Renault Trucks: „Wir wollen Teil der Lösung werden.“

Ab dem kommenden Jahr will der Hersteller Renault Trucks die Elektromarke E-Tech einführen. Die gesamte Palette von 3,1 Tonnen bis 44 Tonnen soll dann als E-Version bereitstehen. Das Werk in Blainville-sur-Orne ist vorbereitet. Dort laufen die Trucks vom Band.

3,1 Tonnen bis 26 Tonnen – das ist die aktuelle Elektrobaureihe von Renault Trucks. | Bild: Renault Trucks, C. Harttmann
3,1 Tonnen bis 26 Tonnen – das ist die aktuelle Elektrobaureihe von Renault Trucks. | Bild: Renault Trucks, C. Harttmann
Redaktion (allg.)

Renault Trucks macht Ernst und stellt die Dekarbonisation ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns. Die CO2-Neutralität sei Realität geworden und Renault Trucks habe sich dabei an die Spitze gestellt, fasst François Savoye, als Entwicklungschef für die alternativen Antriebe verantwortlich, die Ambitionen des Herstellers zusammen.

Die Electromobility Days im Werk in Blainville-sur-Orne Mitte März nutzt der Manager außerdem, um auch auf die Verantwortung der Branche hinzuweisen. „Wir sind Teil des Problems und wollen Teil der Lösung werden.“ Elektrischen Trucks komme dabei eine Schlüsselrolle zu, weil sie aktuell der effizienteste Weg seien, Energie einzusetzen. „Elektromobilität ist der einzige Weg, um bis 2050 CO2-frei zu werden“, ist Savoye daher überzeugt. Gerade im urbanen Bereich sei es außerdem die günstigste Möglichkeit der Dekarbonisation.

Wasserstoffmobilität, auch das machte Renault auf seiner Veranstaltung klar, kann nichtsdestotrotz bei den Reichweiten punkten. Bis zu 800 Kilometer seien möglich. Mit der Batterie sind derzeit bis zu 500 Kilometer realistisch. Allerdings – das ist der Nachteil – kostet nicht nur die Brennstoffzelle selbst mehr als ein Elektromotor. Auch der Wasserstoff schlägt deutlich teurer zu Buche als Strom.  

CO2-frei bis 2040

Deswegen, da ist man sich bei Renault Trucks sicher, werden bis in etwa 20 Jahren die meisten Fuhrparkbetreiber von Diesel- auf Elektromobilität gewechselt haben. Für die Hersteller sei das mit einer großen Transformation verbunden, die bereits jetzt begonnen habe. Renault Trucks selbst plant, bis 2030 die Hälfte seiner Fahrzeuge mit CO2-freiem Antrieb zu verkaufen. Bis 2040 soll deren Anteil dann bei 100 Prozent liegen. Seit mehreren Jahren wird daher das Angebot an Elektro-Lkw stetig erweitert. Inzwischen schlage sich das in den Verkaufszahlen nieder, teilt der Hersteller auf der Veranstaltung in Blainville mit: 2021 wurden 859 Elektro-Lkw ausgeliefert oder bestellt.

Für die Serienproduktion hat sich Renault Trucks ebenfalls gerüstet und das Werk in Blainville-sur-Orne entsprechend ertüchtigt. Den Angaben zufolge wurde dort 2021 rund die Hälfte aller Elektro-Lkw im europäischen Markt produziert. Sukzessive baut der Hersteller sein Angebot an Elektro-Trucks weiter aus und startet in Blainville-sur-Orne zunächst die Serienproduktion eines 19-Tonners des Typs Renault Trucks D Wide Z.E zusätzlich zum D Z.E. mit 16 Tonnen. Neu ist auch der 26-Tonner D Wide Z.E.; mit seinen 19 Tonnen soll sich der D Wide Z.E. speziell für den temperaturgeführten Verteilerverkehr eignen. Die neue Option Kühlkofferanschluss soll die Energieeffizienz von Elektro-Lkw mit Kühlaufbau erhöhen. Sie steht für D und D Wide Z.E. zur Verfügung und ermöglicht es, die für das Kühlsystem benötigte Energie direkt von den 600-V-Antriebsbatterien des Fahrzeugs zu beziehen. Im D Wide Z.E. sind zwei Elektromotoren mit einer Maximalleistung von 370 kW verbaut. Mit einem 265-kWh-Akku schafft der Lkw als 26-Tonner oder 19-Tonner im Verteilerverkehr etwa 180 Kilometer. Der D Z.E. kommt mit einem Elektromotor mit 185 kW Maximalleistung und einem 265-kWh-Akku bis 400 Kilometer weit.

Noch im Jahr 2023 werden dann  zwei neue Modelle die Range auf bis zu 44 Tonnen erweitern: der T E-Tech und der C E-Tech. Damit würde Renault als erster Hersteller in Europa die komplette Range zwischen 3,1 Tonnen und 44 Tonnen mit Elektro-Trucks abdecken können.

Elektrisch im Fernverkehr

Der T E-Tech ist für den regionalen Fernverkehr konzipiert, der C E-Tech für den Baustellenverkehr. In beiden Modellen werden je zwei oder drei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von bis zu 490 kW verbaut. Zwei bis sechs Lithium-Ionen-Batteriepacks liefern die nötige Power – 180 bis 540 kWh. Eine vollständige Aufladung der Akkus mit Wechselstrom (bis zu 43 kW) soll 9,5 Stunden dauern. Mit Gleichstrom (bis zu 250 kW) ließe sich das auf 2,5 Stunden verkürzen. Der Lkw kommt damit laut Hersteller 300 Kilometer weit. Mit einer zusätzlichen einstündigen Schnellladung zwischendurch schafft er auch 500 Kilometer. Die Trucks sind mit Optidriver-Getriebe ausgestattet. Sie werden in verschiedenen Achsausführungen erhältlich sein: als 4x2- und 6x2-Sattelzugmaschine sowie als 4x2-, 6x2- und 8x4-Tridem-Fahrzeug.

Ein neues Branding soll die ambitionierte Zielsetzung in Sachen E-Mobilität zusätzlich unterstreichen. Ab dem kommenden Jahr laufen alle elektrischen Renault-Lkw unter der neuen Marke E-Tech. Damit verbunden ist das Versprechen einer ganzheitlichen Rundumbetreuung. Den Transportunternehmen bei deren Übergang zur CO2-Neutralität künftig umfassend zur Seite zu stehen, lautet der Anspruch, der dahintersteht. Damit geht das Angebot über den bloßen Verkauf von Elektrolastern weit hinaus. Der Kunde soll bei allen seinen Maßnahmen umfassend begleitet werden – von der Planung der Anschaffung bis hin zum Monitoring der Elektro-Lkw-Einsätze.

Die Unterstützung teilt sich in vier Phasen auf. In der ersten berät Renault Trucks den Kunden bei der Definition seines Projektes zur Dekarbonisierung, der Studie und der Ausarbeitung seiner individuellen Bedürfnisse. Der Hersteller verspricht, mit seinem Know-how über die auf dem Markt verfügbaren Lösungen sowie seinem Wissen über die geschäftlichen Anforderungen seiner Kunden zu unterstützen.

In einer zweiten Phase, der Diagnose, geht es dann um eine genaue Kenntnis der Kundenaktivitäten. Dazu gehört die Analyse der Flotte und der Fahrten sowie der Ladeinfrastruktur an den Standorten. Diese Phase beinhaltet Simulationswerkzeuge, die den Kunden bei seiner Kaufentscheidung und der Kontrolle seiner Aktivitäten unterstützen sollen. Dies beinhaltet einen Simulator zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen sowie einen Reichweitensimulator. Renault Trucks gibt dem Kunden nach dieser Diagnose eine umfassende Empfehlung, bei der der Fokus auf einem Durchführungsplan sowie einer Prognose zur Reduzierung der CO2-Emissionen in den kommenden Jahren liegt.

In der dritten Phase definiert Renault Trucks das Projekt zur Dekarbonisierung und konzipiert gemeinsam mit dem Kunden dessen neues Elektromobilitäts-Ökosystem. Diese Lösung beinhaltet dem Hersteller zufolge die Finanzierung, lokale oder staatliche Subventionen, die Definition und Konfiguration des kompletten Lkw samt Ausstattung und Aufbau, die Ladeinfrastruktur an den Standorten, Wartungsverträge und noch mehr. Dem Kunden wird während dieser Phase von Renault Trucks ein Elektro-Lkw zur Verfügung gestellt. Er hat so die Möglichkeit, diesen unter realen Betriebsbedingungen zu testen.

All-inclusive-Angebot

In der letzten und vierten Phase erstellt Renault Trucks eine Dekarbonisierungslösung für den Kunden. Dazu gehört die Installation einer Ladeinfrastruktur an den Standorten des Kunden sowie die Schulung von Fahrern und Flottenmanagern. Bei der mit Hilfe der Fahrzeugkonnektivität durchgeführten operativen Kontrolle ihres Fuhrparks können die Kunden auf die Unterstützung von Renault Trucks und dessen Netzwerk zurückgreifen. Dieser Kundensupport umfasst eine Überwachung der Lade­infrastruktur, des Fahrverhaltens und des Verbrauchs sowie mögliche Optimierungsvorschläge, Routenempfehlungen und die Optimierung von Wartungsvorgängen.

Bei der Umstellung auf Elektrofahrzeuge sind Transportunternehmen auf konkrete Unterstützung angewiesen. Renault Trucks begleitet sie bei der Umsetzung ihres Projekts zur Dekarbonisierung mit technischem und unternehmerischem Know-how.

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