Happy Birthday, Bulli!

65 Jahre alt, aber Ausruhen gilt nicht: Der legendäre VW Bus, von den Fans liebevoll Bulli genannt, wird seit dem 8. März 1956 im Werk von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover-Stöcken produziert. Seitdem sind mehr als 9 Millionen Bullis vom Band „gelaufen“. Fans können den Bulli für besondere Gelegenheiten mieten oder ihn wenigstens im Mini-Format erwerben.

Der legendäre VW Bus, von den Fans liebevoll Bulli genannt | Bild: Volkswagen Nutzfahrzeuge
Der legendäre VW Bus, von den Fans liebevoll Bulli genannt | Bild: Volkswagen Nutzfahrzeuge
Redaktion (allg.)

Buletten und Bier: der Bulli als Symbol des Wirtschaftswunders

In den Kinos läuft Heinz Rühmann als „Charley‘s Tante“, aus kleinen Transistor-Radios tönt der Elvis Presley-Hit „Love me tender“. Und die Deutschen entdecken ihre Liebe zum Automobil: Das sogenannte Wirtschaftswunder ist da. Der Volkswagen Käfer ist bestverkaufter Pkw des Jahres 1955 und knackt im Laufe des Jahres die Millionen-Grenze. Auch der Bulli ist heißbegehrt. Die Produktionskapazität im Wolfsburger Stammwerk, wo der Bulli bereits seit 1950 gebaut wird, reicht längst nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Brot, Bier und Buletten müssen zum Verbraucher. Auch Konsumartikel wie Fernseher und Kühlschränke sollen schnellstmöglich und sicher zum Kunden geliefert werden. Dazu brauchen Geschäftsleute und Handwerker den unverwüstlichen Bulli.

Hannover gewinnt

Über 235 Städte und Gemeinden bewerben sich damals, um neuer Standort für das geplante Transporter-Werk zu werden. Heinrich Nordhoff, Generaldirektor der Volkswagenwerk GmbH und späterer Vorstandsvorsitzender der Volkswagenwerk AG, gewinnt den Aufsichtsrat für den von ihm favorisierten Standort Hannover. Wesentliche Vorteile sind die unmittelbare Nähe zum Mittellandkanal und ein bestehender Verschiebebahnhof. Aber Nordhoff erkennt bereits damals: „Den Wert eines Unternehmens machen nicht Gebäude und Maschinen und auch nicht seine Bankkonten aus. Wertvoll an einem Unternehmen sind nur die Menschen, die dafür arbeiten, und der Geist, in dem sie es tun.“

Am 8. März 1956 startet im Werk Hannover Stöcken die Produktion des VW Bus. | Bild: Volkswagen Nutzfahrzeuge
Am 8. März 1956 startet im Werk Hannover Stöcken die Produktion des VW Bus. | Bild: Volkswagen Nutzfahrzeuge

Baubeginn mitten im Winter 1955

Zunächst beginnen 372 Mitarbeiter in einem schneereichen Winter mit dem Bau. Schon Ende März 1955 sind auf der Baustelle 1.000 Arbeiter beschäftigt. Der durch einsetzendes Tauwetter inzwischen aufgeweichte, matschige Boden muss mit Bohlenwegen gesichert werden, damit Lkw Baumaterial anliefern können. Auf dem Gelände selbst wächst eine kleine, provisorische Stadt heran – mit Baubüros, Versorgungs- und Unterkunftsbaracken, Kantinenzelten. Auch geschäftstüchtige Händler mit Verkaufsbuden siedeln sich hier schnell an. Nach nur 12 Wochen ragen die Mauern schon über vier Meter in die Höhe. 28 Kräne sind im Dauereinsatz, 22 große Mischmaschinen spucken täglich 5.000 Kubikmeter Beton aus. Insgesamt werden 1.750.000 Kubikmeter Erde bewegt – so viel wie damals 256.000 Lastwagenladungen.

Riesenbaustelle mit Bahnanschluss

Ab Mai 1955 sind rund 2.000 Arbeiter täglich auf der Riesenbaustelle beschäftigt. 600.000 Quadratmeter Schalholz werden für den Betonguss verbraucht. Zum Vergleich: „Damit hätte man einen ein Meter breiten Holzsteg von Wolfsburg nach Basel bauen können“, schreibt ein Journalist damals. Gleichzeitig schult Volkswagen bereits neue Mitarbeiter für die Transporter-Fertigung. Mit einem dafür extra eingesetzten Zug fahren sie jeden Tag um 4.10 Uhr vom Hauptbahnhof nach Wolfsburg, wo sie in die Produktion des Bulli eingewiesen werden. 3.000 Beschäftigte sollen den reibungslosen Produktionsstart garantieren. In nur wenigen Wochen wird der Karosseriebau eingerichtet, im Februar 1956 ist auch der mehrgleisige, zehn Kilometer lange Bahnanschluss zum Werk fertig.

1,8 Millionen Bulli vom Band

Am 8. März 1956 startet die Serienpro-duktion eines künftigen Symbols der „Wirtschaftswunderjahre“ in Hannover-Stöcken mit 4.000 Mitarbeitern. Bis 1967, dem Ende der Produktion der ersten Transporter-Generation, laufen in Deutschland 1,8 Millionen Bulli vom Band. Bis heute sind im VWN-Werk in Hannover Stöcken mehr als 10 Millionen Fahrzeuge gefertigt worden.

Ab 2022: Die Geschichte geht weiter mit dem ID.BUZZ

Zu den Baureihen, die von Volkswagen Nutzfahrzeuge gebaut werden, gehören Transporter, Caddy, Crafter und Amarok. Befördert werden Bauarbeiter, Familien und Abenteurer, Brötchen, Pakete oder Surfbretter. Als mobile Werkstätten sind die Fahrzeuge unterwegs und bringen Notärzte und Polizisten an ihren Einsatzort. Am Standort Hannover sind 15.000 von weltweit 24.000 Mitarbeiter:innen beschäftigt. Noch in diesem Jahr startet die Pro-duktion des neuen Multivans – mit kon-ventionellem Antrieb sowie als Plugin-Hybrid. Im kommenden Jahr wird das erste von Volkswagen Nutzfahrzeuge rein vollelektrische Fahrzeug in Hannover in Großserie gefertigt: Der ID. BUZZ. Mit der Geschichte des Bulli ist noch lange nicht Schluss…


Daten Werk Hannover
Werksgelände: 1,1 Millionen Quadratmeter (ca. 152 Fußballfelder)
Anzahl Mitarbeiter am Standort 2020: 14.800 (inkl. Volkswagen Group Components)

Anzahl gebauter Fahrzeuge:

Jahre / Modell / Anzahl
1956 – 2021    T1 – T6.1    9.228.000
1974 – 1975    Käfer & Typ 181    43.000
1975 – 2003    LT 1 und LT 2    810.200
2017 – 2020    e-Crafter    1.500
1989 – 1995    Taro        61.000
2012 – 2020    Amarok        176.500

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