Schwerlastverkehr emissionsfrei machen

Freudenberg Sealing Technologies startet die Entwicklung eines speziellen Brennstoffzellensystems für Schwerlastkraftwagen. Dabei kooperiert das Unternehmen mit der Quantron AG, einem Spezialisten auf dem Gebiet der Nutzfahrzeug-Umrüstung.

Noch ist er nicht unterwegs auf der Straße. Freudenberg kooperiert mit dem Nutzfahrzeug-Umrüster Quantron, um einen Brennstoffzellen-Lkw auf den Markt zu bringen. Mitte 2021 soll ein erstes Testfahrzeug mit der neuen Antriebstechnologie auf den Straßen Bayerns unterwegs sein.
Noch ist er nicht unterwegs auf der Straße. Freudenberg kooperiert mit dem Nutzfahrzeug-Umrüster Quantron, um einen Brennstoffzellen-Lkw auf den Markt zu bringen. Mitte 2021 soll ein erstes Testfahrzeug mit der neuen Antriebstechnologie auf den Straßen Bayerns unterwegs sein.
Redaktion (allg.)

Die schweren 40-Tonnen-Lkw sind die Titanen der Autobahnen. Verbrauch und Emissionen sind aber hoch. Dies gilt vor allem innerhalb der EU, wo Lastwagen 25 Prozent der gesamten CO2-Emissionen im Verkehrssektor verursachen. Freudenberg Sealing Technologies hat sich vorgenommen, mit seinen Brennstoffzellen-Aktivitäten nicht nur den Schwerlastverkehr emissionsfrei zu machen, sondern auch wirtschaftlich sinnvolle Antriebslösungen zu schaffen. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen Entwicklungsprojekte für Busse und Kreuzfahrtschiffe mit Partnern wie FlixBus und der Meyer Werft gestartet. Jetzt will Freudenberg zusammen mit dem Nutzfahrzeug-Umrüster Quantron Lkw-Lösungen in der Gewichtsklasse der 40-Tonner entwickeln und produzieren, um eine emissionsarme Alternative zum handelsüblichen Schwerlast-Lkw mit Dieselantrieb zu schaffen.

Alternative zum 40-Tonner mit Dieselantrieb

Das Vorhaben: die Brennstoffzellensysteme in Dauerbetriebstests auf Funktionalität, Alltagstauglichkeit und Systemrobustheit zu überprüfen. Das Projekt wird vom Energieforschungsprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert. Mitte 2021 soll ein erstes Testfahrzeug mit der neuen Antriebstechnologie auf den Straßen Bayerns unterwegs sein. Das Fahrzeug mit dem Namen Energon wurde Anfang August der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auf hohe Lebensdauer getrimmt

Brennstoffzellen für Lkw müssen komplett andere Last- und Betriebsprofile abdecken als die für Pkw: Pkw-Systeme sind nur für 5.000 bis 8.000 Betriebsstunden ausgelegt. Lkw-Systeme hingegen erfordern mindestens eine Lebensdauer von 35.000 Stunden. Denn Nutzfahrzeuge verdienen ihr Geld ausschließlich im verlässlichen Dauerbetrieb. „Ziel ist es, die Brennstoffzelle für eine lange Lebensdauer und reale Schwerlastprofile fit zu machen, den Diesel bei den Total-Cost-Of-Ownership in den Schatten zu stellen und eine nachhaltige, emissionsfreie Alternative im Schwerlastverkehr auf den Markt zu bringen“, fasst Dr. Stefener das Vorhaben zusammen. Wartungs-, Reparatur- und Austauscharbeiten sollten mit minimalem Aufwand durchgeführt werden können. Heute bereits im Markt verfügbare Brennstoffzellensysteme wurden ursprünglich für Pkw entwickelt. Für Heavy-Duty-Anwendungen hingegen müssen alle wesentlichen Designaspekte des Systems auf hohe Lebensdauer getrimmt werden.

Know-how bei der Erforschung alternativer Antriebskonzepte

Freudenberg Sealing Technologies unterstützt schon seit Jahrzehnten die Hersteller von Autos und Nutzfahrzeugen dabei, mit dichtungstechnischen Innovationen Verbrauch und Emissionen von Verbrennungsmotoren zu senken. Mitte der 1990er Jahre ist die Freudenberg-Gruppe bei der Erforschung alternativer Antriebskonzepte in die Entwicklung technisch anspruchsvoller Komponenten für Brennstoffzellen und Batterien eingestiegen. Anfang 2018 hat Freudenberg Sealing Technologies dieses Know-how mit der Akquisition des Brennstoffzellenherstellers Elcore strategisch ergänzt. Kurze Zeit später erwarb das Unternehmen durch seine Beteiligung am US-amerikanischen Batterieherstellers XALT Energy auch in der Batterietechnik wichtige technologische Expertise.

Zukunftstechnologie Brennstoffzelle

Freudenberg Sealing Technologies verfügt sowohl bei Batterien als auch bei Brennstoffzellen über eine besondere Wertschöpfungstiefe: Die Herstellung von Gasdiffusionslagen, permeationsoptimierten Dichtungsmaterialien und Katalysatoren im eigenen Hause bildet die Grundlage für eine vollintegrierte Membrane-Electrode-Assembly (MEA) und den Ausgangspunkt für die Lkw-Brennstoffzelle der Zukunft. „Lediglich zugekaufte Komponenten zusammenzubauen ist keine Lösung für Heavy-Duty-Brennstoffzellen der Zukunft in hohen Stückzahlen“, sagt Claus Möhlenkamp, CEO von Freudenberg Sealing Technologies. Stattdessen befasst sich das Unternehmen mit der Auslegung des Gesamtsystems und der gezielten Weiterentwicklung seiner Material- und Designkompetenzen auf Komponenten-
sowie Systemebene.

„Mit diesem Forschungs- und Entwicklungsprojekt verfolgen wir ganz konsequent unsere Brennstoffzellenstrategie für Heavy-Duty-Anwendungen “, so Möhlenkamp. „Dank der Kooperation mit der Quantron AG können wir die neuesten Forschungsergebnisse der Freudenberg-Gruppe für Lkw-Brennstoffzellen innerhalb kürzester Zeit auf die Straße bringen.“ 


Brennstoffzellen-Lkw sind die einzige wirtschaftliche, emissionsfreie Alternative, die große Zuladungen als auch signifikante Reichweiten und schnelle Tankzyklen zulässt.
Dr. Manfred Stefener, Vice President Fuel Cell Systems, Freudenberg Sealing Technologies

 

Fotos: Freudenberg Sealing Technologies

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