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TÜV-Report 2020: Gut jedes fünfte Auto fällt durch

Der TÜV-Verband hat seinen aktuellen Report vorgestellt - Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Durchfallquote bei der Hauptuntersuchung immerhin nur gering. Auch wurde erstmals die Kategorie des "gefährlichen Mangels" aufgeführt. TÜV Sieger ist der Stadt-SUV Mercedes GLC, kurz vor Roadster Mercedes SLK und Porsche 911.

Foto: pixabay
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Julian Kral

In Deutschland ist gut jedes fünfte Auto (21,5 Prozent) bei den TÜV-Prüfstellen mit "erheblichen Mängeln" durch die Hauptuntersuchung (HU) gefallen. Das ist das Ergebnis des aktuellen "TÜV-Reports 2020", für den rund 9 Millionen Pkw-Hauptuntersuchungen ausgewertet wurden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Durchfallquote geringfügig um 0,3 Prozentpunkte gestiegen.

Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln müssen von den Besitzern repariert und erneut vorgeführt werden, bevor sie eine neue Prüfplakette bekommen. Weitere 9,7 Prozent der Fahrzeuge waren mit "geringen Mängeln" unterwegs (minus 2,3 Punkte). Der Anteil der mängelfreien Fahrzeuge ist um 1,1 Punkte auf 68,8 Prozent gestiegen.

"Ein großer Teil der Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen ist mit erheblichen Sicherheitsmängeln unterwegs. Insbesondere die Besitzer älterer Autos sollten ihre Fahrzeuge regelmäßig warten lassen, um sich und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden", sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands (VdTÜV)

Laut TÜV-Report 2020 wurden von den Prüfern 0,1 Prozent der Fahrzeuge als "verkehrsunsicher" eingestuft und mussten sofort stillgelegt werden. Betrachtet man alle durchgeführten Hauptuntersuchungen in Deutschland, entspricht das rund 15.000 Fahrzeugen innerhalb eines Jahres. Aus Sicht des TÜV-Verbands ist es notwendig, die HU sowohl an die rasante digitale Entwicklung als auch an die steigenden Anforderungen an die Umweltverträglichkeit der Fahrzeuge anzupassen.

"Die Hauptuntersuchung muss mit neuen Prüfkriterien für digital gesteuerte Assistenzsysteme und neuen Messungen für die Abgasuntersuchung fit für die Zukunft gemacht werden. Dafür müssten jetzt die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden", betont Bühler.

Häufig Mängel bei der Beleuchtung

Zu den häufigsten Auffälligkeiten bei der HU gehören Beleuchtungsmängel. Auf den TÜV-Prüfständen fallen insbesondere ältere Fahrzeuge mit defektem Abblendlicht oder kaputten Bremsleuchten auf. Fahrzeughalter sollten die Beleuchtung darum regelmäßig selbst überprüfen, so die Empfehlung. Funktionstüchtige Leuchten erhöhen außerdem gerade in der dunklen Jahreszeit die Verkehrssicherheit und ersparen den Fahrzeugbesitzern eine zusätzliche Fahrt zur Prüfstelle.

Eine weitere Schwachstelle ist laut TÜV bei vielen Modellen austretendes Öl an Motor oder Getriebe. Ölverluste wirken bei Unfällen brandbeschleunigend und belasten die Umwelt und auch abgefahrene Bremsscheiben oder Defekte an den Bremsleitungen sind häufig der Grund dafür, dass Fahrzeuge bei der HU durchfallen. Ein ernstes Sicherheitsrisiko seien zudem Defekte an Achsfedern und Stoßdämpfern, weil die Fahrzeuge nicht mehr stabil auf der Straße liegen. Das ist vor allem in engen Kurven oder bei Ausweichmanövern gefährlich, erklären die Sicherheitsexperten.

Neue Kategorie: "Gefährlicher Mangel"

Bereits in der aktuellen Prüfperiode sind verschiedene Änderungen bei der HU wirksam geworden. Auf Grundlage einer EU-Richtlinie zur Harmonisierung der Pkw-Prüfungen in Europa ist erstmals die neue Kategorie des "gefährlichen Mangels" in die Statistik eingeflossen. Sie beschreibt Defekte, die gefährlicher als ein "erheblicher Mangel" sind, aber nicht zur Stilllegung des Fahrzeugs führen (Kategorie "verkehrsunsicher"). Fahrzeughalter müssen gefährliche Mängel wie undichte Bremsschläuche, defekte Leuchten oder ein nicht funktionierendes Reifendruckkontrollsystem "unverzüglich" in einer Werkstatt beheben lassen.

