Zoff ums Zahlen an der Säule

Ist das Bezahlen mit EC-Karte eine Investition in die Vergangenheit oder ein "Muss"? Darüber ist ein Streit zwischen Kreditinstituten und Ladenetzprovidern entbrannt.

Geht doch: Zusammen mit der GLS Bank und Compleo hat die Westfalen Weser Energie-Gruppe die punktuelle EC-Karten-Zahlung an öffentlichen, eichrechtskonformen Ladepunkten umgesetzt. Künftig können Nutzer mit Girokarten (EC-Karten) über das NFC-Verfahren kontaktlos und per Lastschrift zahlen – ohne Registrierung. | Foto: GLS Bank
Geht doch: Zusammen mit der GLS Bank und Compleo hat die Westfalen Weser Energie-Gruppe die punktuelle EC-Karten-Zahlung an öffentlichen, eichrechtskonformen Ladepunkten umgesetzt. Künftig können Nutzer mit Girokarten (EC-Karten) über das NFC-Verfahren kontaktlos und per Lastschrift zahlen – ohne Registrierung. | Foto: GLS Bank
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Um die von der Bundesregierung im Corona-Konjunkturpaket beschlossene zügige Schaffung eines einheitlichen Bezahlsystems im Rahmen des Ausbaus der Ladeinfrastruktur ist zwischen den Akteuren ein Streit entbrannt. Dies fordert die neue Ladesäulenverordnung (LSV) explizit. Hinter den Kulissen wird nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung aber offenbar um die Auslegung des Begriffst "einheitliches Bezahlsystem" gestritten und ob es genügt, einheitlich per Smartphone den Ladestrom bezahlen zu können oder ob auch EC- und Kreditkarte akzeptiert werden müssen.

Letzteres wird naheliegenderweise vor allem von den Geldinstituten favorisiert. Deren Deutscher Sparkassen- und Giroverband plädiert für eine Bezahloption mit Karte bei sogenannten "Ad-hoc"-Ladevorgängen. Ein Verzicht sei "der gesellschaftlichen Verankerung der Elektromobilität nicht dienlich", monierte Verbandspräsident Helmut Schleweis in einem Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Die Energiewirtschaft wiederum warnt vor hohen Kosten, die mit dem Verbau analoger Lesegeräte an den Säulen einhergehen. "Die Möglichkeit des spontanten Ladens ist ein kaum genutztes Angebot, das als Backup-Variante vor allem für Nutzerinnen und Nutzer aus dem europäischen Ausland relevant ist", so die Analyse des Branchenverbands BDEW gegenüber Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU). Mit der Option würden die Säulen um zehn Prozent teurer, das sei unverhältnismäßig, moniert der Verband und prognostiziert: "Analoge Ladegeräte werden in wenigen Jahren obsolet sein". 

Von wegen analog: Kontaktlos im Trend

Die Kosten schätzt nun allerdings der Bankenverband in einem internen Papier deutlich niedriger ein und spricht von lediglich 300 Euro pro Einheit. Zudem entwickle sich der Markt rasant, die Kosten würden weiter fallen. Auch den Begriff analog wies man von sich, schließlich würden die Geräte zunehmend kontaktlos und ohne PIN genutzt, was bis 50 Euro auch an einer Stromladesäule funktioniere.

Letztlich sorgt der Zwist dafür, dass sich eine Lösung verzögert. Der BDEW formulierte, man nehme mit Sorge wahr, dass die LSV entgegen der ursprünglichen Planung immer noch nicht im Kabinett beschlossen worden sei. Das Finanzministerium drängt offenbar auf eine Kartenlösung. Auch die Vereinbarkeit mit dem Eichrecht muss noch geklärt werden. Der Automobilverband VDA hält den Entwurft der LSV für "in Ordnung" und drängt vor allem auf einen raschen Beschluss.

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