Vision statt Resignation – Kellers Aussichten gehen durch die Decke

Er lacht viel. Und wenn er spricht, merkt man, dass er wirklich daran glaubt, was er sagt. Besonders dann, wenn Alexander Hewel nach seinen unternehmerischen Visionen gefragt wird.

Stramm wie der Krieger seinen Herausforderungen begegnen. (Foto: Keller Group)
Stramm wie der Krieger seinen Herausforderungen begegnen. (Foto: Keller Group)
Radosveta Angelova

Da glänzen die ruhigen braunen Augen des Geschäftsführers plötzlich ganz abenteuerlich, während er von Logistiklösungen für deutsche Youtuber mit millionenfacher Reichweite und sozialem Engagement in guter alter Unternehmer-Stammtisch-Manier erzählt. Gemeinsam mit der ganzen Familie zieht er an einem Strang, um das Familienunternehmen zukunftssicher zu machen. Und mit Flexibilität und Kreativität nicht nur der Pandemie zu trotzen, sondern auch der Konkurrenz zu zeigen: Wer jetzt nicht umdenkt und umstellt, der wird auf Dauer nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Die Keller GmbH Spedition + Logistik bei Ditzingen zeigt, dass Transportbranche auch ganz anders kann.

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Einmal durch die Linse gelugt und in die Welt von Transport und Logistik eingetaucht. Corona-bedingt wahren wir unsere Distanz in einem Online-Meeting, obwohl wir doch viel lieber in der hölzernen Grillkota im Innenhof gemütlich ein kühles Bierchen trinken würden. Vor mir sitzt Alexander Hewel und er hat eine Mission. Passend dazu steht ein Krieger kampfbereit in der Einfahrt und bewacht dort die parkenden Lkw. Eine Statue aus Stahl, das metallische Kleid des Kriegers und die aufragende Lanze lassen an die Zeiten von Galileo Galilei zurückdenken – konfliktreich, kriegerisch, bahnbrechend. Passt doch gut, zu Zeiten einer globalen Pandemie.

In den 30er Jahren war das Unternehmen ursprünglich als Bahnamtliches Rollfuhrunternehmen gegründet worden. Da gab es noch die Reichsbahn, die den Transport von Waren und Gütern in bestimmten Gebieten sicherstellte. Erste große Veränderungen leitete Vater Stephan Hewel ein, der Ende der 80er Jahre in das Unternehmen einstieg und eine weitere, wichtige Unternehmenssäule einführte: die Logistik, für die heute der Bruder verantwortlich ist. Der Geist der Veränderung scheint den Hewel-Männern in die Wiege gelegt.

„Wenn man so in die 80er Jahre zurückblickt, stand Logistik noch nirgendwo im Duden drin“, kommentiert Alexander dazu.

Und auch die Frauen der Familie wirken mit: Die Tante ist Prokuristin und im Bereich Finanzen im Unternehmen tätig, Ehefrau Kora sei seit einem Jahrzehnt für Buchhaltung und Finanzen zuständig.

„Entscheidung ist eine Gemeinschaftssache“, betont Alexander. „Jetzt habe ich ja selber zwei Töchter. Die sind zehn und zwölf. Und wenn ich so dran denke, dass ich die beiden auch irgendwann mal hier hab, dann habe ich etwas richtiggemacht.“

Für alle Akteure der Transport- und Logistikbranche treten nun große Veränderungen ein. Die Branche hat in Zeiten der weltweiten Corona-Pandemie ihren Schleier der Unsichtbarkeit abgelegt. Zwischenzeitlich hat sich die deutsche Politik fast zeitgleich, unter anderem durch das Pariser Abkommen, milliardenschwer der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes gewidmet und verpflichtet. Diese Werte vertritt auch Alexander Hewel und sagt, er habe sie durch seinen Vater Stephan Hewel erlernt. Vor einem Jahr entschied Alexander, in das Familienunternehmen zurückzukehren. Mensch, sagt er, das sei ein guter Zeitpunkt, um diesen Wandel – wenn möglich – gemeinsam mit der ganzen Familie gestalten zu können.

Familie ist nämlich dann stark, wenn sie zusammenhält und sich allen Herausforderungen auch kreativ und flexibel stellt. Passend zum Zeitgeist ist auch das Projektportfolio des Unternehmens, denn die Keller GmbH hat sich mit einem deutschen Superstar, Stuttgarter Youtuber „Inscope 21“ und seinen über zwei Millionen Followern, eine alternative Themensparte aufgebaut.

