Kia EV6: Erstes Modell einer neuen Ära

Der rein elektrische EV6 steht als erster Kia auf der konzerneigenen E-GMP-Plattform und startet eine neue Designphilosophie, die Kia als „Opposites United“ (Vereinte Gegensätze) bezeichnet.

Der neue Kia EV6 verbindet tatsächlich optische Gegensätze. | Foto: Kia
Der neue Kia EV6 verbindet tatsächlich optische Gegensätze. | Foto: Kia
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Das neue Kia-Design soll Gegensätzlichkeiten, die sich in der Natur und im Menschsein finden, zusammenbringen. Etwas verschwurbelt formuliert erklärt Kia, dass damit „eine neue optische Identität, die mit kontrastierenden Kombinationen von scharf gezeichneten Stilelementen und plastischen Formen positive Kräfte und natürliche Energie hervorruft“ im Mittelpunkt der Gestaltung stehe.

Wie sehen im EV6 einen sportlichen Crossover, der optisch durchaus Anleihen am schicken Topmodell „Stinger“ nimmt, aber eben CUV-artig große Räder nutzt. Technische Details verrät Kia keine, aber die leiten wir vom Ioniq 5 ab: Die Basis dürfte 58 kWh Akkukapazität bieten, darüber gibt es eine Version mit 72,6 kWh. Gesetzt sind damit auch Front- respektive Allradantrieb. Stark ist die 800-Volt-Technik, die übrigens von Rimac stammt. Sie dürfte auch den EV6 binnen knapp 20 Minuten wieder zu 80 Prozent laden. Doch zurück zum Design. Dazu erklärt Karim Habib, Senior Vice President und Chefdesigner von Kia:

„Als erstes reines Elektromodell von Kia ist der EV6 ein Musterbeispiel für ein progressives, den Menschen in den Mittelpunkt stellendes Design kombiniert mit elektrischer Antriebskraft.  Wir sind fest davon überzeugt, dass der EV6 ein überaus reizvolles und relevantes Modell für den neuen Elektrofahrzeugmarkt ist“

Ziel sei es gewesen, unverwechselbares, wirkungsvolles Design zu kreieren, indem man ausgefeilte Hightech-Elemente mit puren und großzügigen Volumen kombiniert. Die Designphilosophie „Opposites United“ soll entsprechend das Design aller künftigen Kia-Modelle prägen. Die Philosophie basiere auf fünf Designsäulen: „Bold for Nature“ (Mut zur Natur), „Joy for Reason“ (Freude aus Vernunft), „Power to Progress“ (Kraft zum Fortschritt), „Technology for Life“ (Technologie zum Leben) und „Tension for Serenity“ (Spannung für Ausgeglichenheit). Schauen wir uns an, was Kia da im Einzelnen philosophiert:

Das Alles hört sich im Detail etwas theoretisch an, weshalb wir hier auf die Zusammenfassung von Karim Habib verweisen, der es auf den Punkt bringt:

„Wir wollen, dass unsere Produkte ein instinktives und natürliches Erlebnis bieten und damit das tägliche Leben unserer Kunden verbessern. Unser Ziel ist es, die physische Erfahrung unserer Marke zu gestalten und originelle, ideenreiche und spannende Elektrofahrzeuge zu kreieren. Die Ideen unserer Designer und die Zielsetzung der Marke sind enger miteinander verbunden denn je. Unsere Kunden stehen dabei im Mittelpunkt und beeinflussen jede Entscheidung, die wir treffen.“

Weitere Informationen zur Philosophie „Opposites United" sind in einem Film zum Designmanifest von Kia zu sehen, den wir unten angehängt haben. Der EV6 hat vorn ein neues Tagfahrlicht. Es ist Teil des „Digitalen Tigergesichts“, eine Weiterentwicklung des Kia-typischen „Tigernase“-Kühlergrills für die Elektro-Ära. Die Leuchten zeigen ein dynamisches, sequenzielles Lichtmuster. Darunter befindet sich ein flacher Lufteinlass, der optisch die Breite der Fahrzeugfront unterstreicht und zudem die Hightech-Ausstrahlung verstärkt. Um den Luftstrom an der Front und damit die Aerodynamik zu optimieren, wird die durch den Einlass strömende Luft weitergeleitet unter den glatten, ebenen Boden des Fahrzeugs.

