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Ein König kommt per App

Ein König kommt per App

Die Berliner Verkehrsbetriebe starten mit Via und ­Mercedes-Benz Vans ein Ride-Pooling-Projekt im größeren Stil: Bald werden „Berl-Könige“ und „-Königinnen“ auf Berlins Straßen dienen.  

Die Idee der „dienenden Könige“, die für Berlin noch neu ist, bildet in anderen Regionen der Erde seit Jahrzehnten den „Königsweg“ des Personentransportes. Wenn auch analog und unter anderem Namen. Die Rede ist vom Rufbussystem, das in Südamerika, Russland oder im arabischen Raum etabliert ist.

Und zwar so: Hand raus, wenn sich ein Kleinbus nähert. Im Idealfall ist der noch nicht voll und nimmt den Winkenden gegen Cash mit. Womit sich das System zwischen nicht ganz billigem Taxi und nicht ganz flexiblem ÖPNV platziert. Eine Lücke, die in Europa und Nordamerika auch wegen der dort deutlich strikteren Gesetze zur Personenbeförderung lange Zeit offenblieb.  Doch seit Uber das Ridesharing und Pooling populär machte, versuchten viele Unternehmen und Start-ups, diese Lücke zu schließen.
Darunter auch Via in den USA, wo man einen Pooling-Algorithmus entwickelte, um Fahrten gezielt zu bündeln.  Man startete in New York und ließ dann Chicago, Washington D.C. und jetzt eben Berlin folgen – hier mit der BVG. Auch der Volkswagen-Konzern hat mit seinem digitalen Arm „Moia“ ein ähnliches Projekt präsentiert, das aktuell unter anderem in Hannover praktisch erprobt wird.

Doch zurück nach Berlin. Zu Beginn der achtziger Jahre hatte man dort bereits ein Rufbusprojekt aufgesetzt, das nach einem Jahr wegen Erfolglosigkeit wieder eingestellt wurde. Umso wichtiger war es jetzt, die Erfahrungen von damals mitzunehmen.

Ein „Geburtshelfer“ des „Berlkönig-Kindes“ ist Mercedes-Benz: Vor allem die Van-Sparte beteiligt sich mit dem Vito (als Euro-6-Diesel und Elektroversion). Dazu kommen elektrische B-Klasse-Kompaktwagen. In einer ersten Phase ist das Projekt auf zwei Jahre angesetzt – mit 50 Fahrzeugen in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg.

In der nächsten Ausbaustufe soll das Angebot auf 300 Fahrzeuge in weiteren Stadtbezirken steigen und zwischen den Zeilen lässt man bei Daimler verlauten, dass man bereits mit weiteren Städten verhandelt.  Das Hauptziel ist, den Individualverkehr von der Straße zu holen und zum Umstieg auf das neue BVG-Angebot zu bewegen, das zu Beginn in den Abendstunden und am Wochenende startet.

"Wir freuen uns sehr, dass wir in Berlin mit der BVG einen idealen Partner für den Start für ViaVan in Deutschland gefunden haben. Der anspruchsvolle Verkehr in Berlin ist der perfekte Härtetest, um diese neue Form der Mobilität zu testen. Geteilte Mobilität in unseren Vans leistet einen erheblichen Beitrag zur Entlastung des städtischen Verkehrs und macht gleichzeitig nachhaltige Mobilität verfügbar."
Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes-Benz Vans, Daimler AG

Hört sich nach Taxi-Konkurrenz an, soll es aber nicht sein, denn: Das On-demand-Ride-sharing bringt einen nicht von Haustür zu Haustür, sondern nennt einem per App den Zu- und Ausstiegsort, den man ansteuern muss, um mitzukommen. Der orientiert sich grob an den BVG-Haltestellen, die im Schnitt 400 Meter auseinanderliegen, nimmt aber weitere Punkte hinzu, sodass man auf ein Raster im 200-Meter-Abstand kommt. Welches dann zwischen Bushaltestellen und dem Tür- zu Tür-Service eines Taxis liegt. Auch die Preise sollen sich genau in diesem Fenster bewegen und dürften je nach Aufkommen flexibel sein: günstiger in Randzeiten und -gebieten, teurer bei hoher Nachfrage auf populären Routen, doch nie teurer als eine vergleichbare Taxifahrt.  

Ein weiterer Punkt ist die Rechtslage: Aktuell hat die BVG einen Antrag zur Genehmigung des neuen Verkehrsangebotes im Rahmen der Experimentierklausel des PBefG eingereicht, womit man, grob vereinfacht gesagt, eine Art „alternativen Testbusverkehr“ betreibt. Organisatorisch koppelt man das starre BVG-Netz samt seiner ­Haltestellen mit zusätzlichen Haltepunkten und erstellt so per Algorithmus ein flexibles „Netz“, das möglichst viele Fahrten ohne allzu große Umwege bündeln kann. Jetzt liegt es an den Berlinern, ihre Berlkönige und -königinnen dienen zu lassen.

Foto: Mercedes-Benz

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