhaben. Vor allem Fuhrparkbetreiber leiden unter dem unübersichtlichen System, so der Fuhrparkverband, und fordert dringend Abhilfe.

Besonders nutzerfreundlich ist das Tanken von Strom noch nicht. Foto: Goran Horvat | Pixabay.
Besonders nutzerfreundlich ist das Tanken von Strom noch nicht. Foto: Goran Horvat | Pixabay.
Claudia Leistritz
(erschienen bei PROFI-Werkstatt von Claudia Leistritz)

Derzeit gibt es etwa 300 Tarife für Autostrom. Da könne man beispielsweise die Kosten überhaupt nicht kalkulieren, wenn sogar an der einzelnen Ladestation je nach regionalem Vertragspartner unterschiedliche Preise kursierten, so der Verband. Denn jedesmal wenn er sich aus dem Geschäftsgebiet des regionalen Anbieters bewegt, braucht der Nutzer dann andere Identifizierungs- und Zahlungsmittel. Dadurch werde die ganze Ladeinfrastruktur extrem unübersichtlich. Außerdem müssten die Fuhrparks aufgrund der vielen unterschiedlichen Tankstationen alles händisch abrechnen. Und so moniert Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundeserbandes Fuhrparkmanagement (BVF), das unpraktikable System, das mit dem verstärkten Einsatz elektromobiler Fahrzeuge zur immer größeren Belastung werde:

„Das ist kontraproduktiv, verkompliziert und verteuert die Prozesse und macht einen digitalen Workflow unmöglich. Je mehr Unernehmen auf Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge in ihren Fuhrparks setzen und je mehr die Reichweiten mit den Mobilitätsanforderngen kompatibel sind, desto mehr fällt das ins Gewicht.“

Deswegen müsse notwendig die Abrechnung über einen Provider laufen. Schäfer begrüßt daher die durch ein Konsultationsverfahren eingeleiteten Bemühungen der Bundesnetzagentur, die Netzzugangsbedingungen für den Autostrom zu vereinfachen. „Das Thema ist lange nicht wirklich aufgefallen, weil es einfach zu wenige E-Fahrzeuge gab.“

Komplizierte Abwicklung durch unterschiedliche Anbieter, Systeme und Zugänge

Nicht der Preis sei nämlich das vordringliche Problem, sondern der mit der Abwicklung verbundene administrative Aufwand. Eine Harmonisierung des Systems würde Unternehmen, die momentan noch zurückhaltend sind, viel eher animieren in die E-Mobilität zu investieren und ihren Flottenanteil in dieser Richtung zu erhöhen. Zugleich werde damit der Umstieg auf neue Technologien entscheidend vorangebracht, da Unternehmen mit mehr als 60 Prozent aller Zulassungen immerhin wichtigste Autoeinkäufer seien.

Derzeit werden die meisten Ladesäulen von lokalen Stromanbietern monopolistisch betrieben. Die unterschiedlichen Zahlungssysteme verkomplizieren aber eine Kostenkalkulation, vor allem bei längeren Fahrten und somit der notwendigen Nutzung von Strom unterschiedlicher Anbieter je nach Region. Auch die Abrechnungsmodelle divergieren, so Schäfer. In der Regel verteuere dies die Fahrt vor allem für Nicht-Vertragskunden, denn es gebe oft vorab keine Informationen über die Ladekosten, trotz Roaming-Optionen. Flächendeckend gibt es einfach noch kein einheitliches System.

Ein Hindernis vor allem für solche Unternehmen, die bundesweit Elektrofahrzeuge verwenden wollten. Zur weiteren Verkomplizierung tragen dann die unterschiedlichen Apps und Tankkarten zur Kundenidentifikation bei. Ohne Registrierung können Ladestationen dann nicht genutzt werden. Die unterschiedlichen Bestimmungen verhindern aber eine Automatisierung von Abwicklungsprozessen. Daher sei eine Vereinheitlichung des Bezahlsystems dringend nötig, so Schäfer.

Bundesnetzagentur plant flächendeckende Vereinheitlichung

Laut BVF sollen gemäß Bundesnetzagentur ab April 2021 die Tankstellenbetreiber dazu verpflichtet werden, auch Strom von konkurrierenden Anbietern mit ihren jeweiligen Tarifen bereitzustellen. Dann könnten Kunden oder Verbraucher mit Abschluß eines Vertrages bei einem einzigen Versorger dann zu den entsprechend vereinbarten Konditionen alle öffentliche Ladestationen nutzen. Klar ist noch nicht, welche Preise die Behörde dann einführen will und ob die Bestimmungen auch dem Wettbewerbsrecht entsprechen. Es gebe noch keine rechtliche Grundlage, so Schäfer, und somit drohten am Ende feiwillige Selbstverpflichtungen der Wettbewerber. Da müsse die Politik eingreifen. Denn letztlich würden von einer Vereinheitlichung alle profitieren, auch die Umwelt.

Bei der Initiative der Bundesnetzagentur können sich nun Marktteilnehmer und Verbände bis zum 22. Juli 2020 zu Wort melden.

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