UScale: Wo es beim Laden hakt

UScale hat zwischen Mai und Juli 2023 insgesamt 3.075 Probanden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz online nach ihren Nutzungsgewohnheiten beim Laden ihrer E-Fahrzeuge befragt und dabei einige "wunde Punkte" ausgemacht, die dem großen Durchbruch der E-Mobilität entgegenstehen.

Vor allem im öffentlichen Raum häuften sich bei der letzten UScale-Umfrage die Probleme. | Foto: G. Soller
Vor allem im öffentlichen Raum häuften sich bei der letzten UScale-Umfrage die Probleme. | Foto: G. Soller
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Zum vierten Mal in Folge erhob das Marktforschungsunternehmen UScale in seiner Public Charging Studie 2023, wo Nutzerinnen und Nutzer ihr Elektroauto laden und welche Relevanz die verschiedenen Ladeorte haben.

Wenig überraschend haben das Laden zuhause und am Arbeitsplatz eine hohe Bedeutung: 79% laden zuhause, 33% beim Arbeitgeber (Folie 3 des Presse-Handouts anbei). Dazu kommen verschiedene (halb-)öffentliche Ladeorte mit gleichermaßen hoher Bedeutung. So laden 33% im Einzelhandel; 38% nutzen öffentliche Ladepunkte am Straßenrand.

Arbeitgeberladen ja, beim Arbeitgeber laden – eher nein

Arbeitgeberladen als häufig kolportiert zweitwichtigste Säule im deutschen Lademix hat sich bisher also nicht realisiert. Dabei ist die Relevanz des Arbeitgeberladens hoch: 79% nutzen ihr Elektroauto zumindest gelegentlich zum Pendeln an den Arbeitsort (Folie 4). Arbeitgeber haben mit ihren Ladeangeboten also großen Einfluss auf das Ladeverhalten und damit die Akzeptanz der Elektromobilität insgesamt. Zusätzlich können Unternehmen durch den Strompreis und steuerliche Maßnahmen die Mitarbeiterbindung stärken und gleichzeitig ihre Umweltziele absichern.

Für viele Arbeitgeber kann der Ladestrom eine zusätzliche Einnahmequelle sein

Die Gründe für die noch verhaltene Nutzung zeigen sich beim genaueren Hinsehen: Arbeitgeber konzentrieren sich beim Ausbau ihres Ladeangebots hauptsächlich auf Dienstwagenfahrende, die bislang 13% der eAuto-Fahrenden stellen (Folie 5). Während 55% der Dienstwagenfahrenden am Arbeitsort laden können, sind es unter den Privatfahrzeugnutzenden nur 29%. Arbeitgeber übernehmen bei 82% der Dienstwagenfahrenden die Kosten für den Ladestrom, bei Mitarbeitenden mit Privatwagen sind es nur 48% (Folie 6). Alle übrigen zahlen für den Ladestrom. 36% erhalten dabei Konditionen, die besser sind als die Tarife zuhause, 33% zahlen gleich viel wie zuhause, 21% sogar mehr als zuhause (Folie 7). Berücksichtigt man die für die Amortisation wichtige hohe Auslastung der Ladeinfrastruktur vor Ort und die bei großen Unternehmen günstigen Einkaufsbedingungen, darf angenommen werden, dass Arbeitgeber am Verkauf von Ladestrom verdienen.

Gern mehr Ladepunkte und fest angeschlagene Kabel

Der Attraktivität des Ladens beim Arbeitgeber tut das keinen Abbruch: 98% finden Laden am Arbeitsort (sehr) attraktiv (Folie 8). Gleichzeitig ist die Liste möglicher Verbesserungen lang: Fragt man nach Potenzialen zur Verbesserung, steht der Wunsch nach mehr Ladepunkten für 52% ganz oben, gefolgt vom Wunsch nach fest angeschlagenen Kabeln (28%) (Folie 9).

Den hohen Handlungsbedarf teilen sich die Arbeitgeber mit den Betreibern aller anderen (halb-)öffentlichen Ladeorte. Der Grund ist einfach: Viele Ladeorte sind in der Wahrnehmung der Nutzenden häufiger belegt als verfügbar (Folie 10), was für die Wahrnehmung zuverlässig verfügbarer Ladesäulen nicht hilfreich ist.

 

Beim öffentlichen Laden: Ladeabbrüche und Entriegelungsprobleme häufen sich

Gefühlt nehmen aber auch die Probleme beim öffentlichen Laden insgesamt zu (Folie 11). Die Verantwortlichen der Studie vermuten, dass dies vor allem auf die steigende Erwartungshaltung der Umsteiger zurückzuführen ist. Noch immer treten die meisten Probleme beim Starten des Ladevorgangs auf. Aber auch andere Ladeprobleme wie unerwartete Ladeabbrüche oder Entriegelungsprobleme werden häufiger genannt als noch vor einem Jahr. Nur rund jeder Achte gibt an, noch nie ein Problem beim öffentlichen Laden gehabt zu haben. Neben dem Wunsch nach mehr Ladesäulen gibt es bei eAuto-Fahrenden also den Wunsch nach höherer Zuverlässigkeit.

Die komplette Studie ist zu finden unter:

https://uscale.digital/wp-content/uploads/2023/11/Pressehandout-Public-Charging-Studie-2023.pdf

Was bedeutet das?

Dr. Axel Sprenger, Gründer und Geschäftsführer UScale GmbH, gibt die Antwort darauf selbst:

„Wenn ich nicht darauf vertrauen kann, bei Bedarf eine verfügbare Ladesäule zu finden, dann spielt es keine Rolle, ob das nach einer Fahrstrecke von 300 oder 400km geschieht. Die Reichweiten sind also immer weniger das Problem. Wir brauchen den forcierten Ausbau aller Ladeorte: Normallader und Schnelllader, beim Arbeitgeber, im Retail, an städtischen Knotenpunkten, auf Parkplätzen, in Wohngebieten. Erst wenn sich für Verbrennerfahrer gefühlt eine deutliche Verbesserung zeigt, überwinden wir die gegenwärtige Absatzdelle und der Massenmarkt springt an.“
 

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