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LKW unter STROM

LKW unter STROM

In Hamburg zeigten die VW-Nutzfahrzeugmarken MAN, Scania, Volkswagen Caminhões e Ônibus, Volkswagen Nutzfahrzeuge und RIO ihre Ideen zu den großen Themen Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung.

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller gibt den „Diesel-Judas“, wie ihn FDP-Generalsekretärin Nicola Beer nannte. Er hinterfragt Sinn und Zweck der Dieselsubventionen und schlägt eine schrittweise Umschichtung der Steuererleichterungen vor: „Das Geld könnte sinnvoller in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken investiert werden. Abstriche bei den Dieselsubventionen, dafür Anreize für Elektroautos wären das richtige Signal“, so CEO Müller.

"Zumindest für den schweren Fernverkehr werden wir vorerst nicht am Verbrennungsmotor vorbeikommen. Sei es nun als Euro-6-Diesel, als Langstrecken-Lkw mit Flüssiggas-(LNG-)Betankung oder als klimaneutraler Motor für synthetische Bio-Kraftstoffe."
Andreas Renschler, CEO von Volkswagen Truck & Bus

Die neue Dachmarke Volkswagen Truck & Bus als „Start-up-Unternehmen“ zu bezeichnen, ist wohl etwas tiefgestapelt. Denn Branchenriesen wie MAN und Scania sind weder einzeln noch im Zusammenschluss mit einem Start-up zu vergleichen, sondern ziemliche „Dickschiffe“ in der Branche, mit teils ähnlichen Angebotsstrukturen und Produkten. Zuvor waren sie Konkurrenten, nun sollen sie gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft in Sachen automatisierten, vernetzten und sauberen Transports meistern.

Es gibt schon Erfolge mit dem Erdgas-Caddy, ein marktfähiger E-Transporter kommt und MAN gilt als Profi bei Erdgasbussen, baut sehr gute Diesel-Motoren und treibt den e-Lkw weiter voran. Scania strebt eine Führungsrolle im neuen Duo an, mit Kompetenz bei Antriebssträngen mit den verschiedensten Kraftstoffarten: Neben Diesel und diversen künstlich zusammengebrauten, dieselähnlichen Kraftstoffen erwarb man sich über die Jahre Kompetenz bei CNG- und LNG-Motoren, sowie Ethanol als Treibstoff. Im Großen und Ganzen spiegelt die kleine Produktschau am Elbufer diesen Status quo wieder. Spannender sind aber die Highlights, die einen Schritt weitergehen.

Unter dem Stichwort „autonomes Fahren“ zeigt MAN hier seinen „Fellow Truck“, der alle Erfahrungen des autonomen Fahrens bündelt. Bereits weit gediehen ist das autonom fahrende Absicherungsfahrzeug (aFAS) im fahrerlosen Baustelleneinsatz. Als das am meisten kollisionsgefährdete Fahrzeug im Baustellen-Verbund ist es nur logisch, gerade dieses autonom zu bewegen. Scania hat derweil fahrerlose Baufahrzeuge in Steinbrüche geschickt.

Als ersten Schritt zum autonomen Güterverkehr auf öffentlichen Straßen verfolgt man nach wie vor die Idee des Platoonings, also die elektronische Verkettung von bis zu vier Zügen, von denen nur das führende Fahrzeug mit einem Fahrer besetzt sein muss.

Autonome Verkehre erfordern aber eine ganz neue Anpassung der gesetzlichen Ruhezeiten und Regelungen der verschiedenen Stufen der Fahrerintervention, um das bereits Realisierbare umsetzen zu können. Nicht ohne Grund ist die Telematikplattform RIO („Fluss“) in die Volkswagen Truck & Bus-Familie eingebunden. RIO soll markenübergreifend, systemoffen und cloudbasiert die Grundlage für die Vernetzung aller Funktionen in der Transportbranche bilden. In den kommenden Jahren werden wir eine deutliche Zunahme des elektrischen Nahverkehrs erleben. Den Marktanteil für elektrisch betriebene Verteilerfahrzeuge schätzt Volkswagen Truck & Bus für den Zeitraum 2020 bis 2025 auf fünf Prozent und mehr. Der Anteil an E-Stadtbussen soll viel höher ausfallen.

Fotos: Volkswagen

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