Lappen weg – was nun?

Mit einem Fahrverbot belegt zu werden – das ist für niemanden angenehm. Wer mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Autobahn unterwegs ist, denkt oft nicht an die Konsequenzen.

Lappen weg – was nun?
Lappen weg – was nun?
Redaktion (allg.)

„Wird schon nix passieren“ – so denken viele. Und wer dazu noch einen Blitzerwarner hat (Achtung, diese sind nicht legal!), fühlt sich vermeintlich auf der sicheren Seite. Doch wer durch sein Verhalten andere gefährdet und dann noch erwischt wird, dem droht ggf. ein Fahrverbot. Was nun? Für den „normalen“ Büroangestellten gibt es insofern ein Schlupfloch, als man die Zeit des Fahrverbots auch teilweise in den Urlaub verlegen kann. Doch wie sieht es aus mit denjenigen, die auf ihr Auto angewiesen sind, Berufskraftfahrer oder beruflich viel unterwegs sind?

Es gibt eine Möglichkeit, dem Fahrverbot auszuweichen. Das Fahrverbot gilt als „erzieherische“ Maßnahme. Der Fahrer soll spüren, dass regelwidriges Verhalten auch für ihn Konsequenzen hat. Alternativ dazu bietet der TÜV SÜD ein verkehrspsychologisches Schulungsmodell an, namens „Mobil Plus Prävention“. Diese Maßnahme basiert neben dem erzieherischen Gedanken auch auf dem auf die Zukunft gerichteten Präventionsgedanken. Damit wird den Empfehlungen des 48. Verkehrsgerichtstags, Arbeitskreis V: „Ausnahmen vom Entzug der Fahrerlaubnis und vom Fahrverbot“ Rechnung getragen. Laut TÜV SÜD erkennen Gerichte immer häufiger das Schulungsmodell als wirksame Maßnahme zur Verhaltensänderung an.

Zunächst sollte der Betroffene aber einen Anwalt beauftragen. Dieser wird im Vorfeld mit dem Richter klären, ob überhaupt eine Chance auf eine Ausnahmegenehmigung besteht. „Gibt es gute Argumente dafür, beispielsweise die drohende Kündigung eines Berufskraftfahrers, kann ein drohendes Fahrverbot möglicherweise verhindert oder wenigstens die Dauer deutlich verkürzt werden“, sagt Axel Uhle, Verkehrspsychologe und Mitglied der Geschäftsführung bei TÜV SÜD Pluspunkt. Nach erfolgreichem Abschluss des Seminars hängt es allerdings vom zuständigen Richter ab, ob dem Antrag auf Fristverkürzung stattgegeben wird.

So weit so gut. Doch wie funktioniert das genau?

Ziel: Problembewusstsein schärfen
In der Schulung werden Strategien erarbeitet, die das zukünftige Verhalten beeinflussen sollen. Das Geschehen, das Verhalten des Verkehrsteilnehmers  und die Motivation werden  besprochen. Der Anspruch ist es, laut TÜV,  einen psychologischen Bezug zwischen Tat und Konsequenz herzustellen. Der Kurs besteht aus drei Einzelgesprächen à 60 Minuten bei einem Verkehrspsychologen. Kosten hierfür: 390 Euro. Auch eine Teilnahme in einer Gruppe von vier bis acht Teilnehmern ist möglich, dann mit drei Sitzungen à 120 Minuten. Durch Schulungsunterlagen und Hausarbeiten müssen sich Kursteilnehmer den Inhalt individuell erarbeiten und aktiv mitarbeiten. Ziel ist es, sich über problematische Fahrgewohnheiten und deren Ursachen bewusst zu werden und Verhaltensänderungen einzuleiten. Auch eine Teilnahme an einem Online-Kurs ist möglich.

Die Teilnahmebescheinigung müssen Absolventen in jedem Fall bei Gericht einreichen, um damit eine Ausnahme vom Fahrverbot zu erreichen.

Die Maßnahme ist auf ein individuelles Erarbeiten ausgelegt, ein Konsumieren der Inhalte ohne eigene Beteiligung ist nicht möglich.
Axel Uhle, Verkehrspsychologe und Mitglied der Geschäftsführung bei TÜV SÜD Pluspunkt

Foto: Pixabay

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