Mercedes-Benz: Händler werden unzufrieden

Trotz einem Absatzplus von sechs Prozent im zweiten Quartal 2023 und starkem Wachstum bei den teuren Modellen brodelt es in der Händlerschaft von Mercedes-Benz, die eine Kurzkorrektur fordert.

Vor allem Maybach wuchs massiv, aber auch die Stromer legten stark zu. Der EQS SUV als schwarze "Night Series" verbindet beides, zielt aber am Gros der deutschen Kunden und Flotten vorbei. | Foto: Mercedes-Benz
Vor allem Maybach wuchs massiv, aber auch die Stromer legten stark zu. Der EQS SUV als schwarze "Night Series" verbindet beides, zielt aber am Gros der deutschen Kunden und Flotten vorbei. | Foto: Mercedes-Benz
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Auf den ersten Blick sind die Zahlen sehr stark: Im zweiten Quartal 2023 gab es ein Absatzplus von sechs Prozent auf 515.700 Einheiten und noch stärker wuchs man im „Top-End Segment“, wo man mit 84.800 Einheiten  gleich um 12 Prozent wachsen konnte. Je teurer, desto besser die Zahlen: Mercedes-AMG packte für sich 19 Prozent drauf und Mercedes-Maybach gar 39 Prozent – allerdings kommt man hier je von vergleichsweise niedrigen Niveaus. Und selbst die wieder mal vor einer Erneuerung stehende G-Klasse wuchs noch mal um 29 Prozent!

Und auch Deutschland wächst stärker als die Welt: Im ersten Halbjahr 2023 konnte man im Heimatmarkt um 22 Prozent wachsen. Und doch wächst laut dem Business Insider die Unzufriedenheit der Händler: Ein internes Schreiben des Händlerverbands an die Top-Manager des Unternehmens, das Business Insider vorliegt, zeigt, dass man in den Showrooms vor Ort nervös wird – denn die Preise bei Mercedes-Benz kennen derzeit nur eine Richtung: Steil nach oben.

Sodass die Händler befürchten, das ihnen gerade in den volumenstarken Segmenten (die auch die Auslastung der Werkstätten bringen), viele Kunden abspringen könnten. So spricht man gar davon, den deutschen Markt „mit Vollgas gegen die Wand“ zu fahren. Außerdem fordern sie eine sofortige Anpassung der Preispolitik an die veränderten Marktbedingungen – denn nach einer Preisrallye aller Marken schmelzen die Tarife auch im Leasing gerade wieder massiv ab. Und die meisten Modelle sind jetzt wieder voll lieferfähig, dass der Kunde wieder freie Auswahl hat.

Händlersorge: Auch Flotten könnten abwandern, da die Preispolicy nicht mehr passt

Dabei sind den Händlern die Preissteigerungen, die mit jeder Modelljahresänderung kommen, ein Dorn im Auge. Laut dem Papier sind die hohen Bruttolistenpreise im aktuellen Marktumfeld nicht mehr länger zu rechtfertigen. Was schwerer wiegt: Viele Tarife sind mittlerweile so hoch, dass Mercedes-Benz zunehmend aus den Flottenpolicies wichtiger Gewerbekunden gestrichen würde – vor allem im Premiumsegment sind Flotten die Stütze des Absatzes: In Deutschland entfallen aktuell rund zwei von drei Neuzulassungen auf den gewerblichen Bereich. Dazu kommt, dass die höheren Preise auch die Dienstwagenversteuerung nach oben treibt. Womit für immer mehr (auch besser verdienende) Dienstwagenberechtigte die Marke (zu) teuer wird.

Bislang hat sich Mercedes-Benz gegenüber dem Business-Insider zurückhaltend geäußert, zumal auch die E-Mobilität massiv anstieg: Der EQA legte im zweiten Quartal 2023 um 73 Prozent zu, der EQB um 83 und der EQE (mit SUV) gar um 157 Prozent. Insofern müsste die Händlerunzufriedenheit sich auf den zu erwartenden Bestellvorlauf beziehen.

Was bedeutet das?

Mercedes-Benz hat seit dem Abgang von Dieter Zetsche massiv an Sympathie verloren. Die neue margenorientierte Luxusstrategie hilft in erster Linie der Rendite und den Aktionären und verträgt aber auch geringere Stückzahlen. Technisch kann die Marke derzeit allerdings kaum Highlights setzen, während viele Modelle für immer mehr Menschen immer schwerer erreichbar werden. Weshalb die Händler unzufrieden sind. Man darf auf das zweite Halbjahr 2023 und den Jahresverlauf 2024 gespannt sein. Auf der IAA dürfte Mercedes-Benz mit einer EQA-Limousine wieder „unten“ am Programm anbauen.

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