Sommer- oder Ganzjahresreifen?

Das Frühjahr ist die Zeit zum Reifenwechsel. Wenn die Anschaffung einer neuen Bereifung fällig ist, stellt sich die Frage, ob man Sommerreifen wählen sollte oder sich vielleicht für Ganzjahrestypen, die in den vergangenen Jahren deutlich an Performance gewonnen haben, entscheidet. Thomas Salzinger, Reifenexperte von TÜV SÜD, gibt Tipps.

Im Frühjahr heißt es: runter mit den Winterreifen | Foto: Mylene2401 auf Pixabay
Im Frühjahr heißt es: runter mit den Winterreifen | Foto: Mylene2401 auf Pixabay
Torsten Buchholz

Ganzjahresreifen im Trend

Immer mehr Autofahrer entscheiden sich bei Neureifen für Produkte, auf denen beispielsweise eine Bezeichnung wie „All Season“. Der Vorteil: der Verzicht auf den saisonalen Wechsel und die Aufbewahrung des jeweils anderen Satzes. Allerdings sind Ganzjahresreifen nicht für jeden eine Alternative. Der TÜV-SÜD-Experte Thomas Salzinger sagt:

„Vor allem unter extremen saisonalen Bedingungen, wie stark winterlichen Straßenverhältnissen oder an heißen Sommertagen, können sie nur einen Kompromiss darstellen und sind einem reinrassigen Winter- oder Sommerreifen unterlegen.“

Man dürfe allerdings nicht mehr pauschal von „dem“ Ganzjahresreifen sprechen. Manche Fabrikate orientieren sich eher an einem Winterreifen mit guter Schneeperformance, andere mehr am Sommerreifen, der auch bei warmen Temperaturen nur wenig Zugeständnisse fordert. Der Fachhandel kann hier beratend zur Seite stehen.

Laut TÜV SÜD entscheiden sich schon mehr als 15 Prozent der Autobesitzer beim Neukauf für Ganzjahresreifen. Selbst ab Werk sind Autos mit modernen Exemplaren von Premium-Herstellern bestellbar – und das sogar in gehobenen Segmenten. Salzinger:

„Es sind eine Menge Nachteile aus früheren Jahren verschwunden.“

Aktuelle Ganzjahresreifen seien auch für höhere Geschwindigkeiten zugelassen. Bis zu 300 km/h sind in einigen Dimensionen möglich. Damit existieren keine Probleme mehr in Italien, wo mit M&S markierte Reifen im Sommer für die volle Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs ausgelegt sein müssen. Umgekehrt erfüllen diese Pneus die Kriterien für das so genannte Alpin-Symbol mit Schneeflocke, das bei winterlichen Straßenbedingungen unter anderem in Deutschland Pflicht ist.

Winterreifen im Sommer fahren?

Mitunter gibt es die Versuchung, die in Sachen Profiltiefe nicht mehr taufrischen Winterreifen in der wärmeren Jahreszeit aufzubrauchen. Davon rät Salzinger allerdings ab.:

„Die Fahrsicherheit in puncto Bremswege und Kurvenhaftung wird deutlich negativ beeinflusst. Und wer mit Winterreifen nahe der Profilgrenze unterwegs ist, erhöht die Anfälligkeit für Aquaplaning auf nasser Fahrbahn.“

Zudem steigt der Verschleiß stark an. Und sofern ein ganzjährig gefahrener Winterreifen den Sommer hinsichtlich der Profiltiefe überlebte, würde die nicht für das Fahren bei hohen Sommertemperaturen ausgelegte weiche Gummimischung sehr schnell altern, so dass sie für einen weiteren Winter nicht mehr geeignet wäre.

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