Markus´Blick auf Elektromobilität: Mehr als Reichweite und Ladedauer!

Elektromobilität muss an vielen und vor allem den richtigen Parametern bemessen werden. Die Vorteile des Elektroautos sind in der Öffentlichkeit noch nicht alle angekommen.

 

Diplomdesigner und New-Mobility-Experte Markus Anlauff beschäftigt sich seit Jahren mit der E-Mobilität und den Details, die man noch besser machen könnte. (Foto: Privat)
Diplomdesigner und New-Mobility-Experte Markus Anlauff beschäftigt sich seit Jahren mit der E-Mobilität und den Details, die man noch besser machen könnte. (Foto: Privat)
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Redaktion (allg.))

Angekommen. Meine bevorzugte öffentliche Ladesäule versteckt sich am Rande eines größeren Parkplatzes in der Innenstadt. Bevor ich das Ladekabel aus dem Kofferraum nehme, noch ein schneller Blick in die Umgebung. Alles klar, die Luft ist rein. Beim Einstöpseln fährt mir dann doch aus dem Nirgendwo ein Rollator in den Hacken. Eine Dame um die 70, ihr skeptischer Blick offenbart bereits, was als Nächstes kommt: „Das ist ein Elektroauto, nee…?“  Pause.  „Wie weit kommen Sie denn damit?“ „200 km“ lüge ich mit fester Stimme. Tatsächlich ist der Akku meines 10 Jahre alten Smart gerade mal für 110 km gut, aber das bedarf zusätzlicher Erklärung.

Mit entschiedenem Kopfschütteln und ernster Miene macht die Dame bereits kehrt und setzt ihre Fahrt in Richtung Berchtesgaden, Flensburg oder wohin auch immer fort. Die zweite Frage, die üblicherweise kommt: „Und … wie lange dauert es das Aufladen?“, bleibt heute ungefragt.

Zwei Parameter, mit denen viele immer noch glauben, die Tauglichkeit von Elektroautos bewerten zu können. Bei einem Technologiewechsel benutzen wir zunächst messbare Größen, um vergleichen zu können. Das gilt auch, wenn schon längst erkennbar wird, dass die Innovation einen viel weitreichenden Wandel einleitet.

Wenn sich Leistungs-Parameter verselbstständigen

Vor 25 Jahren habe ich als Designer für Rollei gearbeitet. Die Digitalfotografie war gerade im Markt angekommen, aber tat sich sehr schwer. Die Pixel wurden in den Vergleichstests zur Gesinnungsfrage. Fast monatlich stiegen die Auflösungen der Kameras, um mit den analogen 35 mm Film gleichziehen zu können. Am Ende erreichten Auflösung und Speichermengen irrwitzige Werte, die keinerlei Bezug mehr zum eigentlichen Verwendungszweck hatten. Die Digitalfotografie hat das analoge Fotografieren inzwischen komplett verdrängt, aber aus ganz anderen Gründen, wie wir rückblickend wissen.

In der Mobilität wird es sich ähnlich wiederholen. Sobald überall ausreichende Lademöglichkeiten bestehen, werden große Reichweiten und Batteriekapazitäten relativ. Bei der Ladedauer ziehen wir die Betankungsdauer als Vergleichsgröße heran, obwohl die Randbedingungen beim Laden ganz anders sind als beim Tanken. Der technologische Aufwand, der in die Verkürzung der Ladedauer verwendet wird, ist aufwendig, teuer und auch aus Gründen der einstehenden Energieverluste infrage zu stellen. Gleichzeitig wird viel zu wenig darüber nachgedacht, wie man den Aufladevorgang und die Ladestellen an sich für den Anwender besser gestalten könnten.

Was bedeutet das?

Warum Elektroautofahren in so vieler Hinsicht besser sind, erschließt sich erst im Alltagsgebrauch. Beim Erleben des Fahrkomforts, beim schaltungsfreien Beschleunigen, beim Blick auf Verbrauchs- und Servicerechnungen und so vieles mehr. Darum: Macht von Eurem Besserwissen Gebrauch und agiert als Botschafter für die gute Sache. Ladet ein zu Probefahrten. Nach dem Stammtisch, unter Kollegen oder beim zufälligen Gespräch an der Ladesäule!

 

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