Optisch darf es gern ein bisschen „Muscle-Car“ sein

Das Profil zeigt eine Crossover-inspirierte Ästhetik, die laut Kia „modern, geschmeidig und aerodynamisch“ ist. Es wird kontrastiert durch scharfe Linien und Hightech-Details, die das Gefühl von Spannung im Design vermitteln. Die stark geneigte, sich bis weit nach hinten ziehende Frontscheibe bringt Dynamik und Zielstrebigkeit zum Ausdruck, während die hinteren Kotflügel kraftvoll und voluminös wirken. Eine Charakterlinie, die das Profil optisch verlängert, läuft unten an den Türen entlang und schwenkt dann nach oben zu den hinteren Radläufen. Am Heck, dessen Design auch auf maximale Aerodynamik abzielt, sind in die sich verjüngenden C-Säulen hochglanzschwarze Einsätze integriert, die die Fenstergrafik optisch vergrößern. Oberhalb davon befindet sich ein auffälliger Dachspoiler, der den Luftstrom zu einem tieferen Spoiler leitet, der oben auf der charakteristischen Rücklichteinheit platziert ist. Der EV6 ist übrigens in Zusammenarbeit aller drei Kia-Designstudios in Namyang (Korea), Frankfurt und Irvine (Kalifornien, USA) entstanden.

Innendesign: Elektroautos bieten einfach mehr Raum

Tesla, Nissan oder VW tun es schon, der Hyundai-Konzern folgt gerade: Mit ebenem Boden und neu gestalteten Interieurs nutzt man den Raum der E-Plattform besser aus und schafft so neue Interieurs, die sich durchaus an Wohnräumen orientieren. Eines der auffälligsten Elemente des EV6-Interieurs ist ein gewölbter, hochauflösender Hightech-Bildschirm, der die Instrumentenanzeige für den Fahrer nahtlos mit dem Multimedia- und Navigationsdisplay auf der Zentralkonsole verbindet.

Die klare Formensprache des Bildschirms und das schlanke Armaturenbrett sollen dem Raum eine offene Atmosphäre geben und ihn so luftiger wirken lassen. Durch seine Breite bietet das Display dem Fahrer ein immersives Erlebnis, während es durch die minimale Anzahl physischer Tasten Übersichtlichkeit und Ruhe ausstrahlt. Unterhalb des Multimedia- und Navigationsdisplays befinden sich allerdings nach wie vor haptische Taster, mit denen die Klimaanlage intuitiv gesteuert werden kann. Die Zentralkonsole ist im EV6 nicht mit der Mittelkonsole verbunden und daher quasi freischwebend. Der freie Raum darunter gibt Fahrer und Beifahrer das Gefühl von Großzügigkeit und Offenheit.

Die Materialien: Natürlich mit hohem Recyclinganteil

Die schlanken, leichten und zeitgemäßen Sitze verfügen über moderne, optisch interessante und robuste Bezüge aus recycelten Kunststoffen, die die offene Anmutung des Interieurs noch verstärken. Interessant ist auch die flächige Gestaltung des Lenkrades, die den Futurismus unterstützt.

Was bedeutet das?

Optisch startet Kia wie die meisten anderen im Zentrum des Marktes: Mit einem SUV-artigen Stromer in der Mittelklasse, doch weil die echten SUV viel Stirnfläche haben und die Reichweiten unnötig mindern und jeder im Herzen gern ein Coupé fahren würde, bringt Kia diese Gegensätze im EV6 eben zusammen. Insofern stimmt die Designphilosophie der Gegensätze, ebenso wie bei den Details: Da kombiniert Kia Bekanntes (Rändel für die Klimatisierung – wie praktisch!) und Futuristisches (Heckleuchtenband, Lenkrad). In Summe entspricht der EV6 jedoch deutlich mehr dem internationalen Geschmack als der kantigere Ioniq 5 der Schwestermarke Hyundai auf der gleichen Plattform. Doch der EV6 ist nur der Anfang: Im Rahmen des "Plan S" plant Kia bis 2025 elf Elektroautos, die dann einfach von EV1 bis EV9 durchnummeriert werden dürften.

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