Toyota bZ3: Neuer Mittelpunkt im Toyo-Programm - aber nur in China

Toyotas neuer Stromer bZ3 wurde mit BYD und FAW Toyota entwickelt und soll vorerst nur in China angeboten werden.

Der bZ3 zielt exakt auf Teslas Model 3. | Foto: Toyota
Der bZ3 zielt exakt auf Teslas Model 3. | Foto: Toyota
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Toyota zählt zurück: Vom bZ4X zum bZ3 für China: Auch er steht auf der Plattform e-TNGA. Mit 4,73 Meter Länge, 1,84 Meter Breite und 1,48 Meter Höhe samt 2,88 Meter Radstand zielt man klar auf Teslas Model 3. Der bZ3 soll zudem einen sehr guten cW-Wert von 0,218 haben. Zum Elektroantrieb gibt es noch keine detaillierten Infos, man kann aber davon ausgehen, dass hier der bZ4X Pate stehen könnte.

Neu ist die Akkutechnik: Erstmals setzt Toyota auf eine LFP-Batterie – die in dem Fall von BYD geliefert wird. Ob es sich um die Blade-Batterie von BYD oder eine andere LFP-Zelle des Herstellers handelt, gibt Toyota aber nicht an. In der Mitteilung steht etwas kryptisch, das die Batteriestruktur, samt Kühlung, Steuerung und Sicherheitsüberwachungssystemen für dieses Auto neu entwickelt wurden, wodurch das „hochwertige Elektrifizierungssystem effizient, fortschrittlich, sicher und zuverlässig wird.“ Im chinesischen CLTC-Zyklus sollen bis zu 600 Kilometer Reichweite möglich sein, real verbleiben also auf jeden Fall 400 Kilometer plus.

Weitere bZ-Modelle, sehr haltbare Akkus mit langer Lebensdauer

Die robusten LFP-Batterien sollen auch im bZ3 auch für eine lange Akku-Lebensdauer sorgen. Toyota will nach zehn Jahren immer noch eine Kapazität von 90 Prozent des Ursprungswerts schaffen. Ob dieses Ziel auch 1:1 das spätere Garantie-Versprechen für die Batterie wird, ist offen. In einer Fußnote erklärt Toyota, dass die Angabe auf der „simulierten durchschnittlichen Nutzung der Batteriezelle“ basiere und die tatsächlich im Fahrzeug installierte Batteriekapazität „je nach Fahrbedingungen und Betriebsumgebung“ variiere. Entsprechend sei die Erhaltungsrate der Batteriekapazität von 90 % nach zehn Jahren ist „nicht unter allen Bedingungen garantiert“. Wann genau der bZ3 auf den Markt kommen soll und zu welchen Preisen, ist noch nicht bekannt. Auch zum Export äußerte sich Toyota bisher nicht. China ist auch für Toyota ein wichtiger Markt, weshalb man das Angebot an bZ-Modellen bald erweitern wolle. Das gilt auch weltweit: Im Dezember hatte Akio Toyoda insgesamt 15 Konzept-Elektroautos vorgestellt und dabei angekündigt, dass bis 2030 insgesamt 30 BEV-Modelle auf den Markt kommen sollen.

Tesla revolutioniert die Produktion

Interessant ist der Bericht von Reuters, nach dem l Toyota laut Insidern die Produktionskosten senken will, um Tesla und anderen Wettbewerbern besser Paroli bieten zu können. Denn mit dem „Gigacasting“, bei dem Tesla den kompletten Hinterwagen des Model Y aus einem riesigen Stück gießen lässt, sparen die Amerikaner extrem viel Montagezeit. Auch Volvo nutzt diese Technik beim kommenden EX90. Dazu komme laut Reuters, dass Toyota das Tempo des Markthochlaufs von E-Autos zu konservativ eingeschätzt habe und den Durchbruch der Stromer erst in einigen Jahrzehnten erwartete. Bisher planten die Japaner sehr vorsichtig mit nur 3,5 Millionen E-Autos Ende dieses Jahrzehnts – das wäre nur ein Drittel des heutigen Absatzes. Die Autoindustrie geht aber weltweit, davon aus, dass 2030 schon mehr als jedes zweite Auto rein elektrisch verkauft wird, einige Hersteller werden dann gar keine Verbrenner mehr anbieten.

Wegen der (jetzt scheinbar zu aufwändigen) Produktion seien die Arbeiten an einigen der geplanten 30 Elektromodelle bereits gestoppt worden. Das Fatale daran: Alle Modelle stünden auf einem Baukastensystem der „klassischen“ Produktionsmethoden, heißt: Gestoppte Modelle müssten komplett neu konzipiert werden. Für Fans extrem bitter: ausgerechnet der elektrische SUV „Compact Cruiser Crossover“ und die Limousine Crown, die für Mitte des Jahrzehnts geplant waren, sollen auf Eis gelegt worden seien.

Toyota strukturiert also intern plötzlich massiv um, um die Produktionskosten zu denken: Das kann über weitere Kooperationen wie beim bZ3 klappen aber auch mit einer kompletten Umstrukturierung: Deshalb wurde laut dem Insider eine Arbeitsgruppe namens „Business Revolution“ gegründet: Sie soll bis Anfang 2023 Pläne für Verbesserungen der bestehenden BEV-Plattform entwerfen - oder gar eine ganz oder für eine neue Architektur. Damit könnte die erst 2019 vorgestellte e-TNGA schon wieder am Ende sein.

Was bedeutet das?

Elon Musk hat sich schon einmal beleidigt geäußert, dass man Tesla immer nur wegen einer Autos und nicht wegen der teils wirklich revolutionären Fertigung wahrnimmt – letztes Stichwort: „Gigacasting“. Die Methoden machen Schule und bringen jetzt anscheinend sogar Toyota unter Druck, Elektromodelle einfacher und effizienter zu produzieren. In Europa sicher auch willkommen wäre der bZ3.

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