Weltenwandler - Tour Check Porsche Taycan

Porsche lud zum Tour Check der besonderen Art ein: Start und Ziel waren der Geburtsort des Taycan, das Porsche Museum, gegenüber der Taycan-Fertigung in Stuttgart-Zuffenhausen.

Als Basisversion wandelt der Taycan zwischen den Welten: Zwischen Dienst- und Traumwagen, zwischen Baden und Württemberg, zwischen Winter und Frühling. | Bild: Porsche
Als Basisversion wandelt der Taycan zwischen den Welten: Zwischen Dienst- und Traumwagen, zwischen Baden und Württemberg, zwischen Winter und Frühling. | Bild: Porsche
Redaktion (allg.)

Von dort aus ging es über zahlreiche Serpentinen in den nördlichen Schwarzwald bis fast nach Baden-Baden. Womit wir immer an der Grenze zwischen Baden und Württemberg unterwegs waren, was auch fürs Wetter galt. Von milden, trockenen 13 Grad Celsius im Tal bis zu nasskalten 3 Grad Celsius in den schneebedeckten Höhen war alles dabei. Also einsteigen, Start-Button drücken und etwas enttäuscht sein: Nur 318 Kilometer Reichweite meldet der Taycan in der Präsentationsfarbe „Frozen Berry“, samt farblich passender Innenausstattung in „Brombeer-Schiefergrau“, mit der großen Performance-Batterie Plus, für die Porsche 407 bis 484 Kilometer Reichweite bei Verbräuchen zwischen 21,5 bis 25,4 kWh verspricht. Der große Akku kostet übrigens 5.327 Euro brutto, das sind 4.476 Euro netto. Womit wir vor dem Abfahren noch kurz im Konfigurator umherscrollen, was man tunlichst vermeiden sollte, wenn am Ende noch eine dreistellige Brutto-Leasingrate oder ein Preis unter 100.000 Euro stehen soll.

Jetzt aber endlich gestartet und ab Richtung Schwarzwald, eine Route, die gleich mit einer langen Geschwindigkeitsbegrenzung vor dem Engelbergtunnel beginnt. Der Taycan bleibt bei seinen dezenten 318 Kilometer Reichweite, aber das sollte für die exakt 177 Kilometer lange Tour locker ausreichen – oder? Der Stromkonsum fällt anfangs nämlich nur in Zeitlupe von 60,3 kWh/100 km direkt nach dem Start auf 45,2 kWh/100 km bei der Autobahnauffahrt. Am Engelbergtunnel meldet er dann 38,5 kWh/100 km. Trotz Trödelei liegen bei der Abfahrt auf die B 295 nach Renningen immer noch 33,7 kWh/100 km an. Für den Aufstieg in den Schwarzwald befürchten wir Schlimmes, doch der Taycan kommt uns weiter entgegen: Akku und E-Maschine sind jetzt auf Betriebstemperatur und jede Ortsdurchfahrt und jedes Fahrpedallupfen lässt den Stromdurst weiter abbröckeln, bis wir uns bei Werten zwischen 26 und 28 kWh/100 km eingrooven. Das geht für einen im Boost bis zu 476 PS starken viertürigen Sportwagen in Ordnung, aber bisher fahren wir ja vorsichtig. Vor Neuhengstett verlassen wir die B 295 und zuckeln über eine Nebenstraße auf die B 296, die uns nach Calmbach führt, wo wir nach Bad Wildbad abbiegen. Immer begleitet von Tempolimits, Starenkästen und schwarzwäldlerischer „Bäderherrlichkeit“ wie im Heimatfilm.

Vor allem in schnellen Kurven spürt man die fehlenden Pfunde. | Bild: Porsche
Vor allem in schnellen Kurven spürt man die fehlenden Pfunde. | Bild: Porsche

Der Pass macht auch in der Basis Spaß

Wir trödeln Richtung Erzklösterle, dürfen aber dann rechts hinaus nach Weisenbronn abbiegen und - sind endlich allein! Denn ein Porsche soll ja auch Spaß machen, weshalb wir jetzt immer wieder mal am „Dampfrad“ drehen. Im schärfsten Modus „Sport+“ schaltet sich der Raumschiffsound zu und man kann sich auch in der Basisversion wunderbar durch die Serpentinen des Schwarzwaldes zoomen. Und weil wir jetzt mehr mit Anbremspunkten beschäftigt sind und dem idealen Zeitpunkt, wieder voll auf den Pinsel zu treten, um freudig aus Kurven herauszuschwanzeln, beachten wir den Verbrauch erstmal nicht mehr. Nach den Skiliften in Kaltenbronn stürzen wir uns wieder ins Tal und sehen dort bei der Ortseinfahrt nach Hilpertsau wieder auf den Verbrauch: 26,7 kWh/100 km – hier spürt man, wie gut der Taycan bergab rekuperiert. Wir strömen brav neben der Murg entlang, die das gleichnamige Tal mit seinen Papier- und Kartonfabriken durchfließt, bevor wir dann scharf rechts abbiegen, um gen ­Loffenau hinaufzubeschleunigen.
Schaltet man das ESP nicht ganz weg, lässt der Taycan in engen Kurven dezent und wohl dosiert das Heck heraushängen, bevor die Fahrassistenten es gekonnt einfangen und sich das ganze Auto wieder effizientem Vorwärtsdrang widmet – hier in reiner Porsche-Lehre nur über die Hinterhufe. Es fehlt dem Basismodell zu seinen allradgetriebenen Geschwistern das letzte Quäntchen Biss, mit dem er aus den Biegungen schnellt. Auch die katapultartige Beschleunigung der Turbos ist ihm fremd: Bei Bedarf sprintet er in 5,4 Sekunden auf 100 km/h, wo dem Turbo S 2,8 genügen und in der Launch Control muss er sich mit 345 respektive 357 Nm Drehmoment bescheiden, wo beim Turbo S 1.050 Nm anliegen – im direkten Vergleich merkt man das. In der Praxis sind die Schwarzwaldserpentinen bereits für unser Basismodell meist zu eng und unübersichtlich. Auch die 70.000 respektive 103.000 Euro extra für Turbo respektive Turbo S sind unserer Meinung nach zu viel für den Alltag, wo man noch seltener so mit sich und dem Taycan allein ist, um das wahre Potenzial überhaupt auskosten zu können.

Spürbare Vorteile beim Gewicht

Dass der Basis-Taycan dank fehlender E-Maschine vorn deutlich weniger wiegt als die Allrad-Brüder, spüren wir immer wieder, jetzt im Anflug auf Loffenau: Die Performance-Batterie Plus hebt das Gewicht auf 2.130 Kilogramm, womit der Basis-Taycan gut 165 Kilogramm unter Turbo und Turbo S liegt, die beide um die 2,3 Tonnen pendeln – ein fühlbarer Unterschied zugunsten der Basis. Denn trotz aller Power: Vor allem in engem Geläuf will mit 2,3 Tonnen anders gerungen werden als mit 2,1, da schlägt die Physik in jeder Kurve und bei jeder Bremsung zu. Die Basisausstattung mit kleinem Akku startet laut Porsche sogar bei 2.050 Kilogramm. Wer mit 300 Kilometer Reichweite leben kann, sollte darüber nachdenken. Ein Blick auf den Verbrauch: Bergauf liegen wir wieder bei 28,5 kWh/100 km – schade. Kurzer Fotostopp in Loffenau, bevor wir uns nach Bad Herrenalb stürzen.

So carven wir über Unterreichenbach und Tiefenbronn hinunter, wo sich die Route Richtung Württem­berg und A8 wieder begradigt und verflacht. Gleiches gilt für den Verbrauch, der bei der Autobahnauffahrt bei 26,2 kWh/100 km angekommen ist und wie die Topographie beständig weiter nach unten wandert. Auch dank dem Getrödel durch den Engelbergtunnel, den wir jetzt bergab durchrollen, landen wir am Ende auf dem Porscheplatz 1 in Zuffenhausen, bei 24,5 kWh/100 km – wofür wir verdammt viel Spaß hatten! Und die obere Normverbrauchsangabe von Porsche mit 25,4 kWh/100 km gut unterschritten. Am Ende wären wir mit unserem fahrerischen Wandeln zwischen den Welten gut 350 Kilometer weit gekommen, was zwei Fragen aufwirft. Wie viel Spaß muss der Fahrer vor uns erst gehabt haben – oder wie weit käme man, wenn man brav auf einer Autobahn zum nächsten Termin surft? Womit wir noch eine Schlussbemerkung zur Effizienz machen wollen: Ein Panamera hätte auf der Strecke nach dem deutschen Strommix (den wir mit 0,527 kg pro kWh ansetzen) 5,5 Liter Super für 100 Kilometer verbrauchen dürfen. Vergleicht man nur die reinen Energiewerte, nach denen Super 8,5 kWh pro Liter bietet, wären es gar nur 2,88 l/100 km gewesen. Und nachdem sich der Taycan am 270 kW-Schnelllader bei Bedarf in knapp 25 Minuten von fünf auf 80 Prozent laden lässt, fällt auch die Tankpause kaum länger aus.
Wir erreichen Zuffenhausen just zum Schichtwechsel: Und danken vom Fahrer­sitz aus den vielen Mitarbeitenden, die an der Entstehung und Produktion unseres Weltenwandlers mitgewirkt haben. Ihr habt echt einen guten Job gemacht!

Wichtige Daten

Antrieb Permanenterregte Synchronmaschine an der Hinterachse, Zweigang-Getriebe Performance-Batterie Plus 280 kW (380 kW), bei Launch Control: 350 W (476 PS), 357 Nm/0/min., Verbrauch: 20,4-24,8 kWh/100 km, CO2: 0 g Performance-Batterie 240 kW (326 PS), bei Launch Control: 300 kW (408 PS), 345 Nm/0/min., Verbrauch: 21,5-25,4 kWh/100 km, CO2: 0 g HK/TK/VK 20/30/28 Preis ab 70.185 Euro netto Maße/Kofferraum/Gewichte LxBxH: 4.963 x 1.966 (2.144 m. Spiegel) x 1.395 mm, Radstand: 2.900 mm, 407 l + 84 l Frunk, ab 2.050 kg (Perf. Batt.) Akku Lithium-Ionen, 83,7 kWh netto (Perf. Batt. Plus), 71,0 kWh netto (Perf. Batt.) Ladezeiten 100 % 2,3 kW AC: 55 h, 11 kW AC: ca. 9 h, 270 kW, DC: 22,5 min. (5-80%)

Gesamtverbrauch auf 177,0 km
43,37 kWh = 24,5 kWh/100 km
Benzinäquivalent zu Strom pro 100 km
(energetisch): 2,88 l Super
Benzinäquivalent zu Strom pro 100 km
nach deutschem Energiemix: 5,5 l Super

Printer Friendly, PDF & Email