IAA Mobility 2021: Urbane Mobilität sucht Alternativen

Auch auf den in englisch gehaltenen Conference Days der IAA Mobility 2021 war VISION Mobility aktiv – mit dem Panel Urban mobility - on! And in the countryside?

Spannendes Panel: Christian Eckert, Chief Experience Officer bei der Icon group, Clemens Deyerling, Co-Founder & CMO bei Omobi, Alina Schuprin, Business Development Managerin bei Ioki, Lydia Neuhuber, Consulting Sustainability Lead bei Deloitte. | Foto: Julia Mogilevska
Spannendes Panel: Christian Eckert, Chief Experience Officer bei der Icon group, Clemens Deyerling, Co-Founder & CMO bei Omobi, Alina Schuprin, Business Development Managerin bei Ioki, Lydia Neuhuber, Consulting Sustainability Lead bei Deloitte. | Foto: Julia Mogilevska
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Alternative Mobilitätslösungen sind auch im ländlichen Raum gefragt – und sie müssen sich für alle Anbieter und Nutzer lohnen. In der Podiumsdiskussion diskutierten Lydia Neuhuber, Consulting Sustainability Lead bei Deloitte, Alina Schuprin, Business Development Managerin bei Ioki, Clemens Deyerling, Co-Founder & CMO bei Omobi und Christian Eckert, Chief Experience Officer bei der Icon group, wie mobile Alternativen zum Auto im ländlichen Raum aussehen können und müssen, um auch dort den CO2-Fußabdruck massiv zu reduzieren.

Das Panel eröffnete Lydia Neuhuber, die gleich zu Beginn darauf verwies, dass die Umstellung der Mobilität auch auf dem Land von den Bedarfen getragen werden muss. Die Umstellung auf Elektromobilität könnte nach ihren Erhebungen rund 11 bis 14 Prozent CO2 sparen, doch die Ziele müssen langfristig natürlich höher liegen. Und um diesen Bedarf auch erzeugen zu können, muss auch das Handling digital so einfach wie möglich sein. Womit Neuhuber als Beraterin bei Deloitte das Panel kritisch eröffnet: Denn allein mit Förderprogrammen und zahlreichen (digital buchbaren) Einzelangeboten, die nicht zusammenpassen, wird man die Mobilität auf dem Land nicht so einfach verändern können.

Womit sie eine gute Vorlage für Alina Schuprin, die Business Development Managerin bei Ioki gab, die hier konkret werden konnte: Am Genfer See rollt die Deutsche-Bahn-Tochter aktuell das regionale Mobilitätssystem „Arc Mobilité“, also einen „Mobilitätsbogen“ aus, der bis zu 10.000 Pendelfahrten täglich einsparen soll. Außerdem betreibt man in der Region Appenzell mit dem Schweizer Postauto die „PubliCar App“, bei der ein Rufbussystem digitalisiert und auf die Erfordernisse der Nutzer und Nutzerinnen optimiert wurde. Womit das erfüllt wurde, was ihre Vorrednerin gefordert hat: Es gab eine regionale Kooperation, die digital optimiert und in ein Gesamtsystem eingebunden wurde.

Ebenfalls rein regional startete das Rufbussystem Omobi in der bayerischen Gemeinde Murnau, womit man laut Mitgründer Clemens Deyerling das einzige ÖPNV-Start-up in Deutschland ist. Omobi wird gut angenommen, da man sich ganz genau an den Bedürfnissen der Marktgemeinde Murnau orientiert hat, so dass Deyerling seine Dienste mittlerweile auf Nachbardörfer ausrollt und erweitert. Auch sorgt ganz klar die Erfüllung bestehender Bedürfnisse für Erfolge – digital und einfach buchbar.

Den Abschluss des Panels bildete Christian Eckert aus Kalifornien: Das Thema ist in den USA ungleich komplexer, da größere Distanzen zu überwinden sind und das Auto gerade auf dem Land als „unersetzlicher“ gilt als in Europa. Wichtiger sind in dem Zusammenhang auch zusätzliche Anreize, die digital geschaffen werden können – eine Spezialität von Eckert als Chief Experience Officer. Dabei kann es sich um Games, Filme oder Musik handeln, die man auf der Fahrt gratis streamen kann oder Sonderangebote vor Ort, wenn man auf sein eigenes Auto verzichtet. Aber auch Eckert betont, dass echte Bedarfe gedeckt werden müssen und eine funktionierende digitale Vernetzung erforderlich ist.

Interessant ist auch die Verknüpfung der Verkehre zwischen Stadt und Land, auf die Deyerling hinweist. Er erklärt: Am Wochenende pendeln viel zu viele vom Land in die Stadt und erzeugen dort Zusatzverkehr, den man eigentlich nicht haben möchte – am Wochenende dreht sich dann die Situation, wenn die Stadtbewohner in Scharen aufs Land fahren. Wozu auch wichtig wäre, die Infrastruktur und Kulturangebote auf dem Land wieder zu verbessern und das „Sterben der Dörfer“, das durch die Pandemie beschleunigt wurde, zu verhindern

Was bedeutet das?

Alternative Mobilität kommt auch abseits der Städte in Schwung. Doch noch mehr wir dort gilt: das Angebot braucht eine solide Nachfrage und vor allem eine funktionierende Digitalisierung. Dann dürften auch Pendelverkehre und CO2-Belastung dort schnell sinken.

 

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