"Für die Fahrzeughalter ändert sich ein entscheidendes Detail: Fällt ihr Auto mit gefährlichen Mängeln durch den TÜV, müssen sie umgehend in die Werkstatt", so Bühler.

Im aktuellen TÜV-Report lag der Anteil der Fahrzeuge mit "gefährlichen Mängeln" allerdings nur bei 0,4 Prozent. Das entspricht über sämtliche Hauptuntersuchungen hinweg in Deutschland rund 80.000 Fahrzeugen. Aufgrund der geringen Quote wird der Wert im TÜV-Report den erheblichen Mängeln zugeordnet. Weitere Neuerungen sind die Wiedereinführung der Endrohrmessung bei der Abgasuntersuchung sowie Prüfungen von Software-Updates und des Notrufsystems eCall.

TÜV-Sieger ist der Mercedes GLC

Sieger des aktuellen TÜV-Reports 2020 ist der Stadt-SUV Mercedes GLC, der mit nur 2,17 Prozent die geringste Quote erheblicher Mängel unter den 2 bis 3 Jahre alten Fahrzeugen. Auf Platz 2 liegen gleichauf mit einer EM-Quote von jeweils 2,20 Prozent der Roadster Mercedes SLK und der Porsche 911. Da der Mercedes GLC bei einer marginal geringeren Durchfallquote mit durchschnittlich 56.000 Kilometern eine deutlich höhere Laufleistung als der SLK (30.000 Km) und der 911er (25.000) hat, geht er als verdienter Sieger aus dem Vergleich hervor.

Alle anderen Altersklassen gewinnt der Porsche 911: bei den 4-5 Jährigen der Typ 991 und bei den 6-7 Jährigen, 8-9 Jährigen und 10-11 Jährigen der Typ 997. Auffällig ist, dass unter den Top 10 des TÜV-Reports bei den 2-3 Jährigen fast ausschließlich deutsche Hersteller vertreten sind: sechs Mercedes-Modelle, zwei Audis und ein Porsche. Einzige Ausnahme ist der Mazda CX-3 auf Platz 6.

Hauptuntersuchung soll modernisiert werden

In den vergangenen Jahren sind mehrere Neuerungen bei der Hauptuntersuchung in Kraft getreten. Seit dem Jahr 2018 ist bei der Abgasuntersuchung (AU) wieder eine Endrohrmessung Pflicht und seit 2019 gelten strengere Grenzwerte bei der AU. Ab dem Jahr 2021 soll bei Diesel-Fahrzeugen auch die Partikelanzahl gemessen werden. Das reicht aus Sicht des TÜV-Verbands aber nicht aus.

"Bei Dieseln sollte bei der Abgasuntersuchung in Zukunft auch der Ausstoß von Stickoxiden und bei Benzinern die Partikelanzahl ermittelt werden", erklärt Bühler.

Zudem müssten Prüforganisationen Zugang zur Abgassoftware und den im Fahrzeug erhobenen Daten bekommen, um das Abgasverhalten digital prüfen und Manipulationen durch Hersteller oder Fahrzeughalter verhindern zu können.

Auch der Einstieg in die digitale Hauptuntersuchung ist erfolgt. So wird zwar geprüft, ob digitale Komponenten wie das Notrufsystem eCall vorhanden oder bestimmte Software-Updates für die Abgasreinigung implementiert worden sind. Eine Funktionsprüfung digital gesteuerter Assistenzsysteme und der dafür notwendigen Software fänden bei der HU nicht statt, so die Kritik. Zudem fehle den Prüfern der Zugang zu sicherheits- und umweltrelevanten Daten in den Fahrzeugen.

Für einen diskriminierungsfreien Zugang zu HU-relevanten Fahrzeugdaten hat der TÜV-Verband eine Trustcenter-Lösung vorgeschlagen, bei der Informationen in verschlüsselter Form auf den Servern einer neutralen Institution gespeichert werden. Darüber hinaus sollten zusätzliche Prüfvorschriften für IT-Sicherheit und Datenschutz eingeführt werden. Nicht zuletzt müsse laut TÜV in Zukunft auch die technische Infrastruktur für vernetzte Fahrzeuge in die Verkehrssicherheitskonzepte einbezogen werden.

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