„`Inscope 21´ ist mit zwei Millionen Abonnenten auf Youtube ein Megastar. Er macht vier-, fünfmal im Jahr einen Fashion Drop, in dem er eine eigene Kollektion annonciert und diese dann online vertreibt. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden ist das gesamte Kurz-Sortiment mit knapp 60.000 Teilen ausverkauft.“

Sobald der nächste Fashion Drop geplant sei, kriege die Firma das gesamte Auftragsmanagement übermittelt und kümmere sich dann um den Versand.

„Das macht uns aus, das macht uns besonders und das ist am Markt auch gefragt“, erklärt der Geschäftsführer.

So besonders wie die Kundschaft ist auch das soziale Engagement des Unternehmens. Vor etwa zehn Jahren rief Firmenvater Stephan Hewel die Babbelrunde Stuttgart ins Leben – ein Unternehmer- und Netzwerk-Treffen, das einmal im Monat stattfindet. Bei jedem Treffen werde aufs Neue entschieden, für welchen sozialen Zweck das nächste Mal Geld gespendet würde. Soziales Engagement sei ein wichtiger und persönlicher Bestandteil der Firmenkultur, beteuert Alexander. 2013 habe er selbst eines der Großprojekte betreut, und im Zuge dessen das Trottmagazin Stuttgart unterstützt. Das Projekt habe das Ziel verfolgt, obdachlose Menschen in Stuttgart so weit zu unterstützen, dass sie lebensfähig sind. Stolz erzählt er von den zugrundeliegenden Familienwerten:

„Mein Vater hat natürlich gesagt: `Ich kann Menschen kein Geld schenken, denn dann verliert es an Wert. Aber wenn sie dafür arbeiten, unterstütze ich sie.´“

Das Projekt habe sogar den Gregor Calendar Award erhalten. Zwar liegen die monatlichen Treffen der Babbelrunde momentan flach, der ambitionierte Geschäftsführer freut sich jedoch auf neue Projekte und den Kontakt in Person:

„Ich sag´s dir ganz ehrlich: Ja, man kann das digital machen. Ist aber einfach nicht dasselbe.“

Apropos Digitalisierung: Wo muss denn nun der Puls am Rad künftig liegen? Alexander glaubt nicht, dass alles digitalisiert werden muss:

„Wir müssen flexibel sein, keine Frage. Aber die Digitalisierung muss uns unterstützen, sie darf uns nicht den sozialen Kontakt töten.“ Es sei sinnvoll, digitale Werkzeuge zur Unterstützung manueller Prozesse zu nutzen, oder eben auch zur Kommunikation zwischen mehreren Parteien an unterschiedlichen Standorten. Doch vieles soll auch analog bleiben: „Ich glaube, es gibt nicht den einen Golden Nugget, wo ich sag´: Ich habe diese Technik oder Plattform im Einsatz und das macht mir einen Wettbewerbsvorteil. Ich glaube, es ist die Symbiose aus vielen Dingen.“ Die gleiche Logik bezieht er auf das gesamte Unternehmen – und ist erfolgreich damit. „Wir werden das Corona-Jahr positiv abschließen. Was mich tatsächlich freudig stimmt, denn das war nicht zu erwarten.“

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Die Branche kann nicht voraussehen, was ihr geschieht. Ihre Akteure können jedoch entscheiden, wie sie damit umgehen. Und Alexander Hewel überzeugt: Seine Visionen sind einzigartig. Die Krise hat alle für einen Moment außer Puste gebracht; doch dann gibt es Unternehmen, die ganz klar sagen: Wir nehmen den Schwung mit auf und werden flügge. Wir denken um und finden Kunden aus ungewöhnlichen Branchen, unterstützen mit sozialem Engagement Menschen mit benachteiligten Lebensbedingungen und schaffen trotzdem die positive Bilanz – weil Mensch Sein wichtig ist. Und weil diese Werte durchaus profitabel sein können. So müssen Unternehmer in Krisenzeiten nicht in eine Schutzstellung gehen, sondern können künftig stramm wie der Krieger in der Einfahrt ihren Herausforderungen begegnen – oder eben entspannt mit dem Bier in der Hand am Lagerfeuer in der Grillkota.

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