Porsche startet Gratis Software-Update für den Taycan

Porsche startet beim Taycan mit den ersten Software-Updates. Damit können die ersten Baujahre auf den Stand der aktuellen, optimierten 2021er Modelle gebracht werden.

Noch entspannter Laden: Die Charging-Planner-Funktionen wurden erweitert. | Foto: Porsche
Noch entspannter Laden: Die Charging-Planner-Funktionen wurden erweitert. | Foto: Porsche
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Bereits im September 2021 hat Porsche den Taycan in vielen Details optimiert – und da viele Neuerungen auf Software basieren, kann man deshalb auch die älteren Taycan-Modelle entsprechend updaten, wozu sie allerdings in die Werkstatt müssen. Denn das Software-Update ist so umfangreich, dass es laut Robert Meier, dem Baureihenverantwortlichen für den Taycan, „einen halben“ Tag dauere, bis das Neuheitenpaket aufgespielt sei.

Der Turbo S beschleunigt jetzt 0,2 Sekunden schneller auf 200 km/h

Das kostenlose Software-Update stellt Porsche weltweit zur Verfügung, wobei auch keine Werkstattkosten anfallen. Das Paket bietet unter anderem Verbesserungen der Fahrdynamik, neue intelligente Ladefunktionen, erweiterte Umfänge für das Porsche Communication Management (PCM) und zusätzliche Porsche Connect-Dienste. Für Taycan-Modelle mit adaptiver Luftfederung umfasst die Aktualisierung unter anderem die neue Smart-Lift-Funktion. Damit lässt sich der Taycan so programmieren, dass er an bestimmten wiederkehrenden Stellen wie Fahrbahnschwellen oder Garagenauffahrten automatisch angehoben wird. Zu den Updates gehört außerdem eine optimierte Fahrwerksteuerung. Sie verbessert die Schlupfregelung und damit auch die Beschleunigungswerte des Taycan Turbo S. Der Sprint von null auf 200 km/h gelingt im Zusammenspiel mit der Launch Control in 9,6 Sekunden und damit 0,2 Sekunden schneller als bisher, was laut Meier dadurch erzielt wurde, dass das Sopannungsniveau im Hochvoltmanagement angepasst werden konnte. Bisher sei man hier eher „konservativ“ unterwegs gewesen, so Meier. 

Viel Feintuning: Noch schlauer Laden

Wichtiger für die meisten Kunden dürfte aber die Erweiterung der Charging Planner-Funktionen sein: Ab sofort lässt sich beispielsweise einstellen, mit welchem Ladezustand der Taycan das eingegebene Ziel erreichen soll. Während eines Ladevorgangs mit aktiver Zielführung erhält der Fahrer im Fahrzeug und in der App einen Hinweis, wann der notwendige Ladezustand für die verbleibende Route erreicht ist und die Weiterfahrt erfolgen kann. Mit der neuen Funktion Batterieschonendes Laden kann auf Wunsch die Ladeleistung von bis zu 270 kW auf 200 kW reduziert werden. Die daraus resultierende niedrigere Batterietemperatur führt zu einer schonenderen Batterieladung und einem besonders effizienten Ladevorgang. Wird das in der Praxis auch nachgefragt? Meier bejaht. Es gäbe viele Kunden, die sich eingehend mit dem Batteriemanagement und deren Lebensdauer beschäftigen. Das sei so wie der Kaltstart bei den Verbrennern: „Sie können hier auch gleich volle Leistung abfordern und die Motoren müssen das können, aber warmfahren ist für den Motor besser“, erklärt Meier schmunzelnd.

Auch das Schnellladen werde intensiv genutzt, zumal die Taycan viel auf Langstrecken unterwegs seien. Und werde laut Meier wiederum oft im Fenster zwischen 10 und 50 Prozent geladen, wo das Schnellladen auch wirklich schnell gehe. Viele Kunden zögen in der Praxis zwei kurze Ladestopps einem langen vor und gingen selten über die 80 Prozent SoC hinaus.

Der 22 kW-Bordlader kann nachgerüstet werden - was allerdings nicht ganz billig ist, da es hier neue Hardware braucht

Auch Onboard-Wechselstrom-Ladegerät (AC) mit 22 kW steht ab Ende 2021 optional für ausgewählte Märkte zur Nachrüstung bereit, Preise gibt es noch keine, doch dabei handelt es sich um einen größeren mechanischen Eingriff. Zur Orientierung nennt Meier den Aufpreis bei neuen Modellen von 1600 Euro. Darunter werde es auf keinen Fall gehen, zumal das Auto dazu auch in die Werkstatt müsse, um die Hardware zu tauschen.

Feintuning gibt es auch für die Navigation: Zum Beispiel die Anzeige von Online-Informationen direkt in der Karte sowie spurgenaue Verkehrsinformationen. Und beim Entertainment kann nun, wer seine Apple ID mit dem Taycan verknüpft hat, die Funktionen Apple Podcasts (inklusive Videostreaming) und Apple Music Lyrics nutzen. Mit Wireless Apple CarPlay stehen iPhone-Apps jetzt per kabelloser Verbindung im Porsche Communication Management (PCM) zur Verfügung. Warum so Apple-lastig? „Viele unserer Kunden sind sehr Apple-affin“ erklärt Meier die Praxis.

Das Update umfasst darüber hinaus signifikante Software-Optimierungen für zahlreiche Steuergeräte, in Summe sind es laut Meier „über 100“. Im Anschluss müssen das Getriebe adaptiert und die Antriebskomponenten kalibriert werden. Auch deshalb muss man dazu in die Werkstatt.

Optional können jetzt auch "Functions on demand" hinzugebucht werden

Andere Updates sind im Taycan des aktuellen Modelljahrgangs grundsätzlich auch per Functions on Demand (FoD) möglich. Diese flexible Aufrüstung funktioniert nach dem Kauf und der ursprünglichen Konfiguration des Sportwagens „Over-the-Air“. Aktuelle FoD-Funktionen neben dem Porsche Intelligent Range Manager (PIRM) sind die Servolenkung Plus, die Aktive Spurführung und das Porsche InnoDrive. Die Kunden können wählen, ob sie die jeweilige Funktion für ihren Taycan kaufen oder als Monatsabo zubuchen wollen. Letzteres enthält drei Testmonate. Nach einer Registrierung, der Auswahl der gewünschten Funktion(en) im Porsche Connect Store und bei entsprechender Konnektivität sendet das Porsche Backend über das Mobilfunknetz ein Datenpaket an den Taycan. Über das Porsche Communication Management (PCM) wird der Fahrer über dessen Verfügbarkeit informiert. Die Aktivierung dauert wenige Minuten. Nach erfolgreicher Aktivierung erscheint einmalig ein Hinweis im Zentraldisplay.

Für die Zukunft kündigt Meier weiteren „Feinschliff“ an – sicher bis zum Ende der Taycan-Laufzeit und in Details vielleicht noch darüber hinaus, auch wenn die künftigen Porsche auf die PPE-Plattform wechseln werden, die statt der vielen Einzelsteuergeräte eher von maximal zwei bis drei „Großrechnern“ versorgt werden.

Was bedeutet das?

Der Taycan ist updatefähig. Und damit können die ersten Modelle - leider per Werkstattbesuch, da umfangreich – auf den Stand der ersten großen Optimierungen für den Jahrgang 2021 gebracht werden. Interessant sind aber auch Porsches Erkenntnisse bezüglich der Ladegewohnheiten, die wiederum darauf hindeuten, dass der Taycan in Summe auch viel als Langstreckenfahrzeug genutzt wird. Und damit die Verbrenner tatsächlich mehr und mehr obsolet macht.

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