Scheuer: Neues Zentrum für Mobilität für München

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will ein "Deutsches Zentrum Zukunft der Mobilität"  in Bayern Landeshauptstadt München aufbauen, an dem Forschungsprojekte und Testfelder zusammengefasst werden sollen. Dafür will 500 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Das neue Zentrum soll nach dem Wunsch des Ministers etwa auch erforschen, inwieweit Flugtaxis am Hauptbahnhof landen können. Im Bild: Scheuer bei der "Weltpremiere" des CityAirbus mit Digitalsstaatssekretärin Dorothee Bär (CSU) im März 2019 in Ingolstadt. | Foto: BMVI
Das neue Zentrum soll nach dem Wunsch des Ministers etwa auch erforschen, inwieweit Flugtaxis am Hauptbahnhof landen können. Im Bild: Scheuer bei der "Weltpremiere" des CityAirbus mit Digitalsstaatssekretärin Dorothee Bär (CSU) im März 2019 in Ingolstadt. | Foto: BMVI
Torsten Buchholz
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Mitten in der Endphase des bayerischen Kommunalwahlkampfs und kurz nach der Entscheidung des VDA, die IAA nach München zu vergeben, hat Bundesverkehrsminster Andreas Scheuer (CSU) Pläne für ein "Deutsches Zentrum Mobilität der Zukunft" vorgestellt, das er ebenfalls in München installieren will. Wie der Minister exklusiv im Münchener Merkur verriet, soll es dabei um ein 500-Millionen-Investment gehen, das nach Scheuers Vorstellung gespeist wird aus dem Bundeshaushalt im Rahmen der Klimaprogramme. Dabei sollen am Standort der bayerischen Landeshauptstadt diverse Projekte mit Forschungszentrum, Praxiscampus und Werkstätten zusammengefasst werden.

Digitalisierung und Mobilität zusammenbringen

Im Kern stellt sich der CSU-Politiker ein Team von 200 Experten vor, es solle aber auch eine internationale Fluktuation geben. Es gehe darum, auf Basis neuer technologischer Möglichkeiten, „wie sich Menschen in Zukunft fortbewegen wollen und wie Waren transportiert werden“, heißt es. Man wolle die Digitalisierung und die Mobilität zusammenbringen, formuliert der Minister, der sich derzeit vor allem auch mit der Vergangenheit und Auswirkungen der geplatzten Pkw-Maut in einem Untersuchungsausschuss auseinandersetzen muss. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, wies er die Nachfrage der Zeitung zurück, ob es sich um eine Art "Befreiungsschlag" handle.

Umso mehr will er nach vorne blicken: Nach seiner Vorstellung soll es in der neuen Einrichtung vor allem um die Entwicklungen von alternativen Kraftstoffen gehen, aber auch um die Stadtentwicklung von morgen und um neue Mobilitätskonzepte.

„Also zum Beispiel um die Frage, welche Hauptbahnhöfe ertüchtigt werden müssen, damit auch Drohnen und Flugtaxis landen können. Es geht um die Frage, wie wir Wasserstoffzüge einsetzen können“, visionierte Scheuer gegenüber der Lokalzeitung.

Dieses Zentrum solle "große Strahlkraft haben – auch im Hinblick auf die Klimaziele". Scheuer will "in den nächsten Jahren "einen Leuchtturm" aufbauen, "der über Deutschlands Grenzen hinaus strahlt", so der CSU-Minister wörtlich.

Neben dem Zentrum selbst, das in der "Metropolregion" München entstehen soll, will Scheuer mit bis zu 50 Millionen Euro Cluster zur Kraftstoffforschung in Ottobrunn bei München und Straubing fördern, es soll zudem ein Anwenderzentrum mit Schwerpunkt Wasserstoff geben, außerdem ein "Datencenter" und ein "digitales Testfeld". Man sei mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder im Gespräch über geeignete Grundstücke, wobei der Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) noch nicht informiert sei über die Pläne. Scheuer sieht den Standort München als ideal an, verweist auf die jüngste Vergabe der IAA nach Bayern und zahlreiche High-Tech-Einrichtungen rund um die Mobilität im Umfeld.

Was bedeutet das?

Die Nachfrage ist natürlich völlig berechtigt: Es ist Wahlkampf in Bayern, dem hat eine Partei wie die CSU schon immer alles untergeordnet. Und da kommt natürlich eine schöne Ankündigung zur Zukunft der Mobilität, die in München Hot-spot-mäßig erforscht werden soll, gerade recht. Die Gegenwart der Mobilität in der Landeshauptstadt sieht dagegen eher trist aus - und die CSU ergeht sich in einem Kleinkampf gegen eine vermeintliche "RAD-ikal"-Politik eines an die Wand gemalten künftigen Rot-Grünen-Bündnisses, als hätte sie den Startschuss nicht gehört, der von einem von 160.000 autoverkehrsfrustrierten Münchener Bürgern unterschriebenen Radentscheid ausging. Den viele finden die von 800.000 zugelassenen Autos dominierte Mobilität in München tagtäglich vor allem eines: Zum in die Luft gehen. Das kann man ja dann per Lufttaxi, direkt zum Hauptbahnhof. 

Nein, auch ganz ohne Polemik, kann man die Pläne des Ministers neben dem Ablenkungs- als Wahlkampfmanöver klassifizieren. Was wohl die anderen Bundesländer dazu sagen, wenn Scheuer im großen Stil Gelder in Richtung Süden steuert, wo gerade erst die IAA mit massiver Unterstützung aus der Landespolitik an die Isar vergeben wurde? Zudem ist fraglich, warum Scheuer ausgerechnet auf Wasserstoff setzt, wo VW-Chef Herbert Diess jüngst absolute Priorität für den batterieelektrischen Antrieb als Losung ausgab und H2-Technologie nur noch auf "Grundlevel" betreiben will.

Und mittlerweile sollte sich auch herumgesprochen haben, dass die immer wieder von CSU-Politikern bemühten Lufttaxis allenfalls eine Nischenanwendung für Spezialbereiche, eher im logistischen Bereich sein dürften, als eine Massenanwendung, um schnell zum Bahnhof zu kommen. Ehrlich, Scheuer sollte sich lieber um die nachhaltige und klimafreundliche Neuaufteilung des Verkehrsraums am Boden kümmern und wie sich aus der "autogerechten" wieder eine "menschengerechte" Stadt machen lässt. Gerne mit Hilfe der Digitalisierung, aber auch ganz analog, mit kleineren und leichteren Verkehrsmitteln und Vorfahrt für den Umweltverbund aus ÖPNV, Rad, Fuß und (Boden)Taxis. 

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