Zielgenaue Kontrollen mit dem digitalen Tachographen

Seit Mitte Juni 2019 schreibt die EU für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen den Einsatz digitaler Tachographen sowie auch neuer Kontrollgeräte-Karten vor. Maik Brunner, Entwicklungschef des Telematikspezialisten Zauner beantwortet wichtige Fragen zum neuen digitalen Tachographen.

Die für die Archivierung der Tachographendaten genutzte Software muss auf den neusten Stand gebracht werden. Die Softwarebüro Zauner GmbH & Co. KG bietet den Anwendern ihres Archivierungssystems ZA-ARC hierzu eine elegante Update-Lösung. | Bild: Zauner
Die für die Archivierung der Tachographendaten genutzte Software muss auf den neusten Stand gebracht werden. Die Softwarebüro Zauner GmbH & Co. KG bietet den Anwendern ihres Archivierungssystems ZA-ARC hierzu eine elegante Update-Lösung. | Bild: Zauner
Julian Kral
(erschienen bei LOGISTRA von Tobias Schweikl)

Seit Mitte Juni 2019 schreibt die EU für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen den Einsatz digitaler Tachographen der Typen „DTCO 4.0“ und „SE5000 Connekt“ sowie auch neuer Kontrollgeräte-Karten vor. Sowohl auf Seiten der Fahrer als auch der Fuhrpark-Betreiber gibt es hierzu aber immer noch eine Reihe offener Fragen. Im Interview beleuchtet Maik Brunner, Entwicklungsleiter der Zauner GmbH & Co KG, die zentralen Aspekte der neuen Materie.

Herr Brunner, weshalb sah sich die EU eigentlich veranlasst, den Spediteuren und Transporteuren den Einsatz einer neuen Generation von Fahrtenschreibern vorzuschreiben?

Nun, den Ausgangspunkt dafür bildet ja die EU-Verordnung 165/2014 über den Einsatz von Fahrtenschreibern im Straßenverkehr, die am 15. Juni dieses Jahres in Kraft trat. Deren Zielsetzung ist die europaweit einheitliche Verwendung sogenannter „intelligenter“, also vor allem manipulationssicherer digitaler Kontrollgeräte. Dabei legt der EU-Gesetzgeber die Verantwortung für die ordnungsgemäße Bedienung dieser Tachographen in die Hände der Verkehrsunternehmen. Mit Hilfe der neuen Geräte sollen Manipulationen und Missbrauch frühzeitig erkennbar werden, damit sich die Sozialvorschriften besser durchsetzen und einfacher kontrollieren lassen. Infolgedessen sollen sich sowohl die Arbeitsbedingungen in der Branche verbessern als auch die Sicherheit im Straßenverkehr. Und zwar ohne eine administrative Mehrbelastung der Fahrer und Disponenten.

Womit wir gleich bei einer Gretchenfrage wären: Ist der Umstieg auf die neuen Tachographen für die Fuhrpark-Betreiber mit großem Aufwand verbunden?

Nein, eigentlich nicht. Was die Ausstattung der Fahrzeuge mit den neuen intelligenten Tachographen angeht, so gilt die Verpflichtung ja zunächst nur für neu zugelassene und neu ausgerüstete Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Ältere Fahrzeuge müssen noch nicht mit den neuen digitalen Tachographen bestückt werden. Eine voll umfassende Nachrüstpflicht gilt erst ab dem 15. Juni 2034 – und auch dann nur für solche Altfahrzeuge, die grenzüberschreitend unterwegs sind.

Und wie verhält es sich mit den Karten für die Tachographen?

Sowohl die bisher verwendeten Fahrer- und Unternehmerkarten als auch die neu ausgestellten Karten sind mit den digitalen und smarten Tachographen kompatibel. Das heißt, alle Fahrer- und Unternehmerkarten behalten bis zum Ablaufdatum ihre Gültigkeit. Sie werden nach und nach von den Behörden durch eine neue Kartengeneration ersetzt. Werkstätten allerdings müssen jetzt schon eine neue Werkstattkarte beantragen, um die Prüfvorgaben zu erfüllen.

Was ändert sich denn bei den Kontrollen auf der Straße?

Unternehmen und Fahrer, die sich vorschriftsmäßig verhalten, dürften wohl bald mit weniger lästigen Stopps rechnen. Auffällige Fahrzeuge hingegen können die Kontrollbeamten künftig sehr viel zielgenauer und treffsicherer herauswinken. Die technische Grundlage dafür ist unter anderem die von der EU geforderte standardisierte DSRC-Schnittstelle. Hierüber können viele Informationen im Vorbeifahren an die Kontrollstellen übermittelt werden.

Das setzt aber doch eine entsprechende Auslese- bzw. Empfangstechnik auf Seiten der Kontrolleure voraus?

Richtig, und im Rahmen eines Pilotprojekts hat das Bundesamt für Güterverkehr bereits einen Teil der Fahrzeuge des Straßenkontrolldienstes mit einer solchen DSRC-Reader-Technik ausgerüstet. Sobald nun passende Kontroll-Chipkarten des Kraftfahrtbundesamts vorliegen und entsprechende Tests erfolgreich durchgeführt wurden, soll die Technik einsatzbereit sein – sagt das BAG.

Das klingt nach einer höheren Überwachungsdichte. Welche Art von Daten lassen sich mit der neuen Technik denn konkret erfassen und automatisch übermitteln?

Fahrzeug- und Kalibrierungsdaten, Informationen über Sicherheitsverletzungen, Fehlfunktionen des Tachographen, aktuelle Geschwindigkeit, Steckplatzstatus der Fahrerkarten und vieles mehr. Insgesamt können die neuen smarten Tachographen über eine spezielle Schnittstelle auf 19 verschiedene Datensätze zugreifen und diese per DSRC an den Kontrolleur drahtlos übertragen. Darüber hinaus ist die neue Generation der Tachographen in der Lage, über das globale Satellitensystem GNSS die eigenen Positionsdaten zu ermitteln und zu speichern. Diese werden automatisch bei Start und Ende einer Schicht sowie nach drei Stunden Fahrzeit automatisch aufgezeichnet.

Wie ist dabei gewährleistet, dass sämtliche Fahrer- und Fahrzeugdaten weiterhin gesetzeskonform ausgelesen und archiviert werden?

Es kommt eine neue Verschlüsselungstechnik zum Einsatz, die Missbrauch ausschließen soll.

Und die ist kompatibel zu allen bisher verwendeten Fuhrpark-Management-Tools?

Leider nein. Die für Archivierung der digitalen Tachographendaten genutzte Hard- und Software muss dafür auf den neuesten Stand gebracht werden. Wir von Zauner bieten deshalb allen Anwendern unseres Archivierungssystems „ZA-ARC“ hierzu eine elegante Update-Lösung. Fuhrpark-Betreiber, die die Systemversion 4.2 mit einem Wartungsvertrag nutzen, können das Update sogar kostenfrei aktivieren. Mit „ZA-ARC“ lassen sich die Daten der digitalen und intelligenten Tachographen gemäß Fahrpersonalgesetz und Fahrpersonalverordnung einfach und sicher sowohl auslesen als auch archivieren und weiterbearbeiten.

Das Update löst das Problem softwareseitig; aber wie steht es um die Hardware?

Hier ist zu berücksichtigen, dass die neuen Tachos die Daten in einer neuen Struktur speichern, die die alten Auslesegeräte nicht lesen können. Zum Auslesen und zur Selbstkontrolle benötigt der Anwender einen Download-Key wie zum Beispiel den DLK Pro S. Alternativ dazu lässt sich der DLK Pro mit einer Lizenzkarte und einem Update nachrüsten. Zauner stellt beide Ausführungen bereit. Damit können sowohl die neuen als auch die alten Tachos ausgelesen werden.

Mit welchen weiteren Mitteln unterstützen Sie denn Ihre Kunden beim Um- oder Einstieg in die DTCO-Materie?

Neben der spezifischen Beratung zu allen Fragen rund um die Soft- und Hardware bieten wir Kunden und Interessenten die Möglichkeit zur Teilnahme an unseren Seminaren und Schulungen, in denen wir das Thema Datenmanagement mit den neuen Tachographen behandeln.

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