Porsche Taycan: Mehr als ein Facelift

Optisch blieb er fast der Alte, aber zur Überarbeitung hat Porsche bis auf den Rohbau fast alle Teile angefasst und das Auto damit dramatisch verbessert.

Alle drei Karosserieversionen bleiben, bei den Motoren fliegt der GTS raus, dafür kommt der Turbo GT als neues Topmodell mit bis zu 1.108 PS. | Foto: Porsche
Alle drei Karosserieversionen bleiben, bei den Motoren fliegt der GTS raus, dafür kommt der Turbo GT als neues Topmodell mit bis zu 1.108 PS. | Foto: Porsche
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Porsche hat den Taycan überarbeitet – umfassend, nein umfassendst! Der neue Jahrgang ab 2024 hat mehr Leistung, mehr Reichweite, beschleunigt schneller und lädt kürzer sowie robuster. Außerdem wurden die Turbo-Modelle stärker differenziert. Alle Taycan-Versionen verfügen über eine umfangreichere Serienausstattung und die jüngste Generation der Porsche Driver Experience.

Auf dem Weg zur Serienreife haben Entwicklungsingenieure und Testfahrer mit getarnten Versuchsfahrzeugen laut Porsche über 3,6 Millionen Kilometer rund um den Globus zurückgelegt, um den ersten vollelektrischen Sportwagen von Porsche weiter zu verbessern. Fast 150.000 Taycan hat der Sportwagenhersteller bisher produziert. Die wichtigsten Einzelmärkte für den Taycan sind aktuell die USA, Großbritannien, Deutschland und China.

Kommen wir gleich zum vielleicht größten Pain-Point der Vorgänger, der Reichweite: Die konnte auf freier Autobahn schon mal unter 200 Kilometer zusammenschnurren, im Winter, wenn man das Fahrpedal etwas vorsichtiger streichelte, waren aber auch bei besonnenen Fahrenden teils keine 300 Kilometer drin. Jetzt gibt Porsche bis zu 678 Kilometer an, womit beim großen Akku auch real 400 plusminus x drin sein sollten. Selbst das Topmodell, der Turbo GT wird noch mit zu 555 km verortet. Porsche spricht von bis zu 35% mehr Reichweite. Der Akku mit Zellen von LG (beim Macan stammen sie von CATL) bietet jetzt brutto 105 (netto 97) statt 93 kW und auch der kleine Akku wurde entsprechend nach oben gezogen. Er bietet jetzt 89 kWh, netto 82,3 kWh, was noch für 503 bis 590 km nach WLTP reichen soll, real also 350 plusminus x.

Viel mehr Ladeleistung - und die länger stabil

Aber auch die Ladeleistung ging dramatisch nach oben: Der Taycan lädt jetzt mit bis zu 320 kW und kann auch über fünf Minuten bis zu 300 kW aufrecht erhalten. Dazu arbeitete man auch an der Temperierung des Akkus. Der Ladehub von 10 auf 80% SOC soll jetzt in 18 Minuten klappen. Und auch die Rekuperationsfähigkeit wurde dramatisch gesteigert – von 290 auf 400 kW. Der Akku wurde trotzdem leichter, sein Gewicht sank von 634 auf 615 kg, was vor allem an überarbeiteten Stromschienen und einer noch mehr an der neuen Schutzplatte liegt. Und wer beim Laden im Auto bleibt, erhält jetzt eine noch exaktere Ladeprognose angezeigt – auch dann, wenn die Ladesäule runterregelt – und um wie viel sie das tut. Und dank neuer Akkuklimatisierung kann jetzt auch schon ab 15 und nicht mehr erst bei 35 Grad Akkutemperatur voll geladen werden oder umgekehrt: Die Batterie muss an kalten Tagen bei Weitem nicht mehr so stark vortemperiert werden. Und weil wir grad beim Laden sind: Auch die Handys laden jetzt schneller – mit 15 statt 5 Watt.

Die Scheinwerfer: Mit 32.000 statt 84 Pixeln!

Optisch wurde auch Einiges geändert, unter anderem die Aerodynamik optimiert: Die Scheinwerfer arbeiten jetzt mit 32.000 statt vorher 84 Pixeln und werfen ihr Licht bis zu 600 Meter voraus! Und können sich in Baustellen auf Fahrzeugbreite „verengen“ und einem so an Engstellen noch präziser den Weg weisen. Die Hauptscheinwerfer erzeugen so laut Porsche „einen hellen, homogenen und präzisen Lichtteppich, der sich dynamisch und blitzschnell an die jeweilige Fahrsituation anpasst“. Die Neuadaption wird alle 16 Millisekunden berechnet. Dazu kommen neue Stoßfänger und Aeroräder, wie gesagt: Porsche hat fast jedes Teil angefasst. Sodass man insgesamt tatsächlich 15 kg Gewicht sparen konnte.

Das Fahrwerk könnte in der Praxis einer der größten wahrnehmbaren Unterschiede werden

Aber wir schweifen ab. Einen ganz großen Unterschied soll auch das Fahrwerk machen: Alle Taycan kommen jetzt mit adaptivem Zweikammer-Luftfederfahrwerk und bei den Allradversionen kann man Active Ride mit Zweiventildämpfern ordern. Und die sollen Nick- und Wankbewegungen überkompensieren können, heißt: Der Taycan liegt immer eben, ohne beim Beschleunigen oder Bremsen einzutauchen und in Kurven kann er sich durch eine „Überkompensation“ sogar wie ein Motorrad hineinlegen! Gesteuert wird das über einen fahrdatenbasierten Volumenstrom an den Dämpfern, der immer im Millisekundenbereich nachjustiert wird. Ob man jetzt den optionalen Entrance Assistant, der das Auto im Stand zu Ein- und Aussteigen im Gegensatz zum Range Rover anhebt statt senkt, wirklich braucht, sei dahingestellt, ebenso wie die „Helifunktion“, welche das Heck beim Anfahren hebt und beim Abbremsen die Front lupft –abermals durch Überkompensation.

Alle Antriebe wurden stärker, sparsamer und leichter

Ein neuer Hinterachsantrieb bietet 80 kW mehr Leistung, ist 20,4 Kilo leichter als beim Vorgänger und  das ziemlich einzig gleiche Bauteil, das auch im neuen PPE-Baukasten vorkommt. Er startet mit 320 kW (435 PS) im Basis-Taycan, der 420 Nm Drehmoment bietet und 230 km/h Topspeed bietet. Darüber rangiert der 4S mit 440 kW (598 PS), der 710 Nm aufbietet, in 3,7 Sekunden auf 100 km/h zieht und 250 km/h läuft. Da der 4S so stark wie der EX-GTS ist, entfällt der und oben runden Turbo und Turbo S das Programm ab: Mit 650 oder 700 kW, das sind 884 oder 962 PS. Heißt 940 respektive 1110 Nm Drehmoment und in 2,7 respektive 2,4 Sekunden geht es auf 100 km/h. Topspeed: 260 km/h bei beiden.

Die neuen Top-Top-Topmodelle sind die Turbo GTs ohne und mit Weissach-Paket: Im Boost bis zu 815 kW stark, das sind 1.108 PS, dazu kommen 1.340 Nm und 290 respektive 305 km/h Topspeed. Und da beim Weissach-Paket die Rückbank rausflog und eine Carbon-Theke die aktiven Guerny-Spoilerlippe ersetzt, sprintet der in 2,2 statt 2,3 Sekunden auf 100 km/h. Ein wichtiges Bauteil ist hier der neue Siliziumkarbidwechselrichter, der bis zu 900 Ampere bietet, sodass bei Bedarf auch binnen 6,4 Sekunden bis auf 200 km/h durchbeschleunigt werden kann.

Da könnte es wichtig werden, dass auch der Porsche Charging Planner verbessert wurde: Die Routenplanung erfolgt jetzt online und ist bis zu drei Mal schneller. Der Porsche Charging Service ermöglicht weltweit den Zugriff auf zahlreiche Ladepunkte verschiedener Anbieter. Aktuell sind in Europa fast 600.000 Ladepunkte in 24 Ländern eingebunden.

Leider hat Porsche auch die Preise massiv erhöht: Die heckantriebs-Basis mit „kleinem Akku“ startet jetzt ab 101.500 Euro, der Turbo GT mit Weissach-Paket bei 240.000 Euro brutto.

Was bedeutet das?

Porsche hat beim Taycan ganz massiv nachgelegt und gezeigt, wie stark sich die E-Mobilität in den letzten fünf Jahren weiterentwickelt hat. Das einzige Problem daran sind die Restwerte der aktuellen Taycan...Wie sich all das Neue fährt, wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben: am 3.4. um 14 Uhr nehmen wir sie mit in die „Basismodelle“, am 10.4. um 14 Uhr in den Turbo GT. Bleiben Sie gespannt